Eisbär

Eisbärenmutter mit Nachwuchs

engl.: polar bear
lat.: ursus maritimus

Wie groß wird ein Eisbär?

Der Eisbär ist das größte Landsäugetier in der Arktis und das zweitgrößte Landraubtier, nur Kodiakbären werden größer.

– männlicher Eisbär 2,40 m – 2,60 m (bis 3,40 m möglich)
– weiblicher Eisbär 1,90 m – 2,10 m (selten bis 2,50 m)

Die Körperlänge ist abhängig vom Geschlecht und vom Lebensraum. Die Eisbären in Spitzbergen sind kleiner als die Eisbären in Kanada.

Wie viel wiegt ein Eisbär?

Auch das Gewicht ist abhängig vom Geschlecht und von der Größe der Tiere.

– Männchen 420 – 600 kg
– Weibchen 150 kg – 320 kg

Die starken Gewichtsschwankungen sind vom Ernährungszustand abhängig: Im Winter – bei guten Jagdbedingungen – ist das Gewicht deutlich höher als im Sommer, Männchen sind wesentlich schwerer als Weibchen.

Beschreibung der Eisbären

Eisbären haben einen langen Hals und einen kleinen, flachen Kopf mit kleinen Augen und kleinen Ohren. Das Fell der Tiere ist das ganze Jahr über gelblich-weiß, die Fellfarbe ist die ideale Tarnung in Eis und Schnee. Der Eisbär ist bestens an die klimatischen Bedingungen in der Arktis angepasst. Die großen Vordertatzen sind mit Schwimmhäuten ausgestattet, so dass die Eisbären im Wasser bis zu fünf Stundenkilometer schnell schwimmen können. Der Eisbär ist ein ausdauernder Schwimmer und kann mehrere Tage schwimmend im offenen Eismeer verbringen. Die Fußsohlen sind zum Schutz vor Kälte behaart und mit kleinen Erhebungen, Papillae, versehen, die das Rutschen auf dem Eis verhindern. Sie haben fünf kräftige, nadelscharfe Krallen, mit denen sie sich gut im Eis bewegen und Beute festhalten können. Die Krallen lassen sich nicht einziehen. Die Hinterpfoten nutzt der Eisbär beim Schwimmen unter Wasser als Ruder. Mit den muskulösen Hinterbeinen können sich Eisbären aber auch hoch aufrichten, z. B. bei Kämpfen oder um einen besseren Überblick zu haben. An Land bewegt sich ein Eisbär mit durchschnittlich sechs Stundenkilometern etwa so langsam wie der Mensch, aber er kann über kurze Strecken auch sehr schnell sein. Dann erreicht er eine Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h. Eisbären sind sogenannte Sohlengänger, das heißt, sie treten mit dem gesamten Fuß auf.

Mit ihrer bis zu 11 cm dicken Fettschicht und dem dichten, öligen, wasserabweisenden Pelz trotzen Eisbären auch größter Wasserkälte. Ihre Haare sind nicht weiß, sondern transparent und das Eisbär Fell absorbiert die Strahlung. Unter dem dichten Pelz haben ausgewachsene Eisbären eine schwarze Haut, während die Hautfarbe von Eisbären Babys noch rosa ist und sich erst im Laufe der Zeit schwarz färbt. Auch die Zunge des Eisbären ist pigmentiert, so dass sie blau erscheint. Die einzelnen Haare des Fells sind hohl, was die Wärmeisolierung und den Auftrieb verbessert. Das Fell mit seiner dichten Unterschicht und den Fellhaaren schützt die Eisbären insgesamt tatsächlich so gut vor Kälte, dass sie eher zum Überhitzen neigen. Daher bewegen sie sich meist langsam und leiten an warmen Tagen oder nach körperlicher Anstrengung die Hitze über die Zunge ab. Eisbären sind stark genug, einen Beluga (Weißwal) aus dem Wasser zu ziehen, der ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichtes wiegt. Aber ihre Hauptnahrung sind Robben. Sie durch Eislöcher aus dem Wasser zu ziehen, ist für die Eisbären nahezu ein Kinderspiel – auch wenn sie den Robben dabei oft fast alle Knochen brechen.

Als einziger Bär hält der Eisbär keinen Winterschlaf. Ganz im Gegenteil: Wenn das Meereis zufriert, beginnt für ihn die Jagdsaison. Dann wandert er auf der Suche nach Futter über das Packeis und legt dabei auch weite Strecken zurück. Kommt es zu extremen Wetterverhältnissen mit Schneestürmen, lassen sich die einfach einschneien und überstehen die Schlechtwetterphasen unter der schützenden Schneedecke.

