Sir Robert Falcon Scott

Sir Robert Falcon Scott wurde am 6. Juni 1868 bei Plymouth geboren. Auf Betreiben seines Vaters trat Scott mit 13 nach Abschluss der Schule der Royal Navy bei. Diese Berufswahl war nicht abwegig, da in der Familie Scotts von beiden Seiten eine Seefahrertradition bestand. Über verschiedene Ausbildungsstationen diente er sich vom Seekadett auf dem Ausbildungsschiff HMS Britannia hoch bis zum Torpedoleutnant auf der HMS Majestic.

Idee zu einer Reise in die Antarktis

Zu diesem Zeitpunkt war Scott 31 Jahre alt und suchte neue Herausforderungen. Er fand sie in dem Angebot von Sir Clements Markham, eine Expedition in die Antarktis zu leiten. Sir Clements war der Präsident der Royal Geographical Society und erfahrener Polarforscher. Aufgrund seines eigenen Werdegangs in der Royal Navy sah sich Markham immer wieder nach fähigen Seekadetten um, um sie für eventuelle spätere Erkundungen als Expeditionsteilnehmer ansprechen zu können. Scott war ihm bereits 1887 aufgefallen und durch eine zufällige Begegnung in London trafen sie sich 13 Jahre später wieder.


Markham setzte sich bei dem Komitee zur Vorbereitung einer wissenschaftlichen Expedition in die Antarktis, bestehend aus Mitgliedern der Royal Society und der Royal Geographical Society, mit dem Wunsch nach einer Royal Navy geprägten Leitung durch.

Scotts erste Expedition, die National Antarctic Expedition

Am 6. August 1901 brach die RRS Discovery zur »National Antarctic Expedition« auf. Die Mannschaft bestand aus Navy-Angehörigen und Wissenschaftlern. 

Sechs Monate später, am 8. Februar 1902 kamen sie in der McMurdo-Bucht an und gingen nach dem später so benannten Punkt »Winter Quarters Bay« vor Anker. Auf einem ihrer Zwischenstopps dorthin hatten Scott und Ernest Shackleton einen Flugversuch mit Beobachtungsballons unternommen. Diese erfuhren aber gleich bei ihrem ersten Einsatz so schwere Schäden, dass es bei dem einmaligen Versuch blieb. Nach Errichtung der Basis am Hut Point, einer felsigen Halbinsel, gewöhnten sich die Männer an ihre neue Umgebung, die sie zwei Jahre nicht verlassen sollten.

Einigen Quellen nach zu urteilen, mussten sich die Männer zum ersten Mal in ihrem Leben mit Skiern und Hundeschlittenführung auseinandersetzen, was nicht sehr erfolgreich war, so dass Scott weiterhin favorisierte, die Schlitten von den Expeditionsteilnehmern ziehen zu lassen und mit den Tieren die Versorgungslogistik aufrecht zu erhalten.
 Den Winter über widmeten sich die Männer den Forschungsaufträgen; die Ausführung geographischer Zielsetzungen musste bis zum Frühjahr warten.

Verschiedene Erkundungsreisen von der Basis aus

Am Ende des Winters wurden wieder Schlittenfahrten unternommen, um Ausrüstung und Rationen zu erproben für eine Exkursion, die Scott zusammen mit Shackleton und Adrian Wilson gen Süden unternehmen wollte. 
Bei dieser Unternehmung stellten sie einen neuen Südrekord  mit Erreichen des 82° 17’ auf. Ihre Reise war nicht sonderlich erfolgreich: Sie kamen nur langsam voran, gebeutelt von körperlichen Problemen (Erfrierungen, Schneeblindheit, Skorbut) und dem wenig fachkundigen Umgang mit Hundegespannen.

