Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Grönland: 26.08. - 08.09.2014

Publiziert: Donnerstag, den 28. August 2014

Ankunft in Reykjavik

Tag 1: Dienstag, 26.08.2014

Reykjavik unter einer dicken Wolkenschicht aber wärmer als Hannover.

Beim Willkommens-Drink haben sich schon einige unserer Gäste wieder sehr angeregt unterhalten.

Elke und die Guides haben sich sehr charmant vorgestellt und auch den weiteren Ablauf bis morgen.

Das Essen im Restaurant wurde relativ spät serviert, war aber ganz lecker, wahrscheinlich mangels Kellner. Morgen müssen wir schon um 6:00 Uhr im Hotel zum Frühstück erscheinen, der Bus soll um 6:30 losfahren.

Publiziert: Donnerstag, den 28. August 2014

Einschiffung bei Sonnenschein

Tag 2: Mittwoch, 27. August 2014

Fast pünktlich um 6:45 ging es los in Richtung Isarfjordur. Ca. 14° C bewölkt, passendes Islandwetter mit einzelnen Sonnenstrahlen, die die Tafelberge in den Fjorden anstrahlten.

Kerstin hat im Bus 1 sehr viel interessantes zum Thema Island erzählt, nach dem ersten Stop wechselte sie in Bus 2, damit alle in den Genuss kommen.

Es gab einige lustige Verwirungen bei dem Versuch vom Schwedischen ins Deutsche zu übersetzen.

Um 12 Uhr waren wir zu unserem Mittagessen in Holmavik angelangt, leider hat man uns dort erst für 13 Uhr eineplant, so das das Buffet noch nicht fertig war.

Ging dann sehr schnell und alle konnten sich an einem leckeren Dorsch mit Kruste erfreuen.

16:15 Ankunft am Hafen. Die isländischen Forde sind ganz schön lang.

Nach Bezug unserer Kabinen rief uns Elke zu einem Safety Briefing in die Lounge.

Durch das Übersetzen in 2 Sprachen dauerte es etwas länger, war aber dadurch auch amüsant.

Wie üblich folgte dann die Sicherheitsübung an Deck, 19:30 Abendessen.

Die See ist relativ ruhig, die meisten sind müde, ich war schon um 22:00 Uhr im Bett.

Publiziert: Montag, den 01. September 2014

Buckelwale voraus!

Tag 3: Donnerstag, 28. August 2014

13° Sonne kein Wind

Buckelwale voraus! Das war unser erster Weckruf an Bord. Um 7:45 tummelten sich ca. 3 Buckelwale ums Schiff. Die meisten waren noch in den Federn und haben die besten Bilder verpasst.

Nach unserem Frühstück hatten wir das Glück eine große Schule von Finnwalen rings um unser Schiff (ich habe 7 gezählt) zu beobachten, die scheinbar sich einen Spaß machten immer wieder rechts und links und vor dem Bug auf und abzutauchen.

Danach erzählte Henryk uns den ersten Teil der Einwanderung der Wikinger in Grönland.

Ab Mittag hatten wir zunehmend mehr Sonne und immer wieder Sichtungen vom Blas zahlreicher Wale die unser Schiff bis zum Abend begleiteten und auch ab und zu sich als Finn- oder Buckelwal zu erkennen gaben. Ein wirklich gelungener Auftakt.

Beim Recap gab es einige Informationen von Kerstin u. Ditte über die unterschiedlichen Wale und ihre Wanderwege zwischen den Polen und dem Äkuator.

Nach dem Abendessen konnten wir bis 23:00 Uhr eine wunderbare Lichtstimmung entlag der Ostküste genießen, die auch die Gäste die schon mal hier waren nicht kalt ließ. Die spiegelglatte See und der Eissturmvögel bescherten uns geniale Aufnahmen.

Publiziert: Montag, den 01. September 2014

Wanderungen bei Sonnenschein

Tag 4: Freitag, 29. August 2014

12° Sonne kein Wind

Ein großartiger Morgen beginnt. Direkt nach dem Frühstück geht es im strahlenden Sonnenschein zu der ersten Zodiac-Cruise in die Holmbukt. Nach einer kurzen Überfahrt entern wir den Strand und das umliegende Gelände. 3 Stunden wandern in der grandiosen, unberührten Natur Nordost-Grönlands steht auf dem Programm. Wir teilen uns in 3 Gruppen auf und jeder gesellt sich, je nach Fitness, zu der einen oder anderen. Die fittesten marschieren mit David – o. war es doch Richard? – auf eine kleine Anhöhe von der man einen atemberaubenden Blick in den Fjord hat. In einem großen Bogen geht es dann Richtung Strand. Die üppige Vegetation von Vierkantiger Moorheide ist wirklich überraschend doch leider schon fast verblüht. Ein verendeter Moschusochse ist ein interessantes Fotomotiv.

