Ein Tag an Bord

Ein Tag an Bord eines Expeditionsschiffes

Marco Polo hatte eine interessante Theorie über Abenteuer. Er stellte fest, diese würden sich im wesentlichen nur durch Kummer und Unbequemlichkeit auszeichnen, nochmals erlebt in der Sicherheit der Erinnerung. Leider hatte er nie die Möglichkeit, mit einem Expeditionsschiff in die Antarktis oder Arktis zu reisen.

Stellen Sie sich ein komfortables Hotel vor, mit fast soviel Crew und Staff wie Gästen, beeindruckenden Ausblicken von jedem Fenster, einer hervorragenden Küche, und einer Vielzahl von Einrichtungen, wie einer gut ausgestatteten Bibliothek und einem großzügigen Vortragsraum. Dann bewegen Sie dieses Hotel jeden Tag zu einem neuen, aufregenden Ort, fügen ein Team erfahrener, deutschsprachiger Experten hinzu, stellen sich aufregende Erlebnisse vor, wie die Beobachtung von Walen und Pinguinen, oder Rundfahrten mit motorisierten Schlauchbooten … und Sie bekommen eine erste Idee.

Zugegeben, eine Expeditionskreuzfahrt kann eine Herausforderung sein. Eines der Probleme im Mittsommer der Antarktis ist zum Beispiel ständiges Tageslicht. Nicht, dass Sie nicht schlafen könnten – vielmehr ist es die Frage, ob Sie schlafen wollen! Selbst nach einem Tag voller aufregender Erlebnisse, während sich das Schiff auf dem Weg zu seinem nächsten Ziel befindet, haben Sie das Gefühl, Sie könnten etwas verpassen: noch ein Eisberg oder Pinguin, noch ein letztes Foto von der atemberaubenden Szenerie, noch einmal auf der offenen Brücke vorbeischauen …

Ein Tag an Bord einer solchen Reise (typischerweise) – wenn es so etwas überhaupt gibt – beginnt mit einem freundlichen Weckruf Ihres Expeditionsleiters und dem Frühstück. Am Abend vorher wurden die Pläne des heutigen Tages besprochen und das Schiff über Nacht neu positioniert. Nach dem Frühstück könnte ein erster Vortrag stattfinden, oder aber Sie haben Gelegenheit Ihr schwimmendes Zuhause dabei zu beobachten, wie es sich seinen Weg zum nächsten Ziel bahnt. Dann kommt die Durchsage, sich bereit zu machen – Parka, Gummistiefel, wasserdichte Hose, Ihre gesamte Ausrüstung liegt schon bereit. Die erste Anlandung kann beginnen.

Zodiacs sind die Eintrittskarte für die Wildnis

Ihr Expeditionsschiff hat eine Anzahl von Schlauchbooten (sog. Zodiacs) an Bord, mit denen alle Gäste schnell und sicher an Land gebracht werden können. Ganz wichtig ist die Anzahl der eingesetzten Zodiacs, denn nur mit ausreichender Kapazität ist sichergestellt, dass alle Gäste gleichzeitig unterwegs sein können. Ist dies nicht der Fall, haben die an Bord Gebliebenen das zweifelhafte Vergnügen ihren Mitreisenden von Deck aus bei deren Landgang zuschauen zu dürfen!

Zunächst sind Sie vielleicht noch ein wenig skeptisch und fürchten um Ihre Kamera, aber bald werden diese Anlandungen zur Selbstverständlichkeit. Schnell bemerken Sie auch die große Erfahrung und Routine der Expeditionsleitung. Viele Ihrer Mitreisenden bleiben für die ganze Zeit an Land – je nach Fahrplan und Wetter zwischen zwei und sechs Stunden – andere kehren bereits früher zum Schiff zurück. Oft werden unterschiedliche Programme angeboten – lange und kürzere Wanderungen, Zodiacrundfahrten und Anlandungen.

Vor dem Mittagessen haben Sie Zeit zum Umziehen, vielleicht aber unterbrochen von einigen Walen oder einem besonders großen Eisberg. Komfortables Reisen mit dem Touch von Abenteuer – ein Urlaub, der beides in idealer Weise verbindet.

Am Nachmittag könnte es eine zweite Anlandung geben oder eine weitere Zodiacrundfahrt, vorbei an Eisbergen, Pinguinen und Robben. Wie auch immer – beim Abendessen herrscht mit Sicherheit kein Mangel an Gesprächsstoff.

Nach den abendlichen Vorträgen durch die Expeditionsführer ist etwas Zeit zum Ausruhen da. Aber nicht immer. Natürlich kann man sich ein gutes Buch nehmen, noch ein wenig mit den Mitreisenden in der Bar sitzen oder einen Film ansehen. Aber es gibt Alternativen: wie wäre es mit einem Besuch auf der Brücke, einem Spaziergang an Deck oder dem letzten Foto des Tages?