Antarktis Saison 2008/09

Antarktis Saison 2008/09 – Die Saison ist zu Ende

Sie haben es versäumt, während des letzten, kalten Winters in Deutschland mit POLAR-KREUZFAHRTEN in den antarktarktischen Sommer zu flüchten? Dann lassen Sie sich jetzt von Rolf Stange, einem erfahrenen »tour-guide« und Antarktis-Experten berichten, was Sie verpasst haben!

Start zur »Großen Runde«

Die ersten Schiffe waren bereits seit mehr als zwei Monaten unterwegs, als wir uns Anfang Januar 2009 in Ushuaia, im tiefen Süden Argentiniens, an Bord der »Grigoriy Mikheev« einfanden. Vor uns lag eine Reise, die man in vielerlei Hinsicht als Höhepunkt des Antarktis-Tourismus werten kann. Wir hatten uns die »große Rundreise« vorgenommen, über die Falklands und Südgeorgien zur antarktischen Halbinsel – in der Hoffnung, einen sehr vielseitigen Einblick in Landschaften und Tierwelten zu bekommen, ohne dabei länger als zwei, maximal drei Tage am Stück auf See sein zu müssen.

Unter englischen Vogelfreunden – »Well equipped«

Unsere Gruppe bestand aus englischen Hobby-Ornithologen, die mit warmer Bekleidung und Gummistiefeln sowie einer Unmenge von Bestimmungsbüchern und dem Inventar eines gut sortierten Fachgeschäfts für hochwertige Ferngläser und Kameraausrüstung ausgerüstet waren – somit hervorragend vorbereitet und mindestens ebenso hochwertig motiviert. Gerüchte besagten später, dass einige sogar Mahlzeiten geschwänzt oder aber einen – schnell gefrierenden – Teller mit an Deck genommen hatten, um keine Minute Tageslicht auf See zu verpassen – es könnte ja jederzeit einer der seltenen Blausturmvögel vorbeikommen, von Walbeobachtungen ganz zu schweigen. Tatsächlich neigten vor allem die großen Meeressäuger dazu, vorwiegend während unserer Mahlzeiten aufzutauchen. Einfacher zu beobachten waren riesige Vögel wie Schwarzbrauen- und sogar Wanderalbatrosse mit über 3 Metern Spannweite, die uns bereits am ersten Tag auf See ständig in nächster Nähe begleiteten. Noch näher kamen wir den Schwarzbrauenalbatrossen dann bei den Falkland Inseln, wo sie dichte Kolonien zusammen mit den Felsenpinguinen bilden – wie letztere es schaffen, die steilen Klippen hoch zu den Brutplätzen zu überwinden, blieb uns weitgehend rätselhaft. Die Magellanpinguine machen es sich einfacher, indem sie in Strandnähe Höhlen in den Sandboden graben.

Es geht weiter – von den Falklands nach Südgeorgien

Nach dem obligatorischen Abstecher in die kleine »Hauptstadt« Stanley stachen wir in See Richtung Südgeorgien. Zwei Tage nichts als Wasser, Meeresvögel und gelegentliche Wale um uns herum! Das Wetterglück war – wie fast während der gesamten Reise – auf unserer Seite, so dass wir die schroffen Klippen der »Shag Rocks« bei Tageslicht passierten und bereits am Morgen des dritten Tages die steilen Berge von Südgeorgien vor uns aus dem Wasser ragten.

Wer Südgeorgien einmal erlebt hat, wird dieses nie wieder vergessen. Wenig bekannt ist allerdings, dass die erstaunliche Tierwelt sich in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten radikal verändert hat: Während man noch im frühen 20. Jahrhundert vor lauter Walen das Meer kaum sehen konnte, musste man an Land lange nach Pelzrobben oder Königspinguinen suchen. Heute ist das Gegenteil der Fall – und das hat seinen Grund: Nach Ende des unseligen Walfangs in den 1960ern entwickelte sich ein Überangebot an Krill, jenem so immens wichtigen Krebstierchen, von dem direkt oder indirekt fast alles in der Antarktis lebt, was keine Gummistiefel trägt. Nachdem mit den Walen die größten Konsumenten weitgehend entfielen, profitierten Königspinguine und Pelzrobben umso mehr. Die Pelzrobben haben dabei ein erstaunliches Comeback inszeniert: Wegen ihrer begehrten Pelze praktisch ausgerottet, bevölkern sie die Strände Südgeorgiens nun wieder zu Millionen. Ebenso lebt hier der Südgeorgien-Riesenpieper, der gar nicht so riesig ist, aber nur auf Südgeorgien vorkommt – und nirgendwo sonst.

