Bäreninsel / Bjørnøya

Die Bäreninsel (norwegisch: Bjørnøya) liegt bei N 74°30’ und O 19°. Sie besteht größtenteils aus alten Sedimenten, ist etwa 178 km² groß und gehört zum Svalbard Archipel. Bjørnøya war – bis auf die Mitarbeiter der Stationen in Tunheim, Tyskehuset, Mjogsjohytta und Ellahytta – nicht bewohnt.

Die schöne Kvalrossbukta ist ein beliebtes Ziel.

Die Landschaft steigt auf der Südseite bis auf 440 m an (Hambergfjellet) und fällt dann zum Norden hin flach ab. Die höchste Erhebung auf der Bäreninsel ist der 563 m hohe Berg Urd im Miseryfjellet im Osten der Insel.
 Mildes und niederschlagsreiches, vom Golfstrom geprägtes, arktisches Seeklima. Die Temperatur beträgt im Jahresmittel 4,3°C. Die Bäreninsel war ehemals ein Zentrum der Wal- und Walrossjagd, die Überreste einer alten Walfangstation in Sørhamna belegen dies.

Die wilde Kliffküste mit vorgelagerten Felssäulen und nahezu senkrechten Klippen, die bis zu 400 Metern über die Wellen aufragen, ist der ideale Brutplatz für Seevögel. So wird die Insel zu der größten Seevogelkolonie der Nordhalbkugel und für die dort brütenden Arten eine der allerwichtigsten Brutplätze. Auch die Artenvielfalt ist erstaunlich: Trottellummen, Papageitaucher, Dickschnabellummen oder auch der Krabbentaucher.Sie alle sind auf der Bäreninsel besonders zur Brutsaison in beeindruckenden Mengen vorzufinden.

Aufgrund der relativ abgeschiedenen Lage wird die Bäreninsel nur sehr selten von Expeditionskreuzfahrten angelaufen!
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Die Entdeckung der Bäreninsel

Die Bäreninsel wurde 1596 von den niederländischen Seefahrern Willem Barents und Jacob van Heemskerk entdeckt. Mitglieder der Expedition erlegten damals »nach hartem Kampf« einen Eisbären und benannten die Insel entsprechend.

Geschichte der Bäreninsel

Im September 1943 errichtet die Mannschaft des deutschen U-Boots U-355 die automatische Funkstation »Dietrich« auf der Bäreninsel.

Traurige Berühmtheit erlangte sie, als im April 1989 rund 180 km südöstlich der Bäreninsel das sowjetische Atom-U-Boot K-278 Komsomolez sank und seither in einer Tiefe von 1700 m verrottet und eines der fischreichsten Gewässer der Welt verstrahlt.

2002 wurde die Bäreninsel zum Naturschutzgebiet erklärt.

Amundsen und die Bäreninsel

Im Sommer 2009 haben norwegische Forschungsschiffe im Seegebiet nordwestlich der Bäreninsel eine aufwändige Suche nach dem norwegischen Südpolbezwinger Roald Amundsen unternommen. Dieser war 1928 bei einer Rettungsaktion für den verunglückten Italiener Umberto Nobile mit seinem Flugzeug auf dem Weg nach Spitzbergen abgestürzt. Amundsen hat seinen einstigen Partner Nobile bei den Vorbereitungen für dessen zweiten Polarflug mit einem Luftschiff kritisiert, weil ein Luftschiff in den rasch wechselnden Wetterbedingungen der Arktis zu unsicher sei. Er sollte recht behalten, denn Nobiles Luftschiff stürzte auf dem Rückweg vom Nordpol ab. Die Crew konnte sich auf einer Eisscholle im Packeis nördlich von Spitzbergen retten. Die Weltöffentlichkeit verlangte nach der Rettung der Polarforscher und forderte Amundsen auf, die Rettungsmaßnahmen zu leiten. Diesem Druck konnte sich der Norweger nicht entziehen. Nach langen und zähen Verhandlungen bezüglich der Kostenübernahme für die Rettungsaktion startete Amundsen mit einem französischen Wasserflugzeug am 18. Juni 1928 von Tromsø aus nach Spitzbergen. Fischer wollen den Absturz unweit der Bäreninsel beobachtet haben. Woraufhin eine beispiellose Suchaktion nach dem norwegischen Volkshelden einsetzte, an der Ironie des Schicksals war, dass der Retter tödlich verunglückte, während der zu Rettende wenig später von einem russischen Eisbrecher im Packeis gerettet wurde.

Bjørnøya Radio

Die einzigen, die rund ums Jahr auf der Bäreninsel zu tun haben, sind die Wetterfrösche des norwegischen meteorologischen Institutes. So wichtig ist die Region als Wetterküche für Nordeuropa, dass gleich 9 Personen dort ganzjährig »Børnøya Radio« betreiben, wo tägliche Ballonaufstiege den Wetterdiensten Daten aus Höhen von bis zu 30 Kilometern sichern – die einsame Station sichert so etwa den Flugverkehr über den Nordatlantik.