Meeressäuger

Zur Evolution der Meeressäuger

In der Triaszeit vor ca. 180 Mio. Jahren entwickelten sich die ersten Säugetiere. Noch beherrschten Saurier die Welt, und erst nach ihrem Aussterben in der Kreidezeit treten die Säugetiere mehr in den Vordergrund. Bei kühler werdendem Klima erwies sich die vom Stoffwechsel erzeugte Körperwärme dieser Tiere von Vorteil. Die Säuger waren so unabhängiger von der Witterung und konnten sich besser an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Das reiche Nahrungsangebot im Meer ließ später kleine Landraubtiere ins Meer vordringen, aus ihnen entstanden Wale, Seekühe, Robben und Seeotter – je nach Dauer der Lebensweise im Meer in unterschiedlicher Anpassung.

Vögel und Säugetiere in den Polargebieten

Versteht man Evolution als ständige Emanzipation von der Umwelt, so haben es Vögel und Säugetiere sehr weit gebracht. Allerdings benötigen sie zur Aufrechterhaltung aller Lebensfunktionen eine hohe Energiezufuhr, die zehnmal höher ist als bei Reptilien. Da in den kalten Regionen der Erde besonders viel hochwertige Nahrung angeboten wird, konzentrieren sich Vögel und Säugetiere vor allem im Bereich der kalten, zirkumpolaren Meere und bauen dort ihre Nahrungsketten auf. Das heißt die Biomasse an Vögeln – denkt man an Pinguine, Lummen oder Möwen – ist in den kalten Regionen der Erde wesentlich höher als beispielsweise in tropischen oder gemäßigten Breiten.

Das gilt auch für Säugetiere, denn die Bestände an Walen und Robben besaßen und besitzen immer noch oder wieder mehr Biomasse, als z.B. die früheren Büffelherden der nordamerikanischen Prärien oder die Herden afrikanischer Großtiere. Die Verteilung der Biomasse wird seit Jahrhunderten leider in hohem Maße durch den Menschen bestimmt und geregelt. In der Evolution der Lebewesen – den Menschen eingeschlossen – geht es aber nicht nur ums Überleben (wie bei Darwin), sondern um die Fortschritte, die eine Weiterentwicklung einzelner Arten erklären.

Entwicklung der Robbe

Der Stammbaum der Robben ist noch nicht endgültig geklärt. Vor mehr als 40 Mio. Jahren haben sich die Vorfahren der Robben von den Urraubtieren der tertiären Kontinente getrennt. Es gibt zu wenig fossiles Material im marinen Sedimentgestein, um einen tertiären Flossenfüßler rekonstruieren zu können. Die Pelzrobbe ist z.B. eine von insgesamt 33 Arten der Robben im weitesten Sinne, den sog. Pinnepediae, die zur Gemeinschaft der Meeressäugetiere  gehören. Die geologisch ältesten Wirbeltiere waren Fische, aus diesen entwickelten sich die Amphibien und später die Reptilien. Aus den Reptilien gingen dann gegen Ende der Trias-Periode die ersten Säugetiere hervor. Diese Ursäuger waren Kleinformen und kaum größer als Ratten.

Entwicklung der Meeressäuger

Vom Trias zur Gegenwart haben die Säuger Tausende verschiedener Arten entwickelt, die meisten »Experimente« sind ausgestorben. Die Meeresreptilien der Kreidezeit kann man nicht mit den Meeressäugern der Gegenwart in Verbindung bringen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass einige Arten der Säugetiere, die sich bereits an Land etabliert hatten, sich wieder dem Meer zuwandten. Einige Arten setzten sich erfolgreich durch, und das waren die Ahnen der echten Meeressäugetiere von heute: Wale, Seekühe, Robben und Seeotter.