Wo lebt der Eisbär?

Eisbär Eisbär · © Sven Achtermann

Eisbären gibt es nur in der Arktis, sie bevölkern den gesamten arktischen Raum der Nordhalbkugel zirkumpolar. Das heißt, der Lebensraum des Eisbären liegt in der Arktis rund um den Nordpol: Eisbären leben in Spitzbergen und Franz-Joseph-Land, im nördlichen Eurasien und Sibirien, auf der Wrangelinsel, im westlichen und nördlichen Alaska, in Grönland und Kanada auf den arktischen Inseln, entlang der kanadischen Hudson-Bay und an der Nordküste der Labrador-Halbinsel. Eisbären gibt es bis zum nördlichen 88. und 70. Breitengrad, in Kanada südlich bis etwa zum 50. Breitengrad. Sie leben meist das ganze Jahr über auf dem Packeis und auf Eisschollen, aber auch auf den Inseln und an Küsten, bevorzugt an Polynyas, das sind offene Stellen im Eis, die entstehen, wenn das Eis in Bewegung bleibt und sich dadurch Risse oder regelrechte Seen bilden. Die Bären sind praktisch nie südlich der Treibeisgrenze anzutreffen. Im Sommer findet man die Tiere an den südlichen Rändern des Treibeises in der Arktis, im Winter wandern sie südwärts und folgen dem offenen Wasser. Vor allem die weiter in südlicher Richtung lebenden Eisbären können dem raschen Rückzug des Eises oft nicht folgen. Immer häufiger stranden sie buchstäblich auf dem Festland, wo sie kaum passendes Futter finden. An der Südküste der Hudson Bay in Kanada sind die Tiere im arktischen Sommer fast immer an Land anzutreffen, denn durch die warmen Temperaturen gefriert das Meer nicht mehr. Eisbären benötigen aber Eisschollen für die Jagd. Gefriert das Meer zu spät, sind die Eisbären am Ende so ausgehungert und geschwächt, dass sie es schwer haben, den kommenden Winter zu überleben.

Nahrung – was frisst ein Eisbär?

Eisbären stehen an der Spitze der arktischen Nahrungskette. Sie ernähren sich bevorzugt von Ringelrobben, aber auch von Bartrobben und Sattelrobben. Im Gegensatz zu anderen Bären sind sie fast reine Fleischfresser.

In den Wintermonaten jagen Eisbären auf Packeisfeldern an Eisspalten. Mit ihrem hervorragend ausgebildeten Geruchssinn können die Tiere angeblich 32 Kilometer entfernte Robben riechen. Auch das Gehör eines Eisbären ist sehr empfindlich. Der Eisbär erkundet die Dicke des Meereises mit einem einfachen Trick: Er schlägt auf die Eisschicht ein und hört an den Reflektionen des Wassers, wo er die Eisfläche für die Jagd am besten durchbrechen kann. Normalerweise erbeuten Eisbären Robben an ihren Atemlöchern, wo sie oft stundenlang ausharren, bis eine Robbe zum Luftholen an die Oberfläche kommt. Die Bären versuchen dann, in den Kopf oder Oberkörper ihres Opfers zu beißen und es aufs Eis zu ziehen. Sowohl an Land als auch im Wasser können sich die Bären aber auch an Robben anpirschen, die auf dem Eis ruhen. Nur etwa jeder zehnte Fangversuch verläuft erfolgreich. Auch Geburtshöhlen von Ringelrobben sind ein gefundenes Fressen für Eisbären. Ist eine solche von einem Bären entdeckt worden, erhebt sich der Bär auf die Hinterbeine und lässt sich mit seinen Vorderpranken auf das Höhlendach fallen. Muss er bei einem stabilen Dach die Prozedur wiederholen, kann die Robbe manchmal ins Wasser fliehen. Diese Jagdmethode wird gern von Weibchen mit Jungtieren genutzt, die einen besonders hohen Nährstoffbedarf haben.

Obwohl Eisbären sehr gute Schwimmer sind, sind Robben im offenen Wasser für sie allerdings kaum zu erbeuten. Vor allem in den Sommermonaten fressen die Bären daher mehr oder weniger alles Essbare. Die Nahrung eines Eisbär besteht dann aus allem, was sich an Futter anbietet: junge Walrosse und Weißwale (Belugas), Vogeleier und Seevögel, Rentiere, kleine Nagetiere, Aas von toten Walen oder Walrossen, Fische, Beeren, Gras, Moos oder menschliche Abfälle. Junge Eisbären laufen auch Gefahr, von einem älteren Männchen gefressen zu werden.

