Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reiseberichte

Publiziert: Montag, den 05. September 2016

Victoria Island & Vorträge

Tag 02 – Montag, 29 August 2016: Infotainment im Nebel

Über Nacht ging es Richtung Osten, entlang der Südküste von Victoria Island. Um 07:30 Uhr dringt die Stimme unseres Expeditionsleiters Boris aus dem Lautsprecher und weckt die letzten von uns, die es noch nicht hinaus gezogen hat. Ein leichter Nebel liegt über dem Meer, durch den jedoch immer wieder der ein oder andere Sonnenstrahl durch dringt. Was für ein schöner erster Morgen an Bord.

Um 09:30 Uhr dann unser erstes Treffen im Vortragsraum. Eine Pflichtveranstaltung für alle Teilnehmer: erst ein umfassendes Zodiac-Briefing und im Anschluss das AECO-Briefing zum Verhalten in arktischen Lebensräumen. Wir befinden uns in einem extrem empfindlichen Ökosystem, in dem wir nur Besucher sind. Und unser Aufenthalt soll keine Spuren hinterlassen. Grad im Gegenteil – im besten Fall kommen wir alle mit einer Vielzahl unvergleichlicher Erlebnisse und einem geschärften Bewusstsein für unsere Verantwortung zurück nach Hause.

Als besonderen Gast haben wir Duncan an Bord. Er ist der Kurator des Vancouver Maritime Museums und der zweite Lektor des heutigen Tages. Und wie sollte es auf einer Expedition durch die Nordwestpassage anders sein – natürlich geht es um die Franklin Expedition auf der Suche nach diesem legendären Seeweg beziehungsweise um alle Expeditionen, die ihm folgten. Erst mit dem Ziel, die verschollenen Expeditionsmitglieder zu retten und später mit dem Ziel, heraus zu finden, was passiert ist.

Noch vor dem Mittagessen steht ein weiterer kurzer Punkt auf der Tagesordnung. Hier an Bord der Ioffe steht jedem Gast ein Leih-Fernglas zur Verfügung. Und – logischerweise – noch vor der ersten Aktivität sind 10 Minuten mit Tony eingeplant, der uns zeigen wird, wie wir diese optimal auf unsere Augen einstellen. Na gut, ich hab ja eh nichts anderes vor also gehe ich doch mal hin. Auch wenn ich eigentlich dachte – meine Güte, man schnappt sich das Fernglas, hält es sich vor‘s Gesicht, dreht ein bisschen am Rädchen in der Mitte und schon sieht man mehr als vorher… Nein tatsächlich, besagte 10 Minuten und zwei bis drei Tricks später sind wir alle perfekt gerüstet und ab jetzt als Adleraugen unterwegs auf der Suche nach Tierleben.

Nach dem Mittag ist für 15:00 Uhr unser erster Landgang angesetzt. Da wir uns jedoch in unkartierten Gewässern bewegen (die Ioffe folgt lediglich ihren eigenen schon gefahrenen Routen) und der Nebel zugenommen hat, schaffen wir nicht die Strecke die ursprünglich geplant war und unser Ausflug verschiebt sich um eine halbe Stunde. Leider hält sich der Nebel hartnäckig, so dass, bevor wir an Land gehen können die Guides eine überdurchschnittlich ausführliche Erkundungstour an unserem Ausflugsziel unternehmen müssen. Was eine weitere halbe Stunde Verzögerung bedeutet.

Deren Ergebnis ist suboptimal – auch an Land der gleiche dichte Nebel. Eine Aufteilung in drei Gruppen ist somit nicht mehr möglich. Es ist einfach nicht ratsam, bei geringer Sichtweite im Eisbär-Land eine ausgedehnte Wanderung zu unternehmen … Aber vor uns liegt Victory Point auf King William Island. Hier MÜSSEN wir einfach an Land gehen. Schließlich wurde hier nach diversen erfolglosen Versuchen herauszufinden, wie es der Franklin Expedition ergangen ist, einer der wichtigsten Hinweise entdeckt.

Auf geht‘s in die warmen Klamotten und die Gangway hinunter in die Zodiacs. Ja, endlich! Wir befinden uns auf dem Weg zu den Fußstapfen der großen Entdecker und Abenteurer! Recht unbequem felsigen Spuren, wie wir merken werden.

Stephani Drücker

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