Seeotter & Robben

Diese vier Gruppen haben zu verschiedenen Zeiten den Weg ins Meer angetreten. Daher unterscheiden sie sich auch durch einen unterschiedlichen Grad der Anpassung an das Leben im Meer. Während der Seeotter nur eine etwa 2 Mio.-jährige Erfahrung als Meeressäuger einbringt, leben die Robben bereits seit über 40 Mio. Jahren im Meer. Die Vorderpfoten des Seeotters sind noch ganz normal, seine Hinterpfoten sind aber als Flossen ausgebildet. Bei den Robben enden alle vier Extremitäten in Flossen.

Seekühe & Wale

Die Ordnung der Seekühe ist etwa 80 Mio. Jahre alt, die Evolution der Wale begann vor ca. 100 Mio. Jahren, ihre hinteren Extremitäten sind daher nur noch embryonal angelegt.

Echte Meeressäuger haben ein kennzeichnendes, nur ihnen eigenes Merkmal: Sie sind vollständig auf Nahrung angewiesen, die sie unterhalb der Meeresoberfläche erbeuten. Die heutigen Robben können in zwei große Gruppen aufgeteilt werden, die sich wiederum in viele Arten aufgespalten und sich in verschiedenen ökologischen Räumen verbreitet haben. Für die erste Gruppe gilt ein auffälliges Merkmal: Das Kriechen auf dem Bauch.

Pelzrobben, Seelöwen, Walrosse

Die zweite Gruppe, zu der Pelzrobben, Seelöwen und Walrosse zählen, kann alle vier Flossen zur Fortbewegung an Land verwenden. Sie können vor allem die Hinterflossen nach vorne drehen und so auf ihnen laufen.

Fossilfunde geben allerdings keine eindeutigen Hinweise darauf, ob die Robben auf einen oder  zwei Stammbäume zurückgehen. Es ist also nicht gesichert, dass zwei verschiedene Gruppen von Landtieren unabhängig voneinander und an geographisch weit entfernten Orten ins Meer gegangen sind und sich dort zu »Kriechern« oder »Gehern« entwickelt haben. Moderne Chromosomen-Untersuchungen stützen allerdings eher eine Ein-Stamm-Theorie. Erfolgreicher scheinen die Kriecher gewesen zu sein. Die Weltbevölkerung der Seehunde, der Kriecher, liegt bei über 16 Mio. Tieren, die der Geher, also der Ohrenrobben und Walrosse, nur bei etwa 4 Mio.

Sensibles, einzigartiges Ökosystem

Es wäre fatal, würde man die arktischen und antarktischen Ökosysteme einer ökonomischen Ausbeutung und damit Zerstörung überlassen, da eben Fragen des biologischen Fortschritts nur dort wissenschaftlich erfaßt und rekonstruiert werden können.

Teilweise haben Walfang, Robbenschlagen und Fischerei diese Möglichkeiten schon stark gestört, wenn nicht zunichte gemacht. Julian Huxley, ein britischer Zoologe, definiert Evolution so:
»Von entwicklungsgeschichtlichem Fortschritt ist dann zu sprechen, wenn ein bestimmter Typus frei von Einschränkungen und Begrenzungen ist und die Möglichkeit zu weiteren adaptierten Verbesserungen in sich trägt.«

Menschlicher Einfluß auf ein autarkes Ökosystem beschränkt aber die Entwicklung und somit die Freiheit, sich optimal anzupassen.

Ungefähre Bestände an Robben und Walen im Südpolarmeer

Robben
KrabbenfresserrobbeLobodon carcinophagus15 Mio.
Antarktischer SeebärArctocephalus gazella1,1 Mio.
Südl. See-ElefantMirounga leonina800.000
WeddellrobbeLeptomychotes weddelli750.000
SeeleopardHydrurga leptonyx220.000
Wale
ZwergwalBalaenoptera acutorostrata325.000 max.
FinnwalBalaenoptera physalus85.000
PottwalPhyseter catodon70.000
SeiwalBalaenoptera borealis40.000
BuckelwalMegaptera novaengliae20.000
BlauwalBalaenoptera musculus2.000
SchwertwalOrcinus orca?

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