Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reiseberichte

Publiziert: Donnerstag, den 15. September 2016

Zu Gast in Pond Inlet

Tag 07 – 03. September 2016: Uniformiert oder nass?

Mit Neuschnee überzogene Bergspitzen haben wir in den vergangenen Tagen schon häufiger mal gesehen. Nun ist aber über Nacht hinunter bis zum Meeresspiegel alles von einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Auch die Decks der Ioffe werden von Crew-Mitgliedern vom Schnee befreit.

Am frühen Morgen haben wir in Sichtweite zu Pond Inlet geankert. Die Frühaufsteher unter uns werden Zeuge eines frechen Vordrängel-Manövers: In rasanter Fahrt prescht „Le Boreal“ an uns vorbei und ankert zwischen uns und dem Festland. Eigentlich waren sie für heute Nachmittag angekündigt…. Unser Expeditionsleiter nimmt Kontakt auf und es scheint so als wäre von deren Seite aus nur ein ganz kurzer Stopp geplant, so dass die ihre Gäste schon an Land bringen, während wir noch den Rest unseres Frühstücks geniessen und uns langsam für den Ausflug fertig machen.

Während wir dann in unseren roten, wasserdichten Expeditionsjacken an der Gangway warten, um an Land zu gelangen, beobachten wir, wie die Horden von anderen Besuchern – auch in rot-schwarzem Outfit, so wie wir – in kleinen Gruppen durch den Ort geführt werden. Irgendwie bin ich wirklich kein Freund von Uniformierung – aber da uns eine recht unruhige Zodiacfahrt bevor steht, möchte ich auch nur ungern auf die bereitgestellte Expeditionsbekleidung verzichten. Das Wort „Tourist“ steht so oder so, für jeden Einheimischen sofort erkennbar, auf meiner Stirn geschrieben. Und nachdem mich dann am Strand, noch hinten im Zodiac, eine mächtige Welle erwischt, begebe ich mich trocken und gut gelaunt in einheitlichem Rot-Schwarz auf erste Erkundungstour bis hinauf zum Besucherzentrum / Museum.

Kulturprogramm im Inuit Museum

Neben Ausstellungsstücken, die die traditionelle Lebensweise der Inuit widerspiegeln, erwartet uns hier eine kulturelle Vorstellung mit ungeahnter Erlebnisvielfalt. Einer der Dorf-Älteren kümmert sich engagiert darum, die alten Traditionen an die Jugend weiter zu geben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Wir sehen einige der Sportarten, mit denen männliche Inuit untereinander ihre Kräfte messen. Wir sehen, wie der Qullik, seines Zeichens Herd, Heizung und Lichtquelle in traditionellen Behausungen, ohne den die Inuit nicht hätten überleben können, entzündet wird. Geniessen die Aufführung eines Trommeltanzes und hören ein paar Vorträge des Kehlgesangs. Letzterer stellt traditionell einen Wettkampf der Frauen dar. Wer seine Kontrahentin als erste zum Lachen bringt oder aufgrund von Atemnot zum Aufgeben zwingt, hat gewonnen.

Im Anschluss begeben wir uns dann noch auf eine kleine geführte Tour durch den Ort. Der Schnee kam dieses Jahr sehr früh, sagt unsere Führerin. Sie wollte diese Woche eigentlich noch einmal in die Tundra losziehen, um Beeren für Marmelade zu sammeln. Daraus wird nun wohl nichts mehr.

Als um 13:00 Uhr der Supermarkt des Ortes die Tore öffnet erwacht der kleine Ort plötzlich zum Leben. Waren zuvor die Straßen beinahe leer, herrscht nun plötzlich reger Betrieb. Auch uns zieht es dort hinauf – vielleicht findet sich da schon das ein oder andere Souvenir und außerdem sind wir schon neugierig, was sich in den Regalen finden lässt. Das Angebot ist umfangreich, aber da ich mit kanadischen Preisen nicht vertraut bin, fehlt mir das Gefühl, um die ausgeschriebenen Preise ins Verhältnis setzen zu können.

Zurück an Bord wartet der Lunch auf uns und am Nachmittag erleben wir erst Ken mit einem Vortrag über seine Fahrt als Kapitän an Bord der St. Roch und später dann noch Mark mit einer Einführung in die Bildbearbeitung im Vortragsraum.

Stephani Drücker

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