Mitternachtssonne

Mitternachtssonne auf Spitzbergen · © Martin Berg Mitternachtssonne auf Spitzbergen · © Martin Berg

Zu den langen, dunklen Wintern und den von der Sonne erleuchteten Sommern in den Polargebieten kommt es, weil das ganze Gebiet innerhalb der Polarkreise im Winter der Sonne abgeneigt und im Sommer der Sonne zugeneigt ist. Daher wird kein Punkt nördlich des Polarkreises im Winter von der Sonne beschienen (d.h. die Sonne steigt nicht über den Horizont), während die gleiche Region im Sommer ständig von der Sonne beschienen wird (d.h. die Sonne geht nicht unter). Je weiter man sich auf die Pole zubewegt, desto mehr nimmt die Zahl der Tage mit Sommertageslicht zu. Für jeden langen Sommertag gibt es in etwa eine lange Winternacht.

Am Polarkreis selbst ist die Mitternachtssonne nur zur Mittsommerwende sichtbar, aber nur am Tag der Wintersonnenwende fehlt sie ganz. Am Nordkap beginnt die Zeit der Mitternachtssonne jedes Jahr dagegen bereits am 16. Mai und dauert 72 Tage bis Ende Juli. Im nördlichen Spitzbergen beginnt sie schon am 13. April und endet erst nach 137 Tagen. An den Polen schließlich verschmelzen Tage und Jahreszeiten völlig miteinander – wenn die Sonne einmal am Himmel ist, bewegt sie sich für einen Tag, der sechs Monate lang dauert, spiralförmig über den Himmel und geht dann für eine sechs Monate anhaltende Nacht unter.

Für die Erklärung dieses Phänomens sind drei Punkte wichtig:

  1. Die Erde rotiert um eine Nord-Süd Achse einmal innerhalb von 24 Stunden.
  2. Die Erde kreist in 365 Tagen auf horizontaler Ebene einmal um die Sonne.
  3. Die Erdachse steht nicht im rechten Winkel zu dieser Ebene, sondern weicht 23.5 Grad ab. Diese Abweichung bringt andauerndes Tageslicht zum einen Pol und als Konsequenz ständige Dunkelheit zum anderen.

Wäre die Erdachse rechtwinklig zu ihrer Bahn um die Sonne, wären beide Pole ständig auf der Linie zwischen Tag und Nacht, alle anderen Punkte der Erde hätten genau 12 Stunden Tag und 12 Stunden Nacht. Es gäbe keine Mitternachtssonne und auch keine Jahreszeiten.

Wegen der Abweichung der Erdachse vom rechten Winkel gibt es an den Polen die zwei Extreme: Wenn der Pol der Sonne zugewendet ist, gibt es Mitternachtssonne, am Nordpol also im Sommer. Wenn der Pol von der Sonne abgewendet ist, am Nordpol also im Winter, herrscht ewige Nacht. Am Südpol sind die Verhältnisse umgekehrt.