Einzelreisende

Einzelreisende/-reisender auf Expeditionsschiffen in Arktis oder Antarktis

In Beratungsgesprächen oder auf Messen hören wir manchmal von Kunden, dass ihnen der Zuschlag für die Einzelnutzung einer Kabine auf Reisen in die Arktis oder Antarktis recht hoch erscheint. Manchmal werden uns dann auch Schiffe genannt, auf denen es Schlafsäle gibt, wodurch der Reisepreis für eine Kreuzfahrt deutlich günstiger sei, als an Bord unserer Expeditionsschiffe.

Wir haben einmal zusammengetragen, woran das liegt und welche Möglichkeiten wir von Polar-Kreuzfahrten haben, um Einzelreisenden eine Kreuzfahrt in die Polarregionen an Bord unserer kleinen Expeditionsschiffe zum normalen Preis zu ermöglichen.

Safety First – Sicherheit geht vor!

Unsere Schiffe sind sehr klein und haben nur eine begrenzte Anzahl an Passagierplätzen, mit denen sie unterwegs sein dürfen.

Dies hat erst einmal nichts mit der Anzahl der Betten zu tun, sondern mit dem Thema Sicherheit.

Die »International Maritime Organisation« (IMO) erteilt für jedes Schiff ein Zertifikat, in der die maximale Anzahl der Passagiere genannt wird. Das Zertifikat wird noch in verschiedene Reviere unterschieden, wobei nationale Behörden die Auflagen ggf. noch verschärfen. Die Sicherheitsnormen sind sehr komplex und es wäre nicht nur damit getan, ein paar Schwimmwesten oder ein Rettungsboot mehr mitzunehmen, um im Gegenzug die Passagierzahlen erhöhen zu können. Unsere Touren in die Arktis und Antarktis führen in die anspruchvollsten Gewässer der Welt. Entsprechend hoch sind die Auflagen und entsprechend gering sind die Passagierzahlen.

Fazit: Die Passagierzahlen werden durch Sicherheitsaspekte begrenzt, nicht durch die Anzahl der Betten!

Keine Einzelkabinen auf Expeditionsschiffen?

Die kleinen Schiffen werden, entsprechend der Zertifikate, so umgebaut, dass eine passende Anzahl an Kabinen vorhanden ist. Die überwiegende Mehrzahl der Reisenden sind Paare. D.h. es werden Doppelkabinen gebaut. Mehr Kabinen einzubauen als Passagierplätze lt. Zertifikat vorhanden sind, würde wertvollen Schiffsraum und natürlich auch viel Geld kosten. Daher haben viele Schiffe nur genau so viele Betten wie sie Passagiere mitnehmen dürfen.

Fazit: Es gibt auf kleinen Schiffen keine dedizierten Einzelkabinen!

Treibstoff ist der Preistreiber

Die Kosten für den Betrieb eines kleinen Schiffes sind, bezogen auf den einzelnen Passagier, deutlich höher als bei einem größeren Schiff (vergleichbar mit einem Taxi und einem Reisebus).

Bei kleinen Schiffen ist besonders der Treibstoff der Preistreiber, denn diese Kosten können nur auf wenige Passagiere umgelegt werden. Auch die Kosten für die Crew sind (immer auf den einzelnen Passagier gerechnet) deutlich höher.

Auf unserem kleinsten Schiff, der MS Stockholm, arbeiten insgesamt 8 Menschen (vom Kapitän über den Expeditionsleiter bis zum Maschinisten). Die Kosten hierfür können aber nur auf 12 Passagiere umgelegt werden. Würden nur Einzelreisende auf diesem Schiff mitfahren, müssten sechs Passagiere dies zahlen. Das funktioniert betriebswirtschaftlich nur dann, wenn die Einzelreisenden einen wesentlich höheren Preis zahlen. Der Zuschlag hierfür entspricht dem normalen Fahrpreis abzüglich tatsächlich eingesparter Kosten (z.B. für Mahlzeiten).

Fazit: Der größte Kostenblock auf einer Kreuzfahrt in die Arktis oder Antarktis sind fixe Kosten für Treibstoff, Crew und Schiffsunterhalt. Keinesfalls jedoch die Verbrauchskosten pro Passagier!

Schlafsäle an Bord von Kreuzfahrtschiffen

Schlafsäle hat es auf Kreuzfahrtschiffen noch nie gegeben. Per Definition ist eine Kreuzfahrt, seit ihrer Erfindung durch Albert Ballin im Jahre 1891, eine Lustreise.

