Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reisebericht Abenteuer Spitzbergen 11.07. - 22.07.2016

Abenteuer Spitzbergen: Sea Endurance vor der Karl-XII-Insel
Publiziert: Donnerstag, den 21. Juli 2016

Karl-XII-Insel: Aug in Aug mit dem König

Tag 7 – 18. Juli 2016: Nördlich von Nordaustland

Es ist 05.00 Uhr morgens. Noch etwas benommen hören wir die 1. Durchsage des Tages: Wir haben die nordöstlich von Nordaustland gelegene Karl-XII-Insel erreicht. Draussen ist die See unruhig, die Zodiacs werden aber trotzdem klar gemacht. Aus den Fenstern der Kabinen sehen wir ein kleines Eiland mit einem hohen Felsen in der Mitte, auf dem ungezählte Seevögel leben. Ein Erkundungszodiac wurde vorausgeschickt, was die Insel und einen kleineren, angrenzenden Ausläufer der Insel umrunden und inspizieren soll. Erst wenige von uns haben sich um diese Uhrzeit auf Deck 2 der Sea Endurance, dem Zugangsdeck für die Zodiac-Ausfahrten eingefunden. Fast wie bestellt, meldet der Kapitän plötzlich eine Eisbärsichtung am Ufer der Karl-XII-Insel und die Nachfrage steigt sprunghaft.

Da ist er also, der König der Arktis! Wach auf einem Schneefeld sitzend, sich aufrichtend, schauend, schnuppernd, neugierig. Wir sind mit unseren Schlauchbooten nur noch etwa 20 – 30 Meter entfernt, so dass die kühnsten Träume hinsichtlich Eisbär-Nahaufnahmen erfüllt werden. Der Eisbär nähert sich über Felsen dem Wasser, weil ein stabiles, grünes Fischernetz seine Aufmerksamkeit erregt hat. Könnte das etwas zu fressen sein? Er zerrt und kaut an dem Netz, was uns ganz und gar nicht gefällt, denn diese verlorenen Netze sind für alle Tiere schädlich und für manche sogar tödlich. Zum Glück verliert er bald das Interesse an dem Netz und macht es sich auf einem Schneefeld etwa 50 Meter weiter links gemütlich.

Abgesichert durch Elke holt Polar-Kreuzfahrten Guide Chris mit seinem Zodiac das Fischernetz von den Klippen, obwohl er keinen direkten Blickkontakt zu dem Bären mehr hat. Unterstützt wird er dabei von der mutigen Expeditionsteilnehmerin Theresa. Dieser Vorgang dauert eine gefühlte Ewigkeit, denn das Netz hat sich an den Felsen der Karl XII-Insel verfangen.

Nach diesem echten Abenteuer, Auge in Auge mit dem Arktiskönig, sind wir bereit für eine heisse Dusche und ein kräftiges Frühstück. Unseren Eisbären sehen wir ohne Fernglas noch lange am Strand der unscheinbaren Karl-XII-Insel, die für unsere Wünsche genau die richtige Wahl der Expeditionsleiterin gewesen ist. Bravo!

Im Beverlysund am Nordkapp von Nordaustland

Im Anschluss an das Frühstück lässt uns das Expeditionsteam ein bisschen Schlaf nachholen. Gegen 11.15 Uhr unterhält uns Chris mit einem Vortrag über sein Studium als „Arctic Nature Guide“. Danach folgt schon wieder yummie-yummie! Aufgrund der stürmischen Wetterverhältnisse hat Elke zwischenzeitlich eine Ausfahrt an der Nelsoninsel verworfen, so dass wir jetzt Kurs auf den Beverlysund in Nordaustland genommen haben.

Etwa um 13.30 Uhr erreichen wir den Beverlysund. Er ist Neuland, sowohl für das Expeditionsteam als auch für den Kapitän. An einer flachen Stelle erreichen wir das Ufer, das uns mit Mondgestein begrüsst. Der Kapitän ist mit an Land gegangen. Rings herum sehen wir beiderseits des Fjords hohe Gletscherhänge mit Schneefeldern. Ein Eisbär wird nicht gesichtet, so dass wir uns wieder einmal in Wandergruppen aufteilen können; eine schnelle, eine mittlere und eine langsame. Zunächst besichtigen wir historische Geoglyphen: Jahreszahlen und Schriften, die in ferner Vergangenheit aus Gesteinsbrocken auf den felsigen Untergrund gelegt worden sind. Die Bandbreite reicht vom Jahr 1890 bis zum Jahr 1939.

Danach befassen wir uns mit der Geologie des Gesteins und der Vegetation. Aussichtspunkte geniessen wir für herrliche Landschaftsaufnahmen. Zeitweise kommt sogar die Sonne heraus, so dass sich auf dem Wasser wunderbare Effekte ergeben. Beim Warten auf die am weitesten entfernte Wandergruppe entzünden die Guides ein wärmendes Feuer, was unsere Stimmung zusätzlich anheizt. Danach sagen wir Lebewohl zum Beverlysund, nicht ohne sicher zu sein, dass die Guides ihn in Zukunft öfter besuchen werden.

Expeditionsbesprechung & Kino Teil 2

Um 18.00 Uhr treffen wir uns in der Lounge. Elke lässt den langen Tag mit Hilfe einer Karte Revue passieren und erläutert uns die Optionen für die kommenden Stunden. Abhängig von Wind- und Wetterverhältnissen werden wir in den frühen Morgenstunden den riesigen Vogelfelsen Alkefjellet erreichen. Elke wird uns dann wecken. Unsere sonstigen Fragen beantwortet sie wie üblich ausführlich und mit hoher Expertise, so dass wir pünktlich um 18.30 Uhr am gedeckten Tisch zum Dinner beisammen sitzen. Ab 20.00 Uhr schauen wir uns die 2. Hälfte des Umberto Nobile-Films „Das rote Zelt“ an. Auf die nächtliche „Störung“ freuen wir uns schon riesig!

Text: Michael Schwerdtfeger

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