Fridtjof Nansen

Fridtjof Nansen – genauer Fridtjof Wedel-Jarlsberg Nansen (* 10. Oktober 1861 in Store Frøen bei Christiania (Oslo); † 13. Mai 1930 in Lysaker bei Oslo) – war ein norwegischer Zoologe, Polarforscher und Friedensnobelpreisträger. Dieser Mann lebte ein sehr vielfältiges und spannendes Leben und war und wurde vom Volk Norwegens, aber auch anderen Teilen der Welt, sehr wert geschätzt.

Junge Jahre

Bereits in seiner Kinder- und Jugendzeit zeigte er Interesse an der Natur und unternahm Expeditionen in die Wälder der Gegend seiner Heimat. Früh prägte sich sein Pflichtbewusstsein vor allem durch die religiöse Erziehung. Sport war von Beginn an Teil seines Lebens. Schwimmen, Eisschnelllaufen und Skifahren. Letzteres machte er im Laufe seines Lebens immer populärer, da er mehrere Rekorde aufstellte.

Während seines Zoologie-Studiums fuhr er das erste Mal in arktische Gewässer um Studien vor Ort durchzuführen. Er konnte in dieser Zeit nachweisen, dass die Eisbildung an der Meeresoberfläche beginnt und nicht wie bisher angenommen, am Meeresgrund. Sein Wunsch das grönländische Eisschild zu durchqueren entwickelte sich auf dieser Reise.

Grönland

Genauere Pläne machte er nachdem er seine Doktorarbeit fertig geschrieben hatte. Diese befasste sich mit dem Zentralnervensystem niederer Meerestiere und schuf bedeutende Grundlagen für die moderne Neurologie. Nansen wollte, anders als seine Vorgänger, die Durchquerung von Ost nach West probieren. Außerdem hatte er kein Interesse an einer großen Mannschaft und an großem Materialaufwand. Er nahm lediglich 6 Männer mit auf seine Expedition. Diesem Vorhaben wurde von der Öffentlichkeit skeptisch entgegengesehen. Unter den Begleitern war auch Otto Sverdrup. Die gesamte Mannschaft kannte sich mit dem Umgang der arktischen Extreme aus und konnten Ski laufen.

Am 03.Juni 1888 startete die Jason. Dichtes Packeis verhinderte jedoch die Anlandung an Grönlands Küste. So wurde versucht sich mit Beibooten weiter vor zu kämpfen, doch die Küste blieb weiterhin durch dichtes Eis versperrt. Sie warteten auf die Strömung, die sie in den Süden trieb. Irgendwann gelangten die Männer an die Küste, aber weitab von der geplanten Route und dem eigentlichen Startpunkt. Sie erkämpften sich ihren Weg mit den Booten Richtung Norden. Doch dann entschloss sich Nansen, nun frühzeitig den Marsch zu beginnen und sie wählten sich einen neuen Startpunkt. Als das Wetter zu heftig wurde und die Stürme ein effizientes Vorankommen verhinderten wurde auch der Endpunkt verändert. Sie steuerten nun Godthåb an. Die letzte Etappe musste Nansen mit Sverdrup allein bewältigen und unter großen Anstrengungen kamen sie am Ziel an. Sofort wurden Boote losgeschickt um den Rest der Mannschaft einzusammeln. Bis wieder ein Schiff nach Europa fuhr, lernten die Männer von den Inuit wie man den Winter in der Arktis überlebte und die richtige Führung von Hundeschlitten. Bei dieser Expedition gelang der Nachweis, dass Grönland von Schnee und Eis bedeckt ist und außerdem erfolgten viele Beobachtungen zur Geographie und der Bewegung der Gletscher. Nach seiner Ankunft zurück in Norwegen erhielt Nansen ein Angebot aus Australien, sich an einer Antarktis-Expedition zu beteiligen. Doch er schlug es aus, weil das Interesse Norwegens eher dem Nordpol galt.

Fram-Expedition – Nordpol und Franz Josef Land

Noch während seiner Grönland-Reise wuchsen im Kopf Nansens weitere Expeditionsideen. Er plante, sich mit einem Schiff im Packeis einfangen zu lassen und mit dem Eisdrift so dicht wie möglich an den Nordpol zu gelangen. Für dieses Unterfangen ließ er extra die Fram bauen. Anfangs folgte man dem Kurs der Nordostpassage, dann war die Weiterfahrt zwischenzeitlich verhindert und der Eisdrift klappte nicht wie geplant, da die errechnete Richtung und die Geschwindigkeit nicht stimmten. Es hätte viel zu lang gedauert, bis man sich dem Nordpol näherte, also beschloss Nansen mit einigen Begleitern das Schiff zu verlassen und sich auf Skiern den Weg zum Nordpol zu erkämpfen.

Den Nordpol erreichten sie zwar nicht, aber einen Rekord des nördlichsten Ortes, an dem je ein Mensch gewesen ist. Aufgrund von schwindenden Kräften und der klirrenden Kälte mussten sie den Rückzug antreten. Auch der Rückweg war geprägt von Niederschlägen und die Männer mussten auf der Jackson-Insel, die zum Franz Josef Land Archipel gehört, ein Winterlager errichten. Eine genauere Vorstellung über das Zusammenleben während dieser dunklen 8 Monate finden Sie in diesem PDF. Im Frühjahr setzen sie ihren Weg fort und treffen glücklicherweise auf eine andere Expedition. Von dieser werden sie 1896 mit zurück nach Tromsø genommen, wo es ein freudiges Wiedertreffen mit den anderen Expeditionsteilnehmern gab. Diese Reise galt für viele als einer der erfolgreichsten Expeditionen der arktischen Forschungsgeschichte. Denn in der Abwesenheit Nansen sind weitere wichtige wissenschaftliche Daten zusammengefasst worden.

In der Zeit danach schrieb Fridtjof Nansen Reiseberichte, hatte viel mit der Presse zu tun und hielt Vorträge. Er arbeitete als Wissenschaftler und Professor für Zoologie und unternahm eine erneute Forschungsreise nach Island und Jan Mayen. Dann langsam widmete er sich lieber der noch recht jungen Forschung der Ozeanographie und entwickelte Gerätschaften für die Meeresforschung. 1910 erfolgte eine weitere Reise mit dem Schiff Frithjof und er wurde als lebende Legende angesehen. Alle Epxeditionsreisenden, von de Gerlache de Gomery, über Shackleton bis hin zu Scott suchten seinen Rat. Dann überließ er die Fram Amundsen für dessen Südpol-Expedition.

Politik und Friedensnobelpreis

Nansen nahm im weiteren Verlauf eine Schlüsselfunktion in der Bestrebung der politischen Unabhängigkeit Norwegens von Schweden ein. Er war politisch hochaktiv und wurde zum Botschafter Norwegens in London. Nebenbei diente er als Hochkommissar für Flüchtlingsfragen dem Völkerbund und war auch hier stark vertreten. Seine öffentliche Auftritte und die starke Verbindung zum König Haakon VII. ließen ihn noch stärker zu einem Volkshelden werden. Für seine Flüchtlingshilfe erhielt er 1922 den Friedensnobelpreis.

Nachleben

Er starb nach einer Krankheit an einem Herzinfarkt auf dem Balkon seines Hauses in Norwegen. Viele geographische Objekte wurden nach ihm benannt und er wurde auf den norwegischen 5-,später 10-Kronen Schein abgebildet. Straßen, Plätze, Schulen – vieles trägt noch heute seinen Namen. Kurz nach seinem Tod gründete man das Internationale Amt für Flüchtlinge.