Bartrobbe

Bartrobbe mit wirklich wunderschönen Barthaaren · © Erik Edvardsson Bartrobbe mit wirklich wunderschönen Barthaaren · © Erik Edvardsson

engl.: Bearded Seal
lat.: Erignathus barbatus

Beschreibung Bartrobbe

Länge: 1,90-2,50 m, Weibchen sind etwas größer als Männchen
Gewicht: 200-300 kg, Weibchen bis 425 kg im Frühjahr

Bartrobbe auf einer Eisscholle · © Sven Achtermann Bartrobbe auf einer Eisscholle · © Sven Achtermann Die Bartrobbe verdankt ihren Namen ihren langen, weißen Barthaaren, die sich trocken elegant kräuseln und der Robbe einen fast draufgängerischen Ausdruck geben.
Die Bartrobbe gehört zur Familie der Hundsrobben, der auch der Seehund, die Sattelrobbe und die Ringelrobbe angehören. Sie ist die häufigste Robbe der Arktis.
Ringelrobben sind große, massig wirkende Robben mit einem unproportional kleinen Kopf, kleinen Augen und rechteckig wirkenden Vorderflossen. Ihr Fell ist braun bis grau, ohne Muster. Wie die Ringelrobbe können Bartrobben die kräftigen Krallen ihrer Vorderflossen benutzen um Atemlöcher im Eis offen zu halten.
Besonders massig sind die Tiere vom Spätherbst bis Frühlingsbeginn. Dann wirken sie fast genauso breit wie lang.

Lebensraum

Bartrobben sind Eisbewohner und leben zirkumpolar im Arktischen Ozean und den angrenzenden Meeren bis etwa 80° nördlicher Breite. Es werden zwei Unterarten unterschieden. E. barbatus barbatus bewohnt die westliche Laptev-See, die Barents-See, den Nord- und Westatlantik bis zum Sankt-Lorenz-Golf sowie den Ostatlantik bis Island und Norwegen. Einzelne Tiere wurden sogar in Portugal gefunden.  E. barbatus nauticus bewohnt den Arktischen Ozean und die Bering- und Okhotsk-See. Sie leben auch auch in der Gegend von Hokkaido in Japan und sehr selten an der chinesischen Nordost-Küste.
Die Tiere sind normalerweise Einzelgänger. Sie halten sich bevorzugt im Wasser in Gegenden mit driftenden Eisschollen und Wassertiefen von weniger als 200 m auf. Sie können aber auch Atemlöcher im Eis offen halten.
Viele der Robben folgen dem im Sommer zurückweichenden Eis über lange Strecken, wie beispielsweise von der Bering-See zur Chukchi-See. In anderen Gegenden verbringen vor allem jüngere Tiere den Sommer im offenen Meer und ruhen manchmal an Land, bevorzugt auf Kiesstränden.
Bartrobben schlafen im Wasser oder auf dem Eis, wo sie normalerweise mit dem Kopf in Richtung Wasser und in Windrichtung am Rand der Scholle ruhen. Aus dieser Position können sie sich im Fall eines Angriffs schnell ins Wasser retten.
Eisbären, Menschen und Orkas sind die natürlichen Feinde der Robben. Jungtiere werden gelegentlich von Walrossen gefressen.

Nahrung

Bartrobben fressen bevorzugt bodenlebende Fische sowie Wirbellose wie Krabben, Shrimps, Tintenfische, Schnecken und Muscheln, die die Robben mit ihren sensiblen Barthaaren aufspüren und dann wenn nötig mit ihren starken Klauen ausgraben. Erfahrene Tiere tauchen nur in flachem Wasser bis 200 m Tiefe, unerfahrene Jungtiere tauchen zum Teil bis zu 450 m tief.

Fortpflanzung

Die Weibchen bringen Ende März bis Anfang Mai auf dem Eis ein einziges Jungtier zur Welt. Durchschnittlich sind die »Kleinen« 1.3 m lang und 34 kg schwer. Sie haben grau-braunes Fell mit helleren Bereichen im Gesicht, auf dem Kopf und dem Rücken. Ihren weißen Babypelz verlieren die Robben schon im Mutterleib.
Nur wenige Stunden nach der Geburt gehen die jungen Bartrobben ins Wasser und lernen in wenigen Tagen ausgezeichnet Tauchen. In den folgenden 18-24 Tagen, die sie vom Muttertier gesäugt werden, trinken sie täglich 8 Liter Milch mit einem Fettgehalt von etwa 50 %. Dabei legen sie pro Tag fast 3.5 kg zu und wiegen schließlich mit knapp 100 kg etwa das Dreifache ihres Geburtgewichtes, wenn sie entwöhnt werden.
Wahrscheinlich paaren sich die Weibchen innerhalb von 2 Wochen nach der Entwöhnung des Jungtieres wieder.

Anmerkungen

Weltweit wird die Population der Bartrobben auf etwa 500000 Tiere geschätzt. Die Tiere haben wenig kommerziellen Wert, etwa 2000 bis 4000 werden von der einheimischen Bevölkerung für ihr gutes Fleisch und ihr Leder getötet, das unter anderem für die Sohlen von rutschfesten Schuhen genutzt wird.

Yupik-sprechende Eskimo bezeichnen die Bartrobbe als »mukluk«. Diese Bezeichnung wurde – angeblich durch ein Missverständnis – zur Bezeichnung für eine bestimmte Art von Fellschuhen. Es wird erzählt, dass ein Eskimo von einem Weißen gefragt wurde, was er an seinen Füßen trage. Der Eskimo, im Glauben, er werde nach dem Material der Schuhe gefragt, antwortete »mukluk«, da die Schuhe aus dem Fell der Bartrobbe gefertigt waren. Heute heißen fast alle Arten von Fellschuhen nach Eskimoart »mukluks«.