Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reisebericht Abenteuer Spitzbergen 11.07. - 22.07.2016

Abenteuer Spitzbergen: Kalbender Gletscher
Publiziert: Freitag, den 22. Juli 2016

Kongsvegen – Kalbender Gletscher im Kongsfjord

Tag 9 – 20. Juli 2016 – In der Umgebung von Ny Ålesund

Um 07.45 Uhr weckt uns die Expeditionsleiterin. Auf ihrem Plan steht für 09.30 Uhr eine Zodiac-Ausfahrt zum Kongsvegen-Gletscher. Elke empfiehlt besonders warme Kleidung, da es in der Nähe des Gletschers sehr kalt ist und die Tour ungefähr 2 ½ Stunden dauern soll. Wir sind gespannt auf die im Wasser treibenden Eisbrocken und ob der Gletscher im Kongsfjord tatsächlich ein kalbender Gletscher ist, d. h. einer, von dem grosse Bruchstücke oder ganze Eiswände herunter brechen.

Zunächst widmen wir uns bei der Zodiaccruise zwei Vogelfelsen. Gleich der 1. bietet uns eine ca. 4.000 Tiere umfassende Dreizehenmöwen-Kolonie. Zwischendrin sitzen auch einige Dickschnabellummen im Fels, die sich mit den Dreizehenmöwen gut vertragen. Weniger friedlich läuft es da mit den Eismöwen, die deutlich grösser sind und als „Raubvögel der Arktis“ Jagd auf die Jungen der anderen Vögel machen. Während der Cruise geht Elke bei zügiger Fahrt plötzlich in die Eisen, grinst schelmisch und sagt: „Ich bremse auch für Enten!“ Da hat sie mal wieder die Lacher auf ihrer Seite. 🙂 Auf dem 2. Vogelfelsen sehen wir neben ausgewachsenen Möwen und Lummen auch Nester mit noch flugunfähigen Jungmöwen.

Ein kalbender Gletscher ruft

Jetzt wenden wir uns den Eisbergen, dem Treibeis und dem Gletscher zu. Dass der Kongsvegen recht aktiv und ein regelmässig kalbender Gletscher ist, hören wir schon aus der Ferne. Dunkler Donner und lautes Getöse kennzeichnen die Abbrüche, die spätestens alle 10 Minuten zu beobachten sind. Der Sicherheitsabstand zu der Gletscherfront beträgt offiziell 200 Meter, wir bleiben aber weiter zurück. Wie uns die Guides erklären, ist ein kalbender Gletscher nicht ungefährlich, denn das wegbrechende Eis knallt mit voller Wucht auf vorhandenes, hartes Eis und dabei entstehen regelrechte Eisgeschosse. Ausserdem erzeugt ein kalbender Gletscher eine Art Flutwelle, die umso höher und umso unangenehmer für die Zodiacs sein kann, desto grösser das Abbruchstück und desto geringer der Sicherheitsabstand ist. Trotz des Haltens an die Vorschriften, bekommen unsere Kameras Dauermunition für wunderbare Naturaufnahmen. Ob es die lange Gletscherfront ist, das Treibeis in dem wir manöverieren oder bizarr geformte Eisbrocken, alles ist einmalig und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Besonders die blau gefärbten Eisberge haben es uns angetan. Als abschliessendes Highlight sichten wir 2 Robben, die uns recht nah heran lassen, ohne von der Scholle zu fliehen. Nach wie im Flug vergangenen 3 Stunden endet die Zodiaccruise um 12.30 Uhr.

Kurzvortrag, Einweisung & Landgang Ny-Alesund

Dem Lunchbuffet folgt um 14.00 Uhr ein Infotreffen in der Observation Lounge. Erst erfreut uns Caroline mit einem Kurzvortrag über Dickschnabellummen. Damit wird das am Alkjefellet erlebte fachlich unterlegt. Danach bereit uns Elke auf die Regeln vor, die in der Ortschaft Ny-Ålesund gelten. Die MS Sea Endurance macht gegen 15.00 Uhr im Hafen fest und lässt uns trockenen Fusses von Bord. Ny-Ålesund war bis 1964 ein Standort für den Kohlebergbau und ist heute ein wichtiger Platz für Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Im Sommer leben hier bis zu 180 Personen, im Winter sind es nur ca. 50. Uns bieten die Guides einen Stadtrundgang, einen historischen Rundgang, die Möglichkeit eines Museumsbesuchs (sehr zu empfehlen!) sowie das Absenden von Postkarten von dem nördlichsten Postamt der Welt. Um 17.30 Uhr entern wir wieder unser Schiff und harren der Dinge, die da kommen.

Polartaufe & Barbeque

Das nächste Event an Bord ist um 19.00 Uhr der sogenannte Polar Plunge, zu deutsch die Polartaufe. Unser Schiff ankert dekorativ in Front eines Gletschers. An Deck 2 wird die Gangway vorbereitet, damit sich alle, die Lust dazu haben, in die 2 Grad kalten Fluten stürzen können. Natürlich steht der ganz überwiegende Teil von uns auf Deck 4 und feiert jubelnd die Todesmutigen. Am Ende sind es 9 freiwillige Springer, nämlich 3 Guides (Caroline, Chris & Elke), 3 Gäste (davon 2 weibliche) und 3 Mitglieder der Crew (darunter der Kapitän des Schiffs).

Auf dem Aussendeck hat das Team des Restaurants um 19.30 Uhr ein Barbeque-Buffet mit musikalischer Untermalung aufgebaut. Jetzt freuen wir uns auf einen gemütlichen Abend mit gutem Essen und guten Gesprächen. Etwas später geht es dann in der wärmeren Lounge weiter. Zu fortgeschrittener Stunde finden wir den Weg ins Bett und fallen in einen erholsamen Schlaf, bevor morgen leider leider leider der letzte Tag unserer erlebnisreichen Reise anbrechen wird.

Text: Michael Schwerdtfeger

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