Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reisebericht Abenteuer Spitzbergen 11.07. - 22.07.2016

Im Packeis bekommt das Abenteuer Spitzbergen einen neuen Reiz
Publiziert: Mittwoch, den 20. Juli 2016

Auf Eisbärensuche im Packeis

Tag 6 – 17. Juli 2016: Irgendwo auf ca. 81° Nord

Heute Nacht haben uns 2 Eisbärsichtungen im Packeis in Atem gehalten. Kurz nach Mitternacht konnte sich unser Schiff einem Eisbären langsam bis auf 80 Meter annähern. Der Eisbär verschwand dann gemächlich. Um 03.30 Uhr war ein 2. Bär unmittelbar am Schiff, lief aber leider nach kurzer Zeit mit ordentlichen Tempo davon.

Wie üblich weckt uns die omnipräsente Elke um 07.30 Uhr mit den Breaking News des Morgens. Wir befinden uns im Packeis auf 81,4 Grad Nord-Nordost, direkt im Habitat & Wohlfühlgebiet der Eisbären. Es ist knackige 2 Grad kalt und das Wetter hat glücklicherweise aufgeklart. Nach dem Frühstück nähern wir uns 2 weiteren Eisbären, die in weiter Ferne gesichtet worden sind. Was für ein geschultes Auge nötig ist, um diese noch weit entfernten Eisbären im Packeis auszumachen – bemerkenswert! Einen Hinweis gibt den Guides und den Spähern Melvin & David von der Brücke die Elfenbeinmöwe, die häufig in der Nähe von Eisbären ihre Runden zieht. Trotz sehr langsamer Fahrt rumpelt und rumst es manchmal, wenn die Sea Endurance dicke Eisschollen aus dem Weg räumt. Unserer Schiff ist vorne eisverstärkt und äußerst robust.

Wir haben es uns in der Observation Lounge gemütlich gemacht oder stehen dick eingepackt draussen auf dem Beobachtungsdeck, um die Annäherung an die Eisbären zu verfolgen. Eine Versammlung von 10 Elfenbeinmöwen, die in dieser Konzentration selten vorkommt, fordert zwischenzeitlich unsere Aufmerksamkeit. Der aufreissende, blaue Himmel versetzt uns in echte Urlaubsstimmung, während das Vorbeitreiben der kompakten Eisflächen tiefe Eindrücke hinterlässt. Immer wieder entdecken wir in weiter Ferne Eisbären im Packeis, die wir allerdings nur mit dem Fernglas beobachten können. Dann beschliesst Elke, gegen 11.15 Uhr einen Vortrag über Eis, dessen Bewegung, Bewohner und Eigenschaften zu halten.

Im Packeis mit den Zodiacs

Nach dem Mittagsbuffet gibt es am heutigen Sonntag eine Verschnaufpause. Danach wollen wir mit den Zodiacs im Packeis cruisen, um das Eis näher und aus einer anderen Perspektive zu erleben. Doch zunächst kommt uns mal wieder ein Eisbär dazwischen. Die Brücke folgt dem agilen und wohlgenährten Tier mit dem Schiff so gut es geht. Wir kommen bis auf etwa 200 Meter heran, weiter jedoch nicht, weil sich der Bär schneller vorwärts bewegt als es das Schiff im Packeis aus Sicherheitsgründen kann. Dann, gegen 17.00 Uhr, ist Zeit für die Zodiac-Ausfahrt. Nicht alle kommen mit, denn wir haben uns ja zuvor bei 1 Grad Celsius recht lange auf den Aussendecks aufgehalten, um den Eisbär optisch zu verfolgen. Und es lohnt sich wirklich! Eisschollen, die sich übereinander schieben und dabei leicht auftürmen, junges- und altes Eis, Seevögel, die kleine Skulpturen aus Eis als „Vogelfelsen“ benutzen, sowie Zodiacs, die manchmal an grossen Eisbrocken festhängen und mit dem Paddel befreit werden müssen. Erlebnis und Abenteuer pur, Futter für die Videokameras bis die letzten Filme und Speicherkarten gut gefüllt sind. Als erneut Nebel aufzieht, entscheiden wir uns für Abendessen.

Ausblick & Film

Um 20.30 Uhr sammelt Elke ihre Truppen zur Expeditionsbesprechung. Dabei geht es diesmal insbesondere um einen Ausblick auf morgen. Wohl begründet bringt sie uns bei, dass morgen um 05.00 Uhr geweckt und die 1. Zodiac-Cruise um 05.30 Uhr noch vor dem Frühstück stattfinden soll. Zum Abschluss eines vielseitigen Tages im Packeis zeigen die Guides noch die 1. Hälfte eines Films über die fehlgeschlagene Zeppelin-Mission des Italieners Umberto Nobile und wir sinken geschafft – aber glücklich – in die Betten.

Text: Michael Schwerdtfeger

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