In guten Zeiten fressen Eisbären nur Haut und Speck ihrer Beute, etwa sechs bis acht Kilogramm pro Mahlzeit, in Ausnahmefällen auch bis zu 40 Kilogramm. In mageren Zeiten kann der Eisbär seine Nahrung allerdings auf Fasten umstellen und dann bis zu zwölf Monate von Tang und Seegras leben. Kommt es zu einer Hungerperiode, können Eisbären kurzfristig ihren Stoffwechsel herunter fahren und in eine Art Ruhezustand verfallen.

Lebenserwartung – wie alt wird ein Eisbär?

In freier Wildbahn erreichen Eisbären ein Lebensalter von maximal 25 bis 30 Jahren. Die Lebenserwartung eines Eisbären ist aber selten höher als durchschnittlich 20 Jahre. Zootiere können ein höheres Alter erreichen, das älteste Tier wurde 45 Jahre.

Lebensweise und Sozialverhalten

Eisbären sind Einzelgänger. Nur Mütter leben mit ihren Kindern zusammen. Die Tiere haben zwar in der Regel ein Jagdrevier mit einem Radius von etwa 150 Kilometern, aber sie zeigen kein ausgeprägtes Territorialverhalten, so dass sich die Gebiete überlappen. Wenn das Nahrungsangebot ausreichend ist, jagen die Tiere auch relativ eng beieinander.

Eisbären sind am Tag aktiv, vor allem im ersten Drittel des Tages. Knapp ein Drittel ihrer Zeit verbringen die Tiere mit Wandern und Schwimmen, nur etwa fünf Prozent des Tages jagen und fressen sie. In der übrigen Zeit schlafen sie oder warten ruhend auf Beute.

Fortpflanzung des Eisbären

Eisbärenfamilie im Eis Eisbärenfamilie im Eis · © Norbert Rosing

Eisbären paaren sich im Frühling. Das Ei nistet sich allerdings erst Monate nach der Befruchtung ein. In der Zwischenzeit beginnt das Weibchen, einen Fettspeicher anzulegen. Um ihre Jungen erfolgreich austragen zu können, muss die Eisbärin mindestens 200 Kilogramm an Gewicht zulegen. Die eigentliche Tragzeit beträgt tatsächlich nur zwei bis drei Monate.

Etwa einen Monat vor der Geburt der Jungen, die meist zwischen November und Januar stattfindet, beziehen die trächtigen Weibchen die Geburtshöhle. Diese wird in eine Schneewehe oder in den Boden gegraben, die von Schnee überdeckt ist. Durch die Körperwärme der Tiere und die Isolierung mit Schnee ist die Temperatur in den Geburtshöhlen höher als die Außentemperatur. Während die Eisbärin in der Höhle auf die Geburt ihres Nachwuchses wartet, gehen Herzschlag und Atemfrequenz deutlich zurück, sie fällt in eine Art Winterruhe, von der ihre Körpertemperatur aber nicht betroffen ist, damit es die Baby Eisbären warm haben. In der Geburtshöhle werden ein bis vier, meist aber zwei, kleine, hilflose Jungtiere geboren. Sie wirken durch ihr sehr feines Fell nackt, sind etwa 30 Zemtimeter lang und um die 500 Gramm schwer, blind und taub.
 Die ersten Monate verbringen Mutter und Kinder in der Geburtshöhle. Die Jungtiere werden meist um die Mittagszeit gesäugt. In dieser Zeit wachsen die jungen Eisbären extrem schnell. Wenn sie gegen Ende April oder Mai die Geburtshöhle verlassen, wiegen die Jungtiere bereits zehn bis 15 Kilo. Einige Tage später führt die Mutter ihre Jungen auf das Eis, wo die Eisbär Babys ihre erste feste Nahrung zu sich nehmen, sobald die Mutter bei der Jagd erfolgreich war.

Eisbärweibchen verteidigen ihre Jungtiere wenn nötig mit ihrem eigenen Leben, beispielsweise gegen erwachsene Eisbärmännchen. Dabei können auch die Muttertiere dem Angreifer zum Opfer fallen.

Wenn die Jungtiere etwa 30 Monate alt sind, ist das Muttertier wieder paarungsbereit. Die Jungen werden dann entweder von ihr oder von einem ihr folgenden Männchen vertrieben.

