Roald Amundsen

Roald Amundsen (* 16. Juli 1872 in Borge, Norwegen; † vermutlich 18. Juni 1928 in der Arktis) war ein norwegischer Polarforscher, der an vielen erfolgreichen Entdeckungsreisen in die Arktis und Antarktis teilgenommen hat. Er war der Erste, der die Nordwestpassage durchquerte und der Zweite, der die Nordostpassage durchsegelte. Außerdem war er der Erste am geographischen Südpol und auch einer der ersten Menschen am Nordpol. Diesen überflog er im Luftschiff. Gestorben ist er 1928 bei einer Rettungsexpedition, die nach dem verunglückten Umberto Nobile und seiner Mannschaft suchte.

Die frühen Anfänge

Bereits als Kind interessierte sich Amundsen für die Polargebiete und las viele Bücher und Berichte von Forschern. Als Schüler brach er mit Freunden zu einer mehrtägigen Wanderung durch die Wälder Norwegens auf, um sich auf die Belastbarkeit der Wetterstrapazen vorzubereiten und die extremen Bedingungen kennen zu lernen. Sein Medizin-Studium brach er ab, um sich vollkommen der Polarforschung zu widmen. Zunächst heuerte auf mehreren Schiffen als Steuermann an und erkundete während seiner Zeit in Norwegen die Gletscher.

Die Belgica-Expedition

Seine erste „richtige“ Expedition brachte Amundsen 1896-1899 in die Antarktis an Bord der Belgica. Leiter war Adrien de Gerlache de Gomery, der sich ziemlich schnell als inkompetent erwies und dann durch Krankheit außer Gefecht gesetzt wurde. Somit übernahm Amundsen teilweise die Leitung und es herrschten oft Streitigkeiten zwischen den beiden, da sie unterschiedliche Pläne und Führungsstile favorisierten. Während dieser Expedition erforschte und vermaß die Mannschaft die Westantarktische Küste bis sie 1898 vom Packeis eingeschlossen wurden. Ein Jahr mit vielen Strapazen und Anstrengungen wartete auf die Mannschaft an Bord. Zusammen mit dem Schiffsarzt Frederick Cook (ja, der Cook, der später behauptete vor Robert Peary den Nordpol erreicht zu haben) gaben sich die beiden große Mühe, die Mannschaft zu motivieren und ihnen wieder Hoffnung zu geben. Während dieser Zeit erlangte Amundsen die Aufmerksamkeit von Fridtjof Nansen, der in den Folgejahren Freund und finanzieller Unterstützer von Amundsen wurde.

Die Nordwestpassage

An Bord der Gjøa entschied sich Amundsen für eine Erkundung der kanadischen Arktis und durchquerte dabei erstmals die Nordwestpassage vom Atlantik zum Pazifik. Zwei Winter verbrachte die Mannschaft auf der King-William-Insel und erforschte dabei Überlebenstechniken der Inuit. Das neu erlernte Jagd- und Handwerkswissen sollte ihm noch bei seiner Südpol-Expedition zum Überleben verhelfen. Nach einer weiteren Überwinterung in Alaska, von wo aus der Erfolg telegrafiert wurde, wurde er schließlich zurück in Norwegen als Nationalheld gefeiert.

Die Eroberung des Südpols
… oder das eisige Wettrennen

1910 startet Amundsen die Fram, ein Schiff seines Freundes dem Polarforscher Fridtjof Nansen, in Richtung Nordpol. Als er jedoch hört, dass Robert Peary den Pol bereits bezwungen habe, erlischt sein Ehrgeiz und sein Interesse. Durch den privaten finanziellen Ruin ist er jedoch dazu gezwungen einen Erfolg mit nach Hause zu bringen. So entschließt er sich kurzerhand, als Erster den Südpol erreichen zu wollen. Dies hält er vorerst unter Verschluss und erst nach der Abfahrt, gibt sein Bruder der Presse bekannt, wo es eigentlich hingeht. Diese Schiffsentführung findet zum gleichen Zeitpunkt statt, an dem Robert Falcon Scott sich ebenfalls an einem Durchmarsch zum Südpol probieren will. Dieser brach bereits 8 Wochen vor Amundsen in See.