D.h. anders als bei einem Liniendienst, verfolgt sie nicht den Zweck des Transportes von Menschen und Gütern von A nach B, sondern dient nur dem reinen Vergnügen. Wir hören manchmal von Kunden: »Doch, auf der Aranui 3 in franz. Polynesien gibt es Massenunterkünfte!«

Es stimmt, dass es dort einen Schlafsaal gibt. Doch ist die Aranui 3, ein (Zitat) »Frachtschiff ins Paradies«. Hierbei handelt es sich um einen Liniendienst, der die Inseln untereinander verbindet. Somit ist die Aranui 3 eine Fähre, die auch preiswertere Deckspassagen bzw. Schlafsäle anbietet. Eine Kreuzfahrt, im eigentlichen Sinne, ist dies nicht.

Manchmal werden wir auch auf die ehemalige grönländische Küstenfähre verwiesen, auf der es tatsächlich Schlafsäle gab. Doch war dieser Fährbetrieb derart teuer, dass der Liniendienst nur mit Hilfe von Subventionen in Millionenhöhe zu realisieren war.

In Folge von Einsparmaßnahmen der grönländischen Verwaltung wurden die Subventionen gekürzt, was dazu führte, dass dieser Dienst zusammengestrichen wurde. Die einzige Möglichkeit heute für die Bevölkerung Grönlands von einem Ort zum anderen zu kommen, ist per Flugzeug mit all den wetterbedingten Einschränkungen und den viel höheren Preisen.

Die Schiffe wurden verkauft, umgebaut (u.a. keine Schlafsäle mehr!) und sind heute als Kreuzfahrtschiffe unterwegs. (Die ehemalige Sarpikk Ittuk fährt heute als MS Ocean Nova wieder entlang der Küste Westgrönlands und die ehemalige Sarfikk Ittuq fuhr erst eine Zeit lang als MS Disko II, bevor sie als MS Quest nach Spitzbergen ging.)

Eine Fähre wird immer nur dort fahren, wo sie gebraucht wird, um die Verkehrsinfrastruktur sicherzustellen. Da in den polaren Gebieten außer entlang der Küste Grönlands keine Menschen leben (von einzelnen kleinen Forscher- oder Bergbausiedlungen abgesehen), gibt es für keine Reederei der Welt eine Veranlassung, einen Fährdienst in die Antarktis oder entlang der Küste von Spitzbergen zu unterhalten.

Wer sollte denn mitfahren? Die Fähre in Grönland war trotz erheblicher Subventionen nicht profitabel zu betreiben. Vielleicht weil die Passagen im Schlafsaal nicht ertragreich genug waren?

Fazit: Preiswerte (Massen-) Unterkünfte gibt es nur auf Fähren. Die fahren aber nur dort, wo sie gebraucht werden, nicht jedoch in den Polargebieten!

Deckspassagen werden subventioniert

Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die Preise für Deckspassagen (als Synonym für Schlafsäle) bei langen Fährüberfahrten (z.B. nach Island) deutlich preiswerter sind, als die Preise für eine Überfahrt in einer Kabine. Der Preis für eine Überfahrt in einer Kabine kostet das 3,5 bis 7,5 fache einer einfachen Deckspassage. Oftmals müssen Reedereien, als Gegenleistung für Subventionen, ein gewisses Kontingent preiswerter Deckspassagen anbieten, damit sich alle Bevölkerungsschichten diese Infrastruktur leisten können.

Unsere Schiffe bieten Studienreisen in die Arktis und Antarktis an. Sie sind kein Bestandteil der regionalen Infrastruktur und erhalten daher auch keinerlei staatliche Vergünstigungen. Welche Veranlassung sollte ein Reeder haben, Deckpassagen auf Kreuzfahrten anzubieten, insbesondere dann, wenn die Anzahl der Passagiere besonders auf einem kleinen Expeditionsschiff sehr begrenzt ist? Um den selben Umsatz zu erzielen, müsste er ein Vielfaches an Passagieren mitnehmen, was er defacto nicht kann.

Fazit: Nur Kabinenplätze bringen einen wesentlichen Deckungsbeitrag zu den Gesamtkosten eines Schiffes!

Halbe Kabinen sind auf vielen Polar-Kreuzfahrten möglich

Damit Einzelreisende keine (Leerbett-)Zuschläge zahlen müssen, bieten wir auf den meisten Abfahrten in einigen Kabinenklassen einzelne sog. Damen- oder Herrenbetten an. D.h. wir führen eine Warteliste mit Interessenten und sobald ein zweiter Alleinreisender gleichen Geschlechts gefunden wird, vergeben wir eine Kabine. In den allermeisten Fällen führt dies zum gewünschten Erfolg!

Bitte sprechen Sie uns an, für welche Region bzw. für welche Reisen Sie sich konkret interessieren, evtl. haben wir schon einen anderen Interessenten und können Ihnen kurzfristig ein entsprechendes Angebot unterbreiten.