Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reiseberichte

Schwimmender Eisbär
© Poseidon Expeditions
Publiziert: Montag, den 05. September 2016

Conningham Bay: Wellness-Tempel für Belugawale & Eisbären

Tag 03 – 30. August 2016: Zodiac-Tour und Eisbären satt

Über Nacht ging die Fahrt weiter Richtung Norden. Beim Frühstück um 07:30 Uhr informiert uns unser Expeditionsleiter Boris, dass der Tag wie gestern geplant und angekündigt beginnt. Für 09:00 Uhr steht unsere erste Zodiac-Cruise auf dem Programm. Eine Zodiac-Cruise, bei der wir hoffentlich viele Tiere zu sehen bekommen.

Unser Ziel, die Conningham Bay, ist ein beliebtes Ziel von Beluga Walen. Man könnte sagen ein “Wellness-Tempel”. Flaches Wasser und steiniger Untergrund ergeben zusammen einen perfekten Ort für die Körperpflege. In größeren und kleineren Gruppen kommen die Tiere hier her und kratzen sich im flachen Wasser Parasiten von der Haut.

Die Tatsache, dass hier regelmäßig Belugas im flachen Wasser anzutreffen sind, sorgt wiederum dafür, dass regelmäßig Inuit zum Jagen hier her kommen. Sie nehmen jedoch nicht die ganzen Tiere mit zurück in ihre Siedlungen, sondern vor allen Dingen den Blubber. Die nicht zu verwendenden Teile der Tiere lassen sie an Ort und Stelle zurück. Was sich wiederum findige Eisbären zu Nutzen machen. Laut Aussage unserer Guides gibt es in der gesamten Kanadischen Arktis kaum einen Ort, an dem man so viele, so gut genährte Eisbären sehen kann wie in Conningham Bay auf Prince of Wales Island.

Belugawale & Eisbären – oder nicht?

Entsprechend aufgeregt machen wir uns nach dem Frühstück für den Ausflug fertig. Werden wir Belugas sehen? Sind Eisbären in der Bucht? Nicht mehr lange und wir werden es herausfinden. 25 Minuten später – die Bucht ist so flach, dass die Ioffe in recht großem Abstand ankern muss – sind wir endlich da. Und es kommt tatsächlich über Funk die Info an alle Guides, dass auf ein Uhr eine Gruppe Belugas im flachen Wasser zu beobachten ist.

Nur wenig später dann wiederum die Durchsage: „Eisbär im Wasser voraus“. Wow! Und tatsächlich bleibt es dabei nicht. Noch während wir den Schwimmer beobachten, der wiederum seinerseits immer wieder einen neugierigen Blick auf uns wirft, sehen wir weiter hinten in der Bucht weitere Eisbären am Strand entlang laufen. Also geht es bald weiter und wir sehen ein tatsächlich sehr wohl genährtes, junges Tier den Strand entlang wandern. Weiter entfernt, an den Hängen, noch mehr Eisbären, ich persönlich entdecke fünf.

Auf dem Weg zurück Richtung Schiff stellen wir dann erfreut fest, dass „unser Schwimmer“ inzwischen aus dem Wasser gestiegen ist, sich aber weiterhin ganz dicht am Strand aufhält. Und er erweist sich als echter Poser! Wandert von rechts nach links und wieder zurück. Knabbert an ein paar Walresten, kommt ein paar Schritte auf uns zu, geht wieder zurück und blickt uns über die Schulter an …

Mit dem Kopf und den Speicherkarten voller Bilder sowie einem breiten Lächeln im Gesicht kehren wir zurück an Bord.

Nachmittags dann wieder zurück zur Geschichte der Nordwestpassage. Wir durchqueren die Bellot-Straße, ein kleines aber sehr bedeutendes Teilstück dieses Seewegs, das lange unentdeckt blieb. Während wunderschöne, geologische Formationen rechts und links an uns vorbei ziehen, passieren wir so ganz nebenbei auch den nördlichsten Punkt des Amerikanischen Kontinents. Ein Eisbär und eine kleine Herde Moschusochsen verschwinden leider so schnell wieder aus unserem Blick, dass nur wenige einen Blick erhaschen können. Kaum kam die Durchsage über das bordeigene Lautsprechersystem, waren wir auch schon wieder daran vorbei.

Für das allabendliche „Geplauder am Kamin“ hat Katie, unsere schottische Historikerin an Bord, heute ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt, das uns alle brennend interessiert: Wie überstehe ich eine Expedition in die Arktis, ohne am Ende verrückt zu werden … Oder in Katies Worten: „How to stay sane in the Arctic!“ 😉

Stephani Drücker

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