Pflanzen

Floren- und Vegetationsgeschichte der Arktischen Regionen

Die Geobotanik teilt unsere Erde in verschiedene Vegetationszonen auf.

In Deutschland gibt es die vorherrschende Zone der Sommergrünen Laubwälder, Gebirgsnadelwälder und, wenn man die Alpen ganz hinaufsteigt, die Gebirgsvegetation weit jenseits der Baumgrenze.

Was hat das mit der Flora der Kältewüsten Grönlands oder des Svalbard-Archipels zu tun?

Sehr viel, denn wenn Sie beispielsweise in die circumarktische Region Spitzbergens reisen, treffen Sie alte Bekannte, die vor circa 2,5 Millionen Jahren bis zur letzten Vereisung vor etwa 12500 Jahren im waldlosen und von Tundra geprägtem Mitteleuropa ihr gemeinsames Areal hatten.

Die Leitart der damaligen baumfreien Glazialfloren war die arktisch-alpine Silberwurz (Dryas octopetala).

Die zwischen den polaren Eismassen und den Gletschern südlicher Gebirge eingeschlossenen Pflanzen fanden zwar mitunter etwas beengte Wuchsbedingungen vor (die schmalste eisfreie Landbrücke zwischen der polaren und alpinen Vereisung maß nur 270 km). Der rund 100 m niedrigere Meeresspiegel gab jedoch Landverbindungen frei, auf denen ein circumpolarer Florenaustausch stattfand, so konnten sich alpine, amerikanische und asiatische Gebirgsfloren mit arktischen Florenelementen vermischen.

In den folgenden Warmzeiten jedoch eroberten die Pflanzen ihre alpinen beziehungsweise arktischen Gebiete zurück. Der steigende Meeresspiegel und nachrückende konkurrenzstärkere Vegetationsformen (vor allem die Wälder) zerschnitten die gemeinsamen Kaltzeitareale aber wieder.

Arten mit einem disjunkten, also getrennten, arktisch-alpinen Areal sind die bereits erwähnte Silberwurz, Roter Steinbrech (Saxifraga oppositifolia), Scheuchzers Wollgras (Eriophorum scheuchzeri) oder auch der Alpensäuerling (Oxyria digyna).

Arktisch, alpin und bis in unsere höchsten Mittelgebirge verbreitet ist die Zwergbirke.

Ausschließlich arktische Verbreitung weisen hingegen die Polarweide (Salix polaris) oder die Nördliche Jakobsleiter auf.