Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reiseberichte

Publiziert: Donnerstag, den 29. September 2016

Landgang im Sunshine Fjord

Tag 10 – 06. September 2016: Blaubeerwanderung & Polartaufe am Strand

Wie jeden Morgen weckt uns die Stimme von Boris, heute um halb 8. Ungefähr eine Stunde später, während wir noch beim Frühstück sitzen, erfahren wir dann die heutigen Pläne. Es ist ein Landgang im Sunshine Fjord geplant. Ein bemerkenswerter Landgang dieser Reise, denn er liegt genau auf dem Polarkreis. Ein letztes Mal werden wir also „offiziell“ in der Arktis an Land gehen – alle weiteren Ziele liegen südlich des Polarkreises.

Wobei das mit der Definition von Arktis oder nicht Arktis ja nicht so eindeutig ist. Diese Linie auf 66°33‘ N scheint mir sehr vereinfacht. Eine andere Definition zählt all jene Bereiche zur Arktis, in denen die monatlichen Durchschnittstemperaturen auch im Sommer niemals über 10 ° C steigen. Diese Variante scheint mir logischer …

Aber zurück zum Frühstück: Auf dem Polarkreis werden wir nicht nur an Land gehen. Nein, wer immer möchte, bekommt heute auch die Gelegenheit zur Polartaufe, also zu einem Bad in dem ca. 1 – 2 ° kalten Wasser des Sunshine Fjords. Und es sind einige, die sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen. Auch ich will dabei sein. Zum Kajaken sind die Bedingungen leider zu schlecht, also ist heute als Aktivität mal wieder der „sweaty Hike“ dran.

Mit Badebekleidung unter dem ganzen „Expeditionsgeraffel“ bin ich, wie alle anderen auch, heute schon 15 Minuten bevor die ersten Zodiacs bestiegen werden bereit. Bereit für einen wichtigen Fototermin. Direkt auf dem Polarkreis finden wir uns alle auf dem Vorderdeck der Ioffe ein und Mark, der Bordfotograf macht ein paar Aufnahmen von uns allen zusammen. Das wird sicher ein tolles Erinnerungsfoto!

An Land geht es ein kleines Stück flach den Strand entlang, bevor wir uns in Serpentinen den Berg hinaufarbeiten. Ja, „sweaty“ trifft zu. Oben erwartet uns dann ein Plateau, das wir auch noch überqueren, bis wir den Blick landeinwärts hinab auf ein Flusstal werfen können. Die gesamte Strecke führt uns durch die farbenprächtige Vegetation des Herbstes. Knallrot sind inzwischen z. B. die Blätter der Blaubeeren, von denen wir uns zwischendurch auch immer mal ein paar Beeren pflücken – es scheint ja schließlich niemand hier zu sein, dem wir sie wegessen würden.

Zurück am Strand stelle ich fest, dass einige der Badewilligen die Anspannung wohl nicht mehr aushalten konnten. Sie waren schon fertig mit ihrem Bad in den eisigen Fluten. Aber Linda, mit der ich zu unserer Polartaufe verabredet bin, hat auf mich gewartet. Während wir uns noch ausziehen, sind ein paar ganz schnelle schon soweit und rennen an uns vorbei über den Strand hinein ins Wasser. Rennen und rennen und rennen bis das Wasser schließlich tief genug ist, um sich kurz hinein zu schmeißen und dann wieder hinaus zu rennen.

Und dann sind auch wir bereit. Das spannende bei einer Polartaufe vom Strand aus ist ja, dass man es sich theoretisch jeder Zeit noch anders überlegen könnte. Wenn man bis zu den Knöcheln im Wasser steht, bis zu den Knien, bis zu den Oberschenkeln … Darum sind die anderen vermutlich gerannt, um sich selbst diese Wahlmöglichkeit zu nehmen. Nun kann Linda seit einem Autounfall aber nicht mehr rennen. Also gehen wir todesmutig recht gemächlich hinein. Das gute daran: Innerhalb weniger Augenblicke sind die Füße so kalt, dass wir die Steine über die wir laufen nicht mehr spüren. 😉

Bye Bye Sunshine Fjord – Auf zu Charity & Co.

Zurück an Bord genehmigen wir uns heute von der heißen Schokolade, die draußen vor dem Matschraum zum Aufwärmen serviert wird noch eine zweite Portion, bevor wir uns unter die heiße Dusche stellen. Und dann ist auch schon wieder Zeit für‘s Mittagessen.

Wir verlassen den Sunshine Fjord und fahren am Nachmittag bei schönstem Sonnenschein gen Süden. Die See ist ruhig, auf der Brücke sind viele Augenpaare damit beschäftigt, mittels Fernglas die Wasseroberfläche abzusuchen. Leider ohne Erfolg – es wären perfekte Bedingungen zur Walbeobachtung gewesen. Aber leider wohl nicht für die Beutetiere der Wale, so dass sich die riesigen Meeressäuger nicht blicken liessen.

Vor dem Abendessen ist heute eine Wohltätigkeitsauktion geplant. Ein Glas Sekt zur Begrüßung und leckere Häppchen auf den Tischen sorgen für das entsprechende Ambiente. In entspannter Atmosphäre kommen Postkarten, Geschichtsbücher, Bildbände, eine Seekarte der kanadischen Arktis, in der am Ende der Reise vom Kapitän persönlich unsere ganz spezielle Route der Nordwestpassage eingetragen wird und weiteres unter den Hammer.

Mit den Herausforderungen der frühen Polarfotografie, lebhaft und begeisternd vorgetragen von Katie, endet das Programm des heutigen Tages.

Stephani Drücker

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