Am Nachmittag ist die 2 Zodiac-Cruise im gegenüber liegenden Segelsällskapetsfjord ein geologisches Sahnehäubchen. Man kann hier die einzelnen Körnergrößen der unterschiedlichsten Gesteine wie Sandstein und Ton wunderbar unterscheiden, manche sehen aus wie Baumkuchen. Riesige Steine sind durch den Permafrost in dünne Plättchen aufgespalten und erinnern an Blätterkrokant.
Auch hier haben wir 3 Stunden Zeit uns in aller Ruhe umzuschauen und auch teilweise sportlich zu betätigen. Mit Ditte geht es ca. 300 m hinauf auf den Berg, auch hier ist der Weg gesäumt von zahlreichen Blumen. Die auf Spitzbergen seltene Polarbirke, die im unteren Abschnitt noch die Sommerfärbung aufwies u. weiter oben sich im Herbstkleid präsentiert, ist hier in rauen Mengen vorhanden. Zahlreiche Blumen kann man hier entdecken wie das Stengellose Leinkraut, gelber Islandmohn, Wollgras und sogar Heidelbeeren und einiges mehr das ich noch nachschlagen muss.

Um 18:00 geht es zurück an Bord. 19:00 Recap.

Publiziert: Montag, den 01. September 2014

Eisberge & Moschusochsen

Tag 5: Samstag, 30. August 2014

73°20.667N 26°29.219`W ca. 8°

Über Nacht sind wir tief ins Fjordsystem vorgedrungen. Schon nach dem morgendlichen Weckruf durch Elke sind Backbord die ersten größeren Eisberge zu sehen. Nach dem Frühstück um 8:30 geht es zu dem ersten Landgang dieses Tages. Unsere Gruppe macht sich auf eine mehrere km lange Wanderung ins Tal, eine andere geht in einem gemählicheren Tempo hinterher. Rendalen, das Tal der Rentiere. Diese sind in dieser Gegend vor ca. 100 Jahren ausgestorben, da sie nicht so genügsam wie die Moschusochsen sind. Ungeachtet der Zeit sind einige Knochen und Geweihe auf dem Tundraboden zu finden. In diesem riesigen Tal sind wir umgeben von zahlreichen Moschusochsen die aus der Entfernung wie kleine schwarze Steine wirken. Einer ca. 15 Stück großen Herde kommen wir relativ nahe, die Tiere sind aber sehr scheu und haben keine Lust auf Gesellschaft. Also machen sie sich auf und davon. Der Tundraboden ist mit großen Flächen von Silberwurz bewachsen, dessen Blüte ist hier so weit nördlich so gut wie vorbei, einer einzigen Blüte bin ich dennoch begegnet. Auch die Polarbirke erstrahlt hier in ihrer Herbstfärbung.

Die Strandläufer machen mit Magnus eine Zodiac-Tour zu den riesigen Eisbergen und entdecken einen Blau- oder Silberfuchs (so genau konnte man das Tier aus der Ferne nicht bestimmen) an Land und eine Bartrobbe im Wasser. Und Sogar das Schauspiel eines sich drehenden Eisberges war zu bestaunen.

73°06.016N 27°18.613`W

15:15 Auf der 2 Zodiac-Cruise geht es in die Paradiesbucht, die ihrem Namen alle Ehre macht. Die Bucht ist gesäumt von steilen Bergen die bis zu 1000 m hoch sind.

Auch hier bilden sich 3 Gruppen, die schnellen, die nicht ganz so schnellen und die langsamen. Mit David und Kerstin geht die 1 Gruppe steil nach oben auf ca. 300 m und kommt ordentlich ins schwitzen. Gleich hinter der ersten Kuppe stehen 3 Moschusochsen die etwas verwundert auf diese komischen bunten Gestalten herab blicken.

Auch hier erzählen uns die Guides einiges über die spannende grönländische Geschichte und interessantes Fachwissen über Moschusochsen. Zum Abschluß der Wanderung kommt die Sonne hervor und lässt die herbstliche Tundra erstrahlen.

