Eisbär

Eisbärenmutter mit Nachwuchs · © Frank Fietz Eisbärenmutter mit Nachwuchs · © Frank Fietz

engl.: polar bear
lat.: ursus maritimus

Beschreibung Eisbär

Körperlänge
männl. 2,40 – 2,60 m (bis 3,60 m möglich);
weibl. 1,90 m – 2,10 m (selten bis 2,50 m)

Gewicht
Männchen 300 – 800 kg, Weibchen 150 kg – 320 kg
(Die starken Gewichtsschwankungen in Abhängigkeit des Ernährungszustandes: Im Winter – bei guten Jagdbedingungen – deutlich höher als im Sommer).

Eisbär – Eisbären haben einen langen Hals und einen kleinen, flachen Kopf mit kleinen Augen und Ohrmuscheln. Das Fell der Tiere ist das ganze Jahr über gelblich-weiss, die ideale Tarnung in Eis und Schnee.

 Die Tiere sind bestens an die klimatischen Bedingungen in der Arktis angepasst. Die großen Vordertatzen sind mit Schwimmhäuten ausgestattet, die Fußsohlen sind zum Schutz vor Kälte behaart und mit kleinen Erhebungen, Papillae, versehen, die das Rutschen auf Eis verhindern. Sie haben kräftige, nadelscharfe Klauen, mit denen sie sich gut im Eis bewegen und Beute festhalten können. 

Mit ihrer bis zu 11 cm dicken Speckschicht und dem dichten, öligen, wasserabweisenden Pelz trotzen Eisbären auch größter Wasserkälte. Ihre Haare sind nicht weiß, sondern transparent und leiten das Licht wie Prismen zur schwarzen Haut des Bären. Dazu sind die Haare hohl, was die Wärmeisolierung und den Auftrieb verbessert. Die Tiere sind insgesamt tatsächlich so gut vor Kälte geschützt, dass sie eher zum Überhitzen neigen. Daher bewegen sie sich meist langsam und kühlen sich an warmen Tagen oder nach körperlicher Anstrengung im Wasser ab.

 Eisbären sind stark genug, einen Beluga (Weißwal) aus dem Wasser zu ziehen, der ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichtes wiegt. 30 cm dicke Robben, ihre Hauptnahrung, durch 10 cm dicke Eislöcher zu ziehen, ist für sie somit fast ein Kinderspiel – auch wenn sie den Robben dabei oft fast alle Knochen brechen.

Lebensraum

Eisbär · © Sven Achtermann Eisbär · © Sven Achtermann

Eisbären bevölkern den gesamten arktischen Raum zirkumpolar: Spitzbergen und Franz-Joseph-Land, nördliches Sibirien, Wrangelinsel, westliches und nördliches Alaska, Grönland und Kanada auf den arktischen Inseln, entlang der Hudson-Bay und an der Nordküste der Labrador-Halbinsel. Sie leben meist das ganze Jahr über auf dem Packeis und auf Eisschollen, aber auch auf den Inseln und an Küsten, bevorzugt Polynyas, wo das Eis in Bewegung bleibt und durch Risse eisfreie Stellen entstehen. Die Bären sind praktisch nie südlich der Treibeisgrenze anzutreffen. Im Sommer findet man die Tiere an den südlichen Rändern des Treibeises, im Winter wandern sie südwärts und folgen dem offenen Wasser.

Nahrung

Eisbären stehen an der Spitze der arktischen Nahrungskette. Sie ernähren sich bevorzugt von Ringelrobben, aber auch von Bartrobben und Sattelrobben. Im Gegensatz zu anderen Bären sind sie fast reine Fleischfresser.

In den Wintermonaten jagen Eisbären auf Packeisfeldern an Eisspalten. Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn können die Tiere angeblich 32 Kilometer entfernte Robben riechen. Normalerweise erbeuten sie Robben an ihren Atemlöchern, wo sie oft stundenlang ausharren, bis eine Robbe zum Luftholen an die Oberfläche kommt. Die Bären versuchen dann, in den Kopf oder Oberkörper ihres Opfers zu beißen und es aufs Eis zu ziehen. Sowohl an Land als auch im Wasser können sich die Bären aber auch an Robben anpirschen, die auf dem Eis ruhen. Auch Geburtshöhlen von Ringelrobben sind ein gefundenes Fressen für Eisbären. Ist eine solche von einem Bären entdeckt worden, erhebt sich der Bär auf die Hinterbeine und lässt sich mit seinen Vorderpranken auf das Höhlendach fallen. Muss er bei einem stabilen Dach die Prozedur wiederholen, kann die Robbe manchmal ins Wasser fliehen. Diese Jagdmethode wird gerne von Weibchen mit Jungtieren genutzt, die einen besonders hohen Nährstoffbedarf haben.

Obwohl Eisbären sehr gute Schwimmer sind, sind Robben im offenen Wasser für sie allerdings kaum zu erbeuten. Vor allem in den Sommermonaten fressen die Bären daher mehr oder weniger alles Essbare, das sich ihnen bietet: junge Walrosse und Weißwale (Belugas), Vogeleier und Seevögel, Rentiere, kleine Nagetiere, Aas von toten Walen oder Walrossen, Fische, Beeren oder menschliche Abfälle. Auch junge Eisbären laufen Gefahr, von einem älteren Männchen gefressen zu werden.