Am 14. Dezember erreichte Amundsen den Südpol – und somit 35 Tage eher als Scott. Obwohl dieser so gut vorbereitet zu sein schien, sah er am Südpol nur noch das Kreuz und die Hinterlassenschaften Amundsens. Ein herber Rückschlag für Scott. Auf dem Rückweg dann das schicksalhafte Ende: Scott und seine Männer sind den tosenden Stürmen und dem schlechten Wetter erlegen und sterben. Amundsens Lager war einige Kilometer näher am Pol und auch seine Erfahrungen mit den Inuit konnten sein großer Vorteil gewesen sein. Außerdem ist er in vergleichbaren Wetterverhältnissen aufgewachsen, fuhr seit Kindertagen Ski und hatte Hundeschlitten mit zur Expedition.
Dennoch wurde der große Erfolg vom Erreichen des Südpols von Scotts Tod überschattet und später machten einige britische Zeitungen Amundsen sogar für diesen verantwortlich.

Die Zeit danach und die Nordostpassage

Der gefragte Mann Roald Amundsen schrieb Reiseberichte, hielt Vorträge und war von nun an auch politisch involviert. 1918-1920 gelang ihm als Zweiter die Durchquerung der Nordostpassage mit der Maud. Diese wurde erst durch starkes Treibeis von der eigentlichen Route abgehalten und musste dann an der Nordsibirischen Küste überwintern. Bei einem Sturz brach sich Amundsen die Schulter und wurde infolgedessen Opfer eines Eisbärenangriffs. Durch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung war die Lage nun kritisch und alle Pläne mussten umgeändert werden, da Amundsen in diesem desolaten Zustand nicht für die eigentliche Expedition bereit war. Eine erneute Überwinterung wurde getätigt bis die Maud sich wieder auf den Weg Richtung Norwegen begab.

Luftfahrt

In den Folgejahren beschäftigte sich Amundsen immer mehr und intensiver mit der Luftfahrt als „Zukunft der Expeditionen“. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und vielen Fehlschlägen wagte er 1925 mit dem US-Amerikaner Lincoln Ellsworth und den Flugbooten „Dornier Wal“ eine Flugexpedition in die Arktis. Sie erreichten immerhin 87°44′ nördliche Breite, was bis dahin ein Rekord der am nächsten dem Pol gelegenen Position war – wenn man den Unruhen und Anzweiflungen an Pearys Nordpol-Überquerung Glauben schenkt.

1926 erwies sich das Luftschiff Norge des Italieners Umberto Nobile als die Erfüllung des Traums vom Nordpol. Nach einem Start in Spitzbergen erreichte die Mannschaft 3 Tage später Alaska und waren somit die Ersten, die den Nordpol auf dem Luftweg erreicht hatten und möglicherweise auch die Ersten, die überhaupt am Nordpol gewesen sind. Obwohl Amundsen eigentlich nur Passagier der Norge war, wurde er erneut gefeiert. Es herrschten Streitigkeiten zwischen ihm und Nobile und so entschloss der Italiener, mit einem erneuten Überflug diesmal den alleinigen Ruhm zu ernten.

Todesurteil

Nobile flog mit dem Luftschiff Italia los mit dem Ziel, den Nordpol erneut zu erreichen. Das Luftschiff stürzte ab und es wurden einige Suchexpeditionen gestartet, um die Männer zu retten. Trotz der Unstimmigkeiten (vielleicht auch auf Druck der Presse) schloss sich auch Amundsen einer solchen Expedition an. Mit an Bord eines Fliegers machte er sich auf die Suche nach Nobile. Dabei stürzte der Flieger ab und Amundsen wurde nie mehr gesehen. Ironischerweise wurde Nobile in der Zwischenzeit bereits gefunden und geborgen -lebend. Auch nach einer erneuten Suchaktion im Jahre 2009 konnte man keine Wrackreste oder Spuren von Amundsen finden.