Das Beste kommt noch …

Publiziert: Montag, den 01. September 2014

Naturerlebnisse zwischen Teufelsschloss & Jurassic Park

Tag 6: Sonntag, 31. August 2014

8° Sonnenschein, windstill, später leicht bewölkt

Am nächsten Morgen schien uns die Sonne in die Kabinen und wir ankerten in einem wunderschönen Fjord umgeben von hohen Bergen. Ein imposanter Felsen mit Namen Teufelsschloss wurde von der Morgensonne angeschienen und spiegelte sich wunderbar im Wasser. Nach dem Frühstück ging es gleich in die Boote um das gute Wetter zu nutzen. Eine Anlandung auf der Blomsterdalen versprach einiges.

Wir wanderten auf eine Höhe von ca. 100 m zu einem Süßwassersee von dem man eine unglaubliche Aussicht genießen konnte. Die Stille hier ist so unwirklich und diese Landschaft erscheint wie eine Kulisse die ich nicht dreidimensional sehe sondern wie ein Foto und wir laufen mittendurch. Es hat etwas Urzeitliches und es kommt mir ein bisschen so vor wie in Jurassic Park, jeden Moment könnte ein Dinosaurier um die Ecke stürmen. Aber es kommt nur ein Moschusochse, den die untere Gruppe vor uns erblickt hat und der dann in unsere Richtung lief. Da er per Funk angekündigt war konnten einige noch ein paar schöne Fotos machen. Er schaute kurz in unsere Richtung und stürmte den Hang hinauf.

Einige von uns blieben währenddessen in der Nähe des Strandes und vertrieben sich die Zeit mit einer kleinen Zodiac-Exkursion entlang der Küste. Dabei sahen sie einige Schneeammern und eine kleine Robbe.

Bevor es auf Schiff geht fahren wir mit den Zodiacs in Richtung eines nahen Eisbergs, der aus der Ferne recht unscheinbar aussieht aber von nahem sich als eine wahre Schönheit mit vielen unterschiedlichen Facetten präsentiert.

2 Landgang Nanortalik 14:30 – 16:30

Nach einer kurzen Mittagspause ging es gleich weiter. Wir erkundeten eine Siedlung des Thule-Volksstammes in Nanortalik. Einige von uns die nicht ganz so gut zu Fuß sind, blieben wieder in der nähe des Anlandungspunktes. Alle übrigen machten einen gemächlichen Spaziergang zu den Überresten der Siedlung wo ins Richard interessantes zu der Geschichte des Stammes erzählte. Auf den umliegenden Bergen grasten friedlich die scheinbar allgegenwärtigen Moschusochsen.

Weiter oben endeckten wir einen Schneehasen auf der herbstlich gefärbten Tundra. Da er sein weißes Fell auch im Sommer nicht verändert, ist er auch aus weiter Entfernung sehr gut zu sehen. Wir gingen langsam und leise in seine Richtung, um ihn so gut wie es geht, vor unsere Objektive zu bekommen. Er kauerte in einer Kuhle, beobachtete gespannt die Umgebung, blieb artig sitzen, bis wir uns langsam auf ca. 27 m an ihn heran gepirscht hatten. Dann klickten alle Objektive und es wurde ihm zu bunt, unter allgemeinem Gelächter sprintete er den Berg auf und davon. Auf dem Rückweg endeckten einige einen kleinen Strandregenpfeiffer.

Publiziert: Dienstag, den 02. September 2014

Ein Tag für seefeste Morgenmuffel

Tag 7: Montag, 01. September 2014

Bewölkt, stürmische See, Windstärken von 20 – 30 Knoten

Wecken 8:00 Uhr: Wir hatten eine schaukelige Überfahrt vom Kong Oscar Fjord in den Scoresby Sund, sodass das Frühstück weitestgehend ausfiel. Für die Morgenmuffel unter uns bedeutete dieses eine kleine Verschnaufpause: endlich einmal nicht ganz so früh aufstehen! Ab 10:30 Uhr servierte uns das Hotelpersonal dann einen üppigen Brunch und fast alle Passagiere konnten sich stärken.

Der Wind und somit die Wellen nahmen nach und nach dann wieder an Kraft zu, sodass wir uns wieder in unsere Kabinen oder in die Lounge begaben. Um 12.00 Uhr folte ein Vortrag von Henryk –  über die GESCHICHTE GRÖNLANDS und 13:30 Uhr auch gleich Vortrag Teil 2: die Geschichte geht weiter.