Mit Wetterglück zu den Südorkney-Inseln

Als nächstes setzten wir Kurs auf die Südorkney-Inseln, die dank der günstigen Eislage in der vergangenen Antarktis-Saison erreichbar waren. Diese schroffe und kräftig vergletscherte Inselgruppe bietet spektakuläre Ansichten und die Möglichkeit, die wenig besuchte Station »Orcadas« zu erreichen, die bereits 1903 gegründet wurde und heute von Argentinien betrieben wird. Die Argentinier freuten sich mindestens so sehr wie wir über unseren Besuch. In manchen Jahren, wenn das Packeis Südorkney lange in seinem eisigen Griff hält, kommen kaum Touristen, und selbst in »guten« Jahren, die dank Treibhauseffekt inzwischen häufiger werden, sorgen die geographische Isolation und das häufig sehr raue Wetter für einen nur geringen Besucherstrom.

Ein weiterer Höhepunkt – die Antarktische Halbinsel

Zwei Tage später hatten wir die Region erreicht, von der viele an Bord bereits ein Leben lang geträumt hatten: die Antarktis. Rückblickend waren unsere Tage dort ein Kaleidoskop aus spektakulär vergletscherter und teilweise sehr gebirgiger Landschaft und einer Tierwelt, die ihresgleichen auf diesem Planeten nicht hat. Adelie-, Esels- und Kehlstreifpinguine brüten in dichten Kolonien, und je länger wir ihrem hektischen Treiben zuschauten, desto mehr kaum begreifliche Verhaltensweisen entdeckten wir – zum Beispiel die erstaunliche Aggressivität, welche diese Vögel untereinander mitunter an den Tag legen. Wir hingegen erregten ihre Aufmerksamkeit eher im Ausnahmefall, beispielsweise als Objekt einer Neugier, die der unseren wohl kaum nachstand.

Unsere südlichste Landung machten wir schließlich auf der Petermann-Insel, nicht weit vom bekannten Lemaire-Kanal und mit einer geographischen Breite von 65°10’ S gerade noch 2760 Kilometer vom Südpol entfernt. Auf Petermann steht eine kleine Hütte, die immer wieder von Wissenschaftlern bewohnt wird, weil hier die Veränderung der antarktischen Tierwelt besonders gut zu beobachten ist: Fand der französische Polarforscher Charcot 1909 dort noch mehrere tausend der gut an hochpolare Verhältnisse angepassten Adeliepinguine, so sind es heute nur noch ein paar hundert. Dafür haben die Eselspinguine, die ihre Nahrung auch noch bei weniger schweren Eisbedingungen gut finden, kräftig zugelegt.

Die Antarktis – ein Wachtposten für Wetterfrösche

Nicht weit von der Petermann-Insel befindet sich die ukrainische Forschungsstation »Vernadsky«. Dort wurde nicht nur ein wesentlicher Beitrag zur Entdeckung des Ozonlochs geleistet, sondern es werden auch Daten für die Beobachtung der derzeitigen Erwärmung gesammelt. Immerhin ist die antarktische Halbinsel weltweite eine der Regionen, die am stärksten vom Treibhauseffekt betroffen sind. Wo sonst ließe sich der Klimawandel so eindrucksvoll studieren wie hier?

Eindrucksvoll war auch diese Reise – in eine Welt, die sich auch die kühnste Phantasie kaum vorstellen kann. Auf einem kleinen Schiff in der Antarktis zu kreuzen ist eine von vielen Attraktionen, die für Sie durch POLAR-KREUZFAHRTEN zur Realität werden kann – mit einer Einschränkung: Wer Eisbären sehen will, muss in den Norden, in die Arktis. Die großen, weißen Jäger gibt es rund um den Südpol nämlich nicht.

Rolf Stange