Arctic Nature Guide – der Internationale Studiengang auf Spitzbergen

Eis statt Zucker schlecken – Überlebenstraining und sicheres Guiding in der Arktis

Der »Arctic Nature Guide« ist ein internationaler und interdisziplinärer Studiengang für Expeditionsführer, den man nur auf Spitzbergen absolvieren kann. Das einjährige Studium ermöglicht es, anschließend als Guide und Vertreter (Repräsentant) für eine nachhaltige Entwicklung zu arbeiten. Es beruht auf einer Kombination von disziplinübergreifender Qualifikationen, umweltbewusstem moralischem Handeln und pädagogischer Schulung der Kommunikations- und Beratungsfähigkeiten. Mehr zu Teilnahmebedingungen und Bewerbungsmöglichkeiten siehe unten.

Das ganzheitliche und fachübergreifende Konzept setzt sich aus den Bereichen Tourismus, Naturwissenschaften und (Über-)Leben in freier Natur zusammen.

Der Studiengang richtet sich an Menschen, die entweder bereits als Guide auf Spitzbergen, auf dem norwegischen Festland oder in anderen Regionen rund um die polaren Regionen arbeiten oder dort eine Anstellung anstreben.

Das Programm bietet eine professionelle Ausbildung im Bereich »Leben in der Natur« und Tourismus, wobei der Schwerpunkt auf Svålbard und anderen polaren Gebiete liegt. Diese Ausbildung befähigt aber auch, im Bereich Tourismus, Pädagogik, Outdoor-Training, Umweltschutz sowie bei Hilfsorganisationen zu arbeiten.

Der einjährige Studiengang »Arctic Nature Guide« ist ein Joint Venture der Svålbard Reiseliv AS, Universitetssenteret på Svålbard (Spitzbergen University Centre) und der Høgskolen i Finnmark (Finnmark University College).

Studieninhalte sind sechs Hauptfächer

  • Sicheres Guiding in der Arktis
  • Natur und Kultur der Arktis
  • Öko-Tourismus und wertorientiertes Guiding
  • Mitarbeiterführung beim Guiding
  • Zu Gast in der Natur (hostmanship)
  • Service
  • Kreatives Geschichtenerzählen.

Durch Projekte werden einzelne Bereiche vertieft.

Sicheres Guiding in der Arktis

Dieses Modul ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Studiums und die Grundlage für alle weiteren Fähigkeiten, die ein Guide aufzuweisen haben sollte.

Daher gehen wir in diesem Themenbereich die gängigen Sicherheitsapekte, mit denen ein Guide in seiner beruflichen Laufbahn rechnen muss, sehr sorgfältig durch. Dies geschieht hauptsächlich durch praktische Übungen und das Sammeln eigener Erfahrungen sowie durch Reflektionen in der Natur, aber immer mit Blick auf die Ausbildung zum Guide.

Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Bereich der Ausbildung liegt auf dem Training der Entschlussfassung, wenn zwischen Sicherheit und Risiko abgewogen werden muss. Die meisten Themenbereiche sind relevant für alle Arten des Guidings, doch in einigen Bereichen liegt der Schwerpunkt eher auf der arktischen Region.

Der Focus auf das sichere Guiding wird das ganze Studienjahr über beibehalten, wobei der natürliche Verlauf der Jahreszeiten berücksichtigt wird. Von den Studenten wird erwartet, dass sie in diesem Bereich nach und nach während des Jahres sowohl individuelle Verantwortung als auch Verantwortung als Guide übernehmen:

  • Fortbewegen auf Gletschern und die zu berücksichtigenden Sicherheitsaspekte
  • Schnee- und Lawinen-Kenntnisse
  • Reisen auf Meereseis und die zu berücksichtigenden Sicherheitsaspekte
  • Reisen in der freien Natur und die zu berücksichtigenden Sicherheitsaspekte
  • Sicheres Reisen und Campen in der Arktis
  • Erste Hilfe in der Wildnis und Notfallsituationen
  • SAR-Management (Such- und Rettungsdienst)
  • Sicherer Umgang mit Eisbären
  • Gefahrenanalyse und Führen von Teams in schwierigen Situationen

Fortbewegen auf Gletschern und die Sicherheitsaspekte

Das Studium beinhaltet eine gründliche Ausbildung für Gletschertouren sowie die Rettung aus Gletscherspalten im Sommer und im Winter. Die Ausbildung beginnt mit Grundlagenwissen. Die Fähigkeiten der Studenten werden dann über das Jahr kontinuierlich weiterentwickelt.

