Eisbär in Longyearbyen

Am Abend des 8. Juni spazierte ein Eisbär im oberen Ortsteil Nybyen herum! Früher Bergarbeitersiedlung, sind in Nybyen, das nur ca. 1 km vom Zentrum Longyearbyens entfernt liegt, heute vor allem Studenten sowie das bei Touristen beliebte Gästehaus gelegen, der Ortsteil ist also alles andere als verlassen. Eine Wandergruppe entdeckte auf einem nahegelegenen Berg Bärenspuren im Schnee, die zum Ort hinführten, und alarmierte die Polizei (Sysselmannen), die den weißen Besucher auch bald in unmittelbarer Nähe der Häuser entdeckte! Ein paar Warnschüsse vertrieben den Petz, der sicherheitshalber noch mit dem Hubschrauber bis ins benachbarte Tal verfolgt wurde.

Mögliche Eisbärensichtungen machen einen großen Teil der Faszination einer Arktisreise aus. Bessere Chancen, eines dieser majestätischen Tiere zu sehen, haben Sie auf längeren Schiffsreisen in die abgelegenen Teile der Spitzbergen-Inselgruppe, aber die Chance und somit auch die Gefahr einer (unerwarteten) Eisbärenbegegnung besteht immer und überall – auch im Sommer, auch in unmittelbarer Umgebung der Siedlungen.

Übrigens haben detaillierte Auswertungen kürzlich ergeben, dass trotz einer steigenden Häufigkeit der Begegnungen Eisbär-Mensch die Zahl der Ereignisse mit dramatischem Verlauf, die im schlimmsten Fall für den Eisbären oder im sehr seltenen Extremfall sogar für Menschen tödliche Folgen haben können, abnehmen. Erklärt wird dies damit, dass Touristen mehr und mehr dazu neigen, sich organisierten Reisen anzuschließen, deren Begleiter zunehmend mehr Professionalität und Erfahrung aufweisen. Ein steigendes Risiko geht hingegen von Wissenschaftlern aus, die längere Zeit im Feld verbringen, aber nicht unbedingt über die entsprechende Erfahrung verfügen: Die meisten der etwa 2-3 jährlich in Notwehr erschossenen Eisbären gehen auf das Konto von Forschern, gefolgt von Trappern, Einheimischen und der Polizei.

Und noch ein paar Worte zum Thema Sicherheit: ein erster Teil unserer Guides hat im April an einem Wochenendkurs zum Thema Eisbärensicherheit teilgenommen. Organisiert wurde dieser Kurs von unseren schwedischen Partnern Polar Quest in Göteborg. Alle unsere Teilnehmer haben neben viel theoretischem Unterricht einen ganzen Tag auf einem professionellen Schießstand verbracht und dabei die schwierige Prüfung zum schwedischen Jagdschein für die Bärenjagd bestanden. An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch an Peter Balwin, Sven Achtermann und Dr. Dierk Ronneberger! (Man hörte am Abend einige Stöhner ob der wunden Schulter, denn es wurde mit großkalibrigen Waffen scharf geschossen!)