 Als am 3. Februar 1903 die Gruppe zurückkehrte, war das Versorgungsschiff »Morning« mit frischen Vorräten eingetroffen. Geplant war, dass die »Discovery« im März/April 1903 wieder nach Großbritannien zurückkehren sollte; aus diesem Plan wurde aber nichts, da sie im Packeis festsaß. Die »Morning« verließ die »Discovery« am 2. März 1903 mit einigen Besatzungsmitgliedern der »Discovery« an Bord, die vorzeitig zurückkehrten; unter ihnen Ernest Shackleton. 

Nach dem Winter 1903 startete Scott eine weitere Exkursion, diesmal in Richtung Westen mit Edgar Evans und William Lashly u.a in der Hoffnung, den magnetischen Südpol zu finden. Von dieser Reise kehrten sie Mitte Dezember zurück; wieder hatten sie mit Schneestürmen zu kämpfen und mit dem Überwinden des Ferrar-Gletschers.


Da sie auf dieser Reise nichtsdestotrotz schneller vorankamen als auf ihrer ersten, nach Süden führenden Exkursion, und diesmal ihre Schlitten selber gezogen hatten, fand sich Scott in seinem Vorurteil gegenüber Hundegespannen bestätigt.
 Bei ihrer Rückkehr war die »Discovery« immer noch im Packeis gefangen und als am 5. Januar 1904 die »Morning« zusammen mit der »Terra Nova« ankam, wurde Scott ein Ultimatum gestellt:


Aus Kostengründen sollte er nach Großbritannien zurückkehren; auch wenn dafür die »Discovery« aufgegeben werde musste. Mitte Februar aber gab das Eis die »Discovery« frei, so dass am 16. Februar 1904 alle drei Schiffe die Antarktis in Richtung Neuseeland verlassen konnten.

Rückkehr von der National Antarctic Expedition

Im September 1904 wurde ihre Ankunft in Porthsmouth gefeiert. Die Expedition galt trotz des immensen finanziellen Aufwands (ca. 5,7 Mill. Euro) als großer Erfolg bezüglich der geographischen, meteorologischen und magnetologischen Erkenntnisse, Entdeckungen und Funde.

Aufgrund der großen Euphorie wurden kritische Ansatzpunkte bezüglich Ausstattung, Organisation und Ziele nur in geringem Maße später bei der zweiten Expedition berücksichtigt.

 Scott war ein Held und wurde mit Auszeichnungen überschüttet. Er schrieb ein Buch »The Voyage of the Discovery« und machte weiterhin Karriere bei der Marine. Als er im Rang eines Flag Captain 1907 zur HSM Albemarle versetzt wurde, lernte er seine spätere Frau, Kathleen Bruce kennen, die er am 2. September 1908 heiratete.

Der Südpol ist das Ziel …

Während dieser Zeit bei der Marine blieb für Scott die Eroberung des Südpols für Großbritannien weiterhin das Ziel. Angetrieben von dem Erfolg Shackletons Nimrod-Epedition 1909, die den magnetischen Südpol entdeckte und nur knapp vor dem Südpol umkehren musste, verkündete er, eine weitere Reise in die Antarktis machen zu wollen. Diesmal trugen nicht die Societes die Kosten, sondern die Reise wurde privat finanziert; d.h. die Hälfte der Kosten wurde von der Regierung getragen und zur restlichen Finanzierung sammelte Scott Spenden und bat um Kredite.



Scott brachte bei den Vorbereitungen zur Expedition einen Teil seiner Erfahrungen der »Discovery«-Expedition ein: Das wissenschaftliche Team war größer und erfahrener, das Schiff, es handelte sich hierbei um die überholte »Terra Nova« aus der »Discovery«-Expedition, sollte nicht, im Packeis eingefroren, mit überwintern und er ließ die Männer Ski fahren lernen. Als Transportmittel nahm Scott die ihm immer noch fremden Hundeschlitten sowie Ponys und Motorschlitten mit; letztere aufgrund der guten Erfahrungen, die Shackleton auf der Nimrod-Expedition damit gemacht hatte.