Sie umfasst 10 Tage Sommer-Kurs auf dem Nordenskioldbreen (ein Ausbilder für 4 bis 5 Studenten), 2 Tage Rettung im Winter (ein Ausbilder für 6 Studenten), 3 Tage Orientierung, Auffinden von sicheren Routen und Fortbewegen auf schneebedeckten Gletschern (in die 10-tägige Ski-Winter-Exkursion integriert), 6 Tage Gletscher-Ski-Trip mit Camping auf dem Gletscher (ein Ausbilder für 17 Studenten).

Neben diesem praktischen Teil erwirbt der Student dabei auch Kenntnisse im Anführen von Gruppen und im Guiding selbst. Er wird Leiter einer Seilmannschaft sein, deren Mitglieder andere Studenten sein können, aber auch Menschen, die noch keine weitere Gletschererfahrung haben.

Zusätzlich zu der Praxis und der im Feld erarbeiteten Theorie besucht der Student Vorlesungen in Gletscherkunde.

Das Gletscher-Training beinhaltet folgende Punkte:

  • Steigeisen
  • Alter von Eisschichten
  • Ausstattung/Bekleidung/passgenaues Einstellen und Organisieren der Ausstattung
  • French Technique (Bergsteigen im Schnee mit Steigeisen an den Füßen)
  • Schneiden von Stufen
  • Schutz im Eis
  • Knoten
  • Seile (Typen, Güte, Zwirnung etc.)
  • Anknoten
  • Seilmannschaften
  • Anker und Sicherungen
  • Grundkurs Spaltenbergung – Bergung des Begleiters
  • Abseilen
  • Aufsteigen am Seil mit Hilfe des Prusik-Knotens
  • Drahtseilklemmen etc. – Ausprobieren von verschiedenen Equipments
  • Finden von sicheren Wegen
  • Absichern im schwierigen Eis
  • Orientierung im Eis
  • Führen einer Seilmannschaft
  • Spannen von Seilen als Geländer
  • Rettung bei geführten Ausflügen »Guide-Methode«
  • Komplizierte, improvisierte Bergung, halbstatische Seile
  • Aufgaben von Guides im Gletscher
  • Längere Ausflüge auf dem Gletscher, Blau-Eis
  • Schneebedeckte Gletscher
  • Halt finden beim Rutschen am eisigen Hang mit/ohne Eispickel
  • Befestigungen im Schnee
  • Orientierung und Auffinden von sicheren Wegen
  • Der Gletscher: Bewegungen, Spalten usw.
  • Gletscher-Sicherheit
  • Gletscher-Guiding
  • Gebrauch von unterschiedlichen Schneeankern
  • Bergung auf schneebedeckten Gletschern
  • Schlitten im Pulk am Seil anbringen
  • Bergung mit Skiern und Schlitten/Schnee-Skooter
  • Improvisiertes Gurtzeug
  • Erschwerte improvisierte Bergung im Schnee
  • Mehrtägige Gletscher-Ski-Fahrten
  • Anseilen und Laufen in einer Seilmannschaft mit Skiern und Schlitten
  • Besondere Verantwortung der Guides für Gäste ohne Gletscher-Erfahrung
  • Auffinden von sicheren Wegen auf von Spalten durchzogenen Gletschern
  • Zelten auf Gletschern – einen sicheren Zeltplatz finden
  • Orientierung bei schlechter Sicht und Auffinden von sicheren Wegen mit Seilmannschaften bei schlechter Sicht
  • Routenplanung anhand von Landkarten/Luftbildern

