Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reisebericht Abenteuer Spitzbergen 11.07. - 22.07.2016

Abenteuer Spitzbergen: Zodiactour zu den Walrossen von Storoya
Publiziert: Dienstag, den 19. Juli 2016

Zodiactour im Nordosten von Nordaustland

Tag 5 – 16. Juli 2016: Im äußersten Nordosten

Um 07.30 Uhr hören wir Elkes freundliche Stimme durch die Lautsprecheranlage. Sie bringt uns, während die meisten noch im Bett liegen, auf den neusten Stand: Die Sea Endurance hat nachts den 80. Breitengrad überquert, ist damit jetzt definitiv in der