… auch für Amundsen

Auf seiner Reise nach Neuseeland bekam er Nachricht, dass Amundsen nicht, wie erwartet, zu einer Arktisreise aufgebrochen war, sondern sich südwärts bewegte.
 Scotts Expedition bekam einen anderen Charakter. …

Scotts »Terra Nova« bricht zur Antarktis auf

Scott verließ mit der »Terra Nova« am 26. November 1910 Lyttleton, Neuseeland, um Anfang Januar Cap Evans in der Antarktis zu erreichen und errichtete dort eine Hütte, die auch heute noch steht und bekannt ist als »Scotts Hütte«.

Das Erste Jahr in der Antarktis: Vorbereitungen werden getroffen

Der Plan sah im ersten Jahr vor, Depots für die im nächsten Jahr anstehende Südpolarreise anzulegen neben geologischen Erkundungen und wissenschaftlichen Arbeiten. Aufgrund eines Sturms während der Anreise waren sie einen Monat später als geplant vor Ort und Vorräte sowie Zugtiere waren durch den Sturm verloren gegangen. Diese Verspätung zog Eile bei der Errichtung der Depots nach sich und immer schlechtere Bedingungen für Ponys und Motorschlitten, so dass die Gruppe nicht so schnell voran kam wie geplant. Bis Mitte April 1910 konnten alle Depots eingerichtet werden, wenn auch an anderen Standorten als ursprünglich vorgesehen, so z.B. das One Ton Depot.


Die Ponys zeigten sich den Strapazen nicht gewachsen und die Motorschlitten erwiesen sich weiterhin nur als bedingt einsetzbar. Lediglich die Hundegespanne waren verlässlich. 
Scott hatte für den Sommer 1911/12 diverse geologische Expeditionen vorgesehen sowie eine Fahrt im Winter 1911 nach Kap Crozier zur Kolonie der Kaiserpinguine. Diese Kolonie war während der »Discovery«-Expedition entdeckt worden.


Nebenbei wollte man Erkenntnisse zu Lebensmittelrationen gewinnen, die der Südpolarreise im Oktober 1911, also dem zweiten Jahr vor Ort, zugute kommen sollten; der Reise, die der Höhepunkt der Expedition sein sollte.
 Scott zeigte sich bei der Rückkehr der Gruppe Anfang August 1911 sehr zufrieden: »I feel sure we are as near perfection as experience can direct.« [Ich bin sicher, dass wir so nah an der Perfektion sind, wie Erfahrung es uns nur aufzeigen kann], während ein Teilnehmer, der Zoologe Cherry-Garrard, seine Erinnerungen in dem Buch mit dem bezeichnenden Titel »The Worst Journey in the World« [Die schlimmste Reise der Welt] niederschrieb.

Das Zweite Jahr: Die Südpolarreise zur Entdeckung des Südpols

Im Oktober 1911 brachen vier Trupps á vier Mann mit Motorschlitten, Ponys und Hundegespannen auf. Es war geplant, dass ein Teil der Trupps weiterhin Depots anlegen und dadurch das Fortkommen der Anderen sichern sollte.
 Wieder hatten sie mit Wetter, ausfallenden Motorschlitten und erkrankten Ponys, die dann getötet werden mussten, zu tun und wieder kam es zu einem Dominoeffekt:


Die Ladung der Motorschlitten wurden von den Männern selber gezogen, durch das schlechte Wetter mussten sie Rationen anbrechen, die für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen waren, durch den Wegfall der Ponys wurden mehr Hunde benötigt, deren Gespanne dann nicht mehr den Nachschub für die Depots im ausreichenden Umfang gewährleisten konnten.
 Nach und nach kehrten die unterstützenden Trupps wie geplant um, mit Anweisungen die Depots, vor allem das One Ton Depot, zu befüllen.

Die letzte Etappe zum Südpol

Am 4. Januar ging Scott mit Edward Wilson, Wissenschaftler und Zoologe, Lawrence Oates, Ponyführer, Henry Bowers, Lagerverwalter und Edgar Evans, Techniker, als Gruppe allein weiter, um den Südpol als Erste zu erreichen. 
Ihre Vorräte zogen sie auf Schlitten.