Grundlagen Schnee und Lawinen

Ein Zeitraum von 6 Tagen, integriert in die 10-Tage-Winter-Ski-Exkursion

Grundlagen Schnee und Lawinen in der Theorie

  • Verschiedene Lawinenarten
  • Schnee
  • Weiche Lagen in der Schneedecke
  • Faktoren, die die Stabilität des Schnees beeinflussen
  • Wetter

Grundlagen von Schnee und Lawinen in der Praxis

Anhand von praktischen Übungen sammelt der Student Erfahrungen im Aufbau von unterschiedlichen Schneeschichten und Schichtungen im Schnee.

Bergung des von Lawinen verschütteten Weggefährten in der Theorie

  • Sicherheitsausrüstung
  • Das »15-Minuten-Fenster«
  • Wie eine Lawine entsteht
  • Lawinensuche mittels Stöcken
  • Funktionsweise des Lawinen-Verschütteten-Suchgeräts

Bergung des von Lawinen verschütteten Weggefährten in der Praxis

  • Stechlinien und kreisförmiges Suchen mittels Stöcken
  • Ausgraben von Lawinenopfern
  • Einzelne Schritte der Weggefährten-Bergung
  • Das Lawinen-Verschütteten-Suchgerät
  • Gruppen-Check
  • Suche aufgrund von Umgebungslinien
  • Übung: Die Bergung von A-Z
  • Mehrere Verschüttete
  • Besonders tief Verschüttete

Beurteilung der Lawinengefahr und sicheres Vorankommen in der Theorie

  • Vorbereitungen treffen
  • Tourenplanung
  • Routenermittlung auf der Karte
  • Routenermittlung im Freien
  • Sicheres Vorankommen

Beurteilung der Lawinengefahr und sicheres Vorankommen in der Praxis

  • Routenermittlung und Beurteilung des Gebiets hinsichtlich Schnee und Lawinengefahr
  • In kleinen Gruppen per Skier oder Schneeschuhen eine geplante Route gehen

Dieses Wissen wird auch auf den anderen Exkursionen immer wieder angewendet und vertieft, und kann auch mit anderen Guide-Übungseinheiten kombiniert werden.

Sicherheit im Umgang mit Eisbären

(ein ganzer Tag und bei allen anderen Feld-Exkursionen)

Praktikum

Der Studiengang des »Arctic Nature Guides« (ANG) arbeitet eng mit den (Abenteuer-)Reiseveranstaltern vor Ort in Spitzbergen sowie Reiseveranstaltern in Norwegen zusammen. Den Studenten bieten sich somit exzellente Möglichkeiten, ihre im Studium erlernten Fähigkeiten im Praktikum, das sie ganz nach ihren persönlichen Interessen auswählen können, praktisch umzusetzen.

Dieser unmittelbare Einsatz des Erlernten im realen Leben ist ein wesentlicher Bestandteil des ANG-Studienprogramms. Ein längeres Praktikum ist für die Haupt-Wintersaison vorgesehen.

Das Praktikum vermittelt den Studenten:

  • Das Einfinden in die Rolle des Guides, Denken als Guide
  • Pädagogische Fähigkeiten
  • Technische Fähigkeiten
  • Rollenverhalten als Guide, da sie erfahrene Guides im Einsatz begleiten
  • Einschätzen der Fähigkeiten anderer Guides aufgrund der bereits im Studium vermittelten Kenntnisse sowie Organisation in der Praxis
  • Das tägliche Leben als Guide in der Arktis und die Rntwicklung von Routinen
  • Der Umgang mit Reiseveranstaltern

Das Praktikum vermittelt den Studenten auch ein tiefes Verständnis für den heimischen Tourismus. Gleichzeitig sorgt das Praktikum für gute Kontakte, so dass den Studenten ein ausgezeichnetes Netzwerk für ihre spätere Arbeit als ANC zur Verfügung steht.

Facebook:
https://www.facebook.com/arcticnatureguide?ref=ts&fref=ts

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