Einige der Passagiere vertrieben sich den Nachmittag mit der Sichtung und Sortierung ihrer Fotos, andere mit der Lektüre der gut gefüllten Bibliothek der Ocean Nova. Aus den Fenstern sieht man riesige Eisbergskulpturen im Meer schwimmen, die sich hier im Scoresby Sund auf der Steuer- und Backbordseite wie an einer Perlenkette aufgereihen. Und sie werden immer zahlreicher und größer, wahre Giganten die uns hier begegnen, wow!!! Ganz am Horizont sind einige Löcher in der Wolkendecke und zaubern eine wunderbare Lichtstimmung, unbeschreiblich schön.

Schicksal eines einsamen Eisbergs

Am Abend sind wir in der Skillebugt angekommen, ein einsamer weißer Gigant hatte sich bis hierhin verirrt und hatte sich fest gefahren. Während des Ankermanövers beobachteten wir, wie sich ein kleiner Teil löste. Und dann kam der Koloss doch tatsächlich ins schwanken und wir hielten den Atem an und dachten: „Jetzt dreht er sich!“ Er schwankte vor und schwankte etwas zurück und es sah aus als würde er gleich komplett umkippen – aber das war es leider schon. Durch den Abbruch hatte er nur leicht die Balance verloren und durch die geringe Wassertiefe in dieser Bucht saß er wieder fest.  Gefangen über Jahre bis er irgendwann nur noch ein ganz kleiner Eisberg sein wird und seine Reise endlich fortsetzen kann.

Nach dem Abendessen ging es dann doch noch in die Zodiacs und wir sahen einen wirklich magischen Platz. Eine gigantisch große Bucht die mit bis zu 2.200 m hohen Berggipfeln umgeben ist. Das Wasser reicht nicht mehr an die Gletscherkante heran, was eine Anlandung an Land doch sehr schwierig gestaltete. Einige von uns gingen über die bis ans Wasser reichenden Steinmoränen an Land bzw. kletterten über die Steine und eine kleine Gruppe, die sich diese Kletterei nicht zutraute, genoss eine Zodiac Cruise im Fjord.

Publiziert: Mittwoch, den 03. September 2014

Aufbruch in den NW-Fjord

Tag 8: Dienstag, 02. September 2014

7°, sonnig mit einigen Wolken, relativ Windstill

Dieser Tag fing sehr früh und sehr gigantisch an. Elke weckte uns schon um 6:15 Uhr, weil uns unglaublich riesige Eisberge  den Eingang zum Fjord versperrten. Dieses Schauspiel wollten sich viele von uns nicht entgehen lassen. Also raus aus den Federn und hinaus in die Morgensonne. Ich glaube fast alle hatten so eine Masse an Eisbergen noch nicht gesehen…

Nach dem Frühstück ging es dann gleich los in die Zodiacs und ans Festland. Am Ende des Fjordarmes starteten wir die Anlandung zu dem von Ferne recht unscheinbaren Strand. Doch dann erschloß sich uns langsam, wie wunderschön dieser Platz ist mit der herbstlichen Tundra zwischen massigen Granitsteinen, die über Jahrtausende von den Gletschern abgeschliffen wurden.

Beim Hinaufgehen wurde es immer spektakulärer und wir konnten uns wirklich nicht satt sehen an dieser unfassbar schönen Natur. Von der Anhöhe konnten wir in den nebenliegenden Fjordarm schauen und was wir da zu sehen bekamen, ist einfach nicht in Worte zu fassen. Kilometerlang und auch kilometerbreit war der Fjord mit Eisbergen jeglicher Größe gefüllt, die im Zeitlupentempo drifteten. Links von uns aus, lag der DAUGÅRD-JENSEN-GLETSCHER, einer der produktivsten in diesem Fjordsystem. Ich denke, das war bisher der Höhepunkt für fast alle von uns.

Publiziert: Donnerstag, den 04. September 2014

Bunt gefärbte Hügel soweit das Auge reicht

Tag 9: Mittwoch, 03. September 2015

7°, sonnig mit einigen Wolken, relativ Windstill _Wecken 7:00 Uhr

Harebugt: Der Wettergott meint es wirklich gut mit uns. Auch heute Morgen wurden wir vom strahlender Sonnenschein begrüßt. Der letzte Tag war einfach unbeschreiblich schön und ich kann mir einfach nicht vorstellen das man das ganze noch steigern kann.