In guten Zeiten fressen Eisbären nur Haut und Speck ihrer Beute, etwa 6 – 8 kg pro Mahlzeit, in Ausnahmefällen auch bis zu 40 kg. In mageren Zeiten können sie allerdings auf Fasten umstellen und dann bis zu 12 Monate von Tang und Seegras leben.

Fortpflanzung

Eisbären paaren sich im Frühling. Die eigentliche Tragzeit beträgt zwar nur zwei bis drei Monate, das Ei nistet sich allerdings erst Monate nach der Befruchtung ein. In der Zwischenzeit beginnt das Weibchen, einen Fettspeicher anzulegen. Um ihre Jungen erfolgreich austragen zu können, müssen sie mindestens 200 kg an Gewicht zulegen.

Etwa einen Monat vor der Geburt der Jungen, die meist zwischen November und Januar stattfindet, beziehen die trächtigen Weibchen die Geburtshöhle. Diese wird in eine Schneewehe oder in den Boden gegrabenen, die von Schnee überdeckt ist. Durch die Körperwärme der Tiere und die Isolierung mit Schnee ist die Temperatur in den Geburtshöhlen höher als die Außentemperatur. Dort werden ein bis vier, meist aber zwei kleine, hilflose Jungtiere geboren. Sie wirken durch ihr sehr feines Fell nackt, sind etwa 30 cm lang und um die 500 g schwer, blind und taub.
 Die ersten Monate verbringen Mutter und Kinder in der Geburtshöhle. In dieser Zeit wachsen die jungen Eisbären extrem schnell. Wenn sie gegen Ende Mai oder April die Geburtshöhle verlassen, wiegen die Jungtiere bereits 10 – 15 kg. Einige Tage später führt die Mutter ihre Jungen auf das Eis, wo die Jungen ihre erste feste Nahrung zu sich nehmen, sobald die Mutter bei der Jagd erfolgreich war.

Eisbärweibchen verteidigen ihre Jungtiere wenn nötig mit ihrem eigenen Leben, beispielsweise gegen erwachsene Eisbärmännchen. Dabei können auch die Muttertiere dem Angreifer zum Opfer fallen.

Wenn die Jungtiere etwa 30 Monate alt sind, ist das Muttertier wieder paarungsbereit. Die Jungen werden dann entweder von ihr oder von einem ihr folgenden Männchen vertrieben.

Anmerkungen

Eisbären wurden traditionell von arktischen Völkern gejagt. Ihr Fleisch wurde gegessen, das Fell wurde zu Kleidung und Decken verarbeitet. Kommerziell gejagt wurden die Tiere schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts, in großer Zahl wurden Eisbären aber erst in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erlegt, als Schneemobile, Boote und Hubschrauber für die Jagd eingesetzt wurden. 1973 unterzeichneten Kanada, USA, Dänemark, Norwegen und die damalige UdSSR ein Abkommen zur Einschränkung der Eisbärenjagd, die danach weitgehend der eingeborenen Bevölkerung zu Selbstversorgung vorbehalten ist. Der Einsatz von Fluggeräten und großen Motorbooten für die Eisbärjagd wurde verboten. Heute gibt es insgesamt schätzungsweise wieder 20 000 bis 25 000 Eisbären.

Angriffe auf den Menschen finden meistens in der Nähe menschlicher Behausungen wie Jagdcamps, Wetterstationen und Ortschaften statt. Im Gegensatz zu anderen Bären haben Eisbären den Ruf, Menschen gerne als Beute zu sehen. Übergriffe sind allerdings extrem selten, so wurden in Alaska zwischen 1900 und 2002 nur ein Todesfall und zwei Verletzte durch Eisbären registriert. Arktis-Reisende mögen den Rat der Inuit beachten, die glauben, Eisbären könnten Gedanken lesen: »Denke nicht schlecht von den Bären, da sie dadurch verärgert werden könnten.«

Kurios: In Churchill, Kanada, soll ein Eisbär um 1950 einem Mann über das Eis gefolgt sein. Wäre der Bär gerannt, hätte der Mann kaum eine Chance gehabt, Angst zu haben. Aber Eisbären überhitzen leicht und dieser Bär war wohl vor allem neugierig. Als der Bär den zu Tode erschrockenen Mann eingeholt hatte, schleckte er ihm die Hand …

Eisbären sind aber in jedem Fall mit Vorsicht zu genießen: Ihre Leber enthält so viel Vitamin A, dass sie für den Menschen giftig ist. Viele Polarforscher oder Eskimos mussten für den Verzehr von Eisbärleber mit schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Lebervergrößerungen büßen. Im Extremfall endete die Überdosierung tödlich. Eisbärenfleisch ist ebenfalls nicht ungefährlich, da es oftmals Trichinen (parasitische Fadenwürmer) beherbergt. Diese können beim Menschen die zumeist tödlich verlaufende Trichinose hervorrufen.