Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reiseberichte

Publiziert: Donnerstag, den 08. September 2016

Beechey Island: Den Entdeckern auf der Spur

Tag 04 – 31. August 2016: Spannende Vorträge bei schlechtem Wetter

Leider hat über Nacht der Wind extrem aufgefrischt. Es ist grau und ungemütlich und bei meinem ersten Abstecher auf die Außendecks wirbeln tatsächlich ein paar Schneeflocken durch die Luft. Beim Frühstück erhalten wir von Boris daher auch die Nachricht, dass der für heute morgen geplante Ausflug leider ausfallen muss. Bei einer Windstärke von bis zu 8 auf der Beaufort Skala besteht keine Chance, mit den Zodiacs am ungeschützten Strand von Port Leopold an Land zu kommen.

Also machen wir uns direkt auf den Weg zum eigentlich für 20:00 Uhr geplanten Landgang auf Beechey Island. Den Plan also schnell umgestellt und die Vorträge vom Nachmittag auf den Vormittag vor gezogen. Den Anfang macht Mark, unser Fotograf an Bord, der uns im Multimedia-Raum jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht. Sein Vortrag widmet sich entsprechend der Fotografie in polaren Regionen. Wichtigster Tipp, den ich aus dem Vortrag mitnehme: „Sichere Deine Fotos regelmäßig!“ Wie recht er hat, wenn ich mir vorstelle, dass all meine Aufnahmen von unserem gestrigen Poser verloren gingen…

Nach einer kurzen Unterbrechung übernimmt Ken. Wir schreiten in der Geschichte ein klein wenig voran und er widmet sich nun den Bemühungen der Kanadischen Regierung, die „frisch“ entdeckten Gebiete zu besiedeln und staatliche Souveränität zu etablieren. Speziell entlang der Küste von Baffin Island und noch weiter gen Norden auf Ellesmere Island entstehen nach und nach kleine Außenposten.

Nach dem Mittag aber wieder zurück zum Thema Nordwestpassage Expedition bzw. der so unglaublich langwierigen Suche danach – und nach den verloren gegangenen Suchenden. Katies Vortrag bringt uns zurück zu Franklin, Ross und wie sie alle hießen. Interessant ist der neue Fokus, den sie der Geschichte gibt: Anschaulich beschreibt sie, wie jede neue Expedition einen Teil dazu beiträgt, die enormen weißen Flecken auf den Landkarten der damaligen Zeit zu füllen. Ein animiertes Video über den chronologischen Ablauf der einzelnen Entdeckungen entlang der nordamerikanischen Küstenlinie hilft ihr dabei.

Der Weg der mutigen Männer

Eine kleine Bemerkung am Rande: Eine Such-Expedition von Captain Ross fuhr hinein in das Prince Regent Inlet, entlang der Ostküste von Sommerset Island. Dort überwinterten die Männer zum ersten Mal. Als das Eis sie wieder frei gab entschieden sie, zurück gen Norden zu segeln. Sie schafften eine Strecke von 3 Seemeilen, bevor das Eis sie wieder umschloss. An klaren Tagen konnten sie also vermutlich von ihrem zweiten Winterlager einen Blick auf ihr erstes Winterlager werfen. Der Frühling kam, das Eis ging und sie setzten Ihren Weg gen Norden fort. Und schafften ganze 4 Seemeilen, bevor das Eis sie zu ihrer dritten Überwinterung zwang! Auf unserer Expedition durch eben diese Gewässer haben wir bis heute noch nicht den kleinsten Brocken Eis gesehen…

Am Nachmittag dann ein Landgang auf Beechey Island. Hier verbrachte Franklin den ersten Winter seiner Expedition. Bis hierher verlief vermutlich alles noch mehr oder weniger nach Plan. Und doch – schon im ersten Winter verlor Franklin drei seiner Männer. Ihre Gräber gehörten zu den ersten Spuren, die von den nachfolgenden Abenteurern gefunden worden. An dieser Stelle, mit den beiden Schiffen Erebus und Terror vor unserem inneren Auge in der Bucht vor uns bringt Kathie einen Tost aus: Wir stoßen an auf die Wegbereiter. Diejenigen, die etwas riskieren, um uns voran zu bringen!

Stephani Drücker

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