Jagd auf den Eisbär

Eisbär im Packeis

Eisbären wurden traditionell von arktischen Völkern gejagt. Ihr Fleisch diente als Nahrung, das Fell wurde zu Kleidung und Decken verarbeitet. Kommerziell gejagt wurden die Tiere schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts, in großer Zahl wurden Eisbären aber erst in den 1950er- und 1960er-Jahren des 20. Jahrhunderts erlegt, als Schneemobile, Boote und Hubschrauber für die Jagd eingesetzt wurden. 1973 unterzeichneten Kanada, USA, Dänemark, Norwegen und die damalige UdSSR ein Abkommen zur Einschränkung der Eisbärenjagd, die seitdem weitgehend der eingeborenen Bevölkerung zu Selbstversorgung vorbehalten ist. Der Einsatz von Fluggeräten und großen Motorbooten für die Eisbärjagd wurde verboten. Heute gibt es insgesamt schätzungsweise wieder 20.000 bis 25.000 Eisbären in 19 voneinander getrennten Populationen.

Angriffe auf den Menschen finden meistens in der Nähe menschlicher Behausungen wie Jagdcamps, Wetterstationen und Ortschaften statt. Im Gegensatz zu anderen Bären haben Eisbären den Ruf, Menschen gern als Beute zu sehen. Übergriffe sind allerdings extrem selten, so wurden in Alaska zwischen 1900 und 2002 nur ein Todesfall und zwei Verletzte durch Eisbären registriert. In Spitzbergen gab es zwischen November 1971 und August 2011 fünf für Menschen tödliche Unfälle. In vier Fällen waren die Personen vermutlich nicht oder unzureichend bewaffnet, im fünften Fall spielte die mangelnde Erfahrung im Umgang mit der Waffe wohl die entscheidende Rolle. Arktis-Reisende mögen den Rat der Inuit beachten, die glauben, Eisbären könnten Gedanken lesen: »Denke nicht schlecht von den Bären, da sie dadurch verärgert werden könnten.«

Kurios: In Churchill, Kanada, soll ein Eisbär um 1950 einem Mann über das Eis gefolgt sein. Wäre der Bär gerannt, hätte der Mann kaum eine Chance gehabt. Aber Eisbären überhitzen leicht und dieser Bär war wohl vor allem neugierig. Als der Bär den zu Tode erschrockenen Mann eingeholt hatte, schleckte er ihm die Hand.

Eisbären sind aber auch in jedem anderen Fall mit Vorsicht zu genießen: Vom Verzehr sollte abgesehen werden. Ihre Leber enthält so viel Vitamin A, dass sie für den Menschen giftig ist. Viele Polarforscher oder Eskimos mussten für den Verzehr von Eisbärleber mit schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Lebervergrößerungen büßen. Im Extremfall endete die Überdosierung mit der Eisbärenleber tödlich. Eisbärenfleisch ist ebenfalls nicht ungefährlich, da es oftmals Trichinen (parasitische Fadenwürmer) beherbergt. Diese können beim Menschen die zumeist tödlich verlaufende Trichinose hervorrufen.

Schützt die Eisbären und die anderen Tiere der Arktis

Der Klimawandel und die zunehmende Vermüllung der Meere mit Plastik und anderen Abfällen gefährden die arktische Tierwelt. Nirgendwo sind die Auswirkungen des Klimawandels deutlicher zu spüren als in ihrem natürlichen Lebensraum, der Arktis. Die Packeisgrenze geht seit Jahren schneller und immer weiter zurück. Die Veränderung der Temperaturen hat einen bedrohlichen Abwärtstrend der Eisbären Population zur Folge. Das Eis und damit ihr Jagdrevier schmilzt den Polarbären quasi unter den Füßen weg. Die Tiere können sich so nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass jeder zweite Eisbär, der knapp zwei Drittel des Jahres ohne Meereis auf dem Land lebt, im darauf folgenden Winter stirbt. Das Ökosystem der Eisbären verändert sich sp rasant, dass sich die Eisbären nicht schnell genug an die neuen Gegebenheiten anpassen können. Hinzu kommt, dass Eisbären erst mit fünf bis sechs Jahren geschlechtsreif sind, also relativ spät. Fakt ist, dass die Geburtenrate in den letzten Jahren stark zurückging. Besorgnis erregend ist vor allem die Entwicklung in der Beauford See in Alaska und im Nordwesten Kanadas. Dort sank seit 2004 die Population laut eines Berichts der Fachzeitschrift Ecological Applications um mehr als 40 Prozent. Die Weltnaturschutzorganisation UICN befürchtet, dass der Bestand weiter zurückgehen wird und damit der Eisbär akut gefährdet ist. Er wird deshalb auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten geführt.

Jeder kann aktiv seinen persönlichen kleinen Teil dazu beitragen, diese Entwicklung zu stoppen!

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Video-Link: https://youtu.be/xBmXqdD4fWo