Verloren!

Während dieser letzten Etappe kamen sie gut voran, nur um am 16. Januar 1912 eine Flagge Norwegens zu sehen. Scott kommentierte dies in seinem Tagebuch mit den Worten: »The worst has happened, or nearly the worst.« [Das Schlimmste ist passiert oder fast das Schlimmste …]


Amundsen war vor ihnen dagewesen.

Scott und seinen Begleitern blieb es nur übrig, am 17. Januar den Südpol zu erreichen, den Union Jack zu hissen und die Hinterlassenschaften Amundsens, wie Zelt, Ausrüstungsgegenstände und einen Brief an König Hakon, zu sichten. 
Mit maßloser Enttäuschung machten sie sich auf den Rückweg. Sie mussten sich beeilen, da der Sommer zu Ende ging und das Wetter sich wieder verschlechterte. Sie waren erschöpft und angeschlagen durch die Kälte, die Anstrengung und die mangelhafte Ernährung.

Rückreise vom Südpol

Die Depots konnten sie nur noch mit Mühe finden und diese waren auch unzureichend für ihre Bedürfnisse gefüllt. Am 17. Februar 1912 starb Edward Evans, um den sich das Team die Woche zuvor schon Sorgen gemacht hatte.
 Die verbliebenen Vier zogen weiter; selbst wenn kein Sturm tobte, hatten sie permanent Temperaturen um die -30 Grad auszuhalten. Die Vorräte wurden immer knapper. Lawrence Oates, der unter starken Erfrierungen und Erschöpfung litt, starb am 16. oder 17. März. Er verließ das Zelt trotz Überredungsversuche seiner Kameraden  während eines Blizzards mit den Worten: »I am just going outside and I may be some time.« [Ich gehe nur mal raus und könnte ein bisschen Zeit brauchen].



Scott würdigte das Opfer Oates’ in seinem Tagebuch mit den Worten: »… we knew it was the act of a brave man and an English gentleman« [Wir wussten, dass es die Handlung eines mutigen Mannes und eines englischen Gentlemans war.]



Bowers, Scott und Wilson hinterließen an der Stelle des letzten Camps den Schlafsack von Oates und einen Theodoliten, und begaben sich wieder auf die nächste Etappe ihrer Rückreise, immer das nächste Depot als Ziel vor Augen, das ihnen Essen, Trinken und Heizmittel versprach.

Der letzte Tagebucheintrag Scotts

Der letzte Tagebucheintrag wurde von Scott am 29. März 1912 vorgenommen. Sie waren nur noch 18 km vom One Ton Depot entfernt, aber das Wetter und ihr körperlicher Zustand ließen ein weiteres Vorankommen nicht zu.



Vom Basiscamp aus wurde dieses Depot mit neuen Vorräten, soweit möglich, Anfang März versehen, aber das Wetter und die immer knapper werden Ressourcen hinderten den Versorgungstrupp, dort Scotts Team zu empfangen, das um diese Zeit erwartet wurde, geschweige denn ihm vom Depot aus entgegenzufahren.

Die eisige Grabstätte

Die gefrorenen Leichen wurden vom Suchtrupp, der nach dem Winter aufbrechen konnte, am 12. November 1912 gefunden.

Man bedeckte ihre Körper mit ihrem Zelt und errichtete aus Skiern ein Kreuz.

Ob Robert Scott ein tragischer Held, der außergewöhnliches Pech mit dem Wetter hatte, oder ein unorganisierter, schlecht vorbereiteter Marinekapitän war, ein Fisch in der Wüste, ist eine Debatte, die auch heute noch die Gemüter bewegt. 
Je nach Biograph wird der eine oder andere Standpunkt vertreten und auch Originalquellen ergeben kein einheitliches Bild.