Aber doch – man kann!!! Die Anlandung im Harefjord beweist es. Der sehr lange Sandstrand liegt malerisch in einer stillen Bucht umgeben von kilometerlangen sanften Hügeln, die bis an den Horizont mit farbenfroher spätsommerlicher Tundra Vegetation bewachsen sind.

Wir laufen und laufen und laufen und könnten wahrscheinlich den ganzen Tag so weiterlaufen. Diese Hügelkette zieht sich gefühlt bis ins Unendliche. Bewachsen sind die Hügel hauptsächlich mit Rauschbeere, Polarweide und Silberwurz. Aber auch einige anderen Pflänzchen finden ihren Platz zwischen den großen Polstern der Rauschbeere, die unserer Heidelbeere sehr ähnelt und essbar ist. Der Blick in den Fjord ist wieder anders spektakulär. Die MS Ocean Nova – umgeben von kleinen und riesengroßen Eisbergen – erscheint winzig von hier oben.

Ab und zu vernehmen wir ein Knall, der auf einen Gletscherabbruch hinweist. Einige von den ganz wagemutigen wagten sich im Anschluss einen Sprung in das 2° kalte Wasser und vollzogen ihre persönliche Polartaufe.

Für heute Abend ist noch eine Zodiactour zwischen den Eisbergen geplant und zum Abschluss des Tages ein BBQ an Deck.

Nachtrag am 05.09.14:

Um 16:00 Uhr sausten wir mit den Zodiacs in Richtung Eisbergfriedhof. Unzählige Giganten versammelten sich in der Nähe der Rødeør, der Roten Inseln. Dieser flache roter Felsen, der imposant vor der Küste lagert, ist aus der Vorzeit mit Einlagerungen von Lavagestein. Man kann wunderbar die Wege sehen die sich das Magma in dem Gestein gesucht hat. Wieder ein Ort mit Urzeitgeschicht.

Publiziert: Freitag, den 05. September 2014

Von Schnellläufern und Botanikerherzen

Tag 10: Donnerstag 04. September 2014

7° bedeckt, Windstill_Wecken 7:45 Uhr

Um 9:15 Uhr waren wir heute startklar zu der ersten Anlandung des Tages in der Charcotbugt. Das Wetter ist nach wie vor ruhig, nur die Sonne hat sich hinter einer Wolkendecke versteckt. Vor uns liegt eine schroffe Landschaft geprägt von Geröll- und Tundraflächen, die wunderbar miteinander verschmelzen. Wir steigen hoch und entdecken einzelne Schneefelder auf denen der Schnee zu groben Eisbröckchen zerfällt sobald man ihn betritt.

Auf diesem Hügel, der von einzelnen langgezogenen Bachläufen durchzogen ist, finden wir leuchtend roten Flächen der Ripe (Beerenart, die nicht essbar ist), der Rauschbeere deren Laub schon fast braun ist und der gelb leuchtenden Polarweide. Wir genießen einen wahren Farbenrausch inmitten der Kargheit. Wir sind ganz Auge und können kaum vorwärts, weil irgendjemand schon wieder eine Pflanze entdeckt hat, die es wert ist vor ihr auf die Knie zu sinken… Ich entdecke ein paar Büschel des auch bei uns seltenen Enzians, dessen Blüten sich noch nicht geöffnet haben. Die Schnellläufer unter uns entscheiden sich darum,  lieber mal vorzugehen. Es kann ja nicht jeder ein Botanikerherz haben.

Auf einem weiteren Hügel angekommen bietet sich uns ein unglaubliches Panorama: Aus den tiefliegenden, an den Bergspitzen klebenden Wolken schiebt sich ein riesiger Gletscher ins Tal, wo er sanft in die hügelige Landschaft ausläuft. Überall ist Wasser: Kleine Seen, Flussarme und winzige Rinnsale plätschern Richtung Strand. Weißwangengänse fliegen kreischend auf. Hier verweilen wir einige Minuten, bis der Himmel über dem Gletscher aufbricht und den Blick auf schneebedeckte Bergspitzen und vielleicht sogar ein Stück des Inlandeises freigibt.

Die MS Ocean Nova nimmt Kurs auf Heden, dort ist am Nachmittag die letzte Wanderung geplant. Morgen geht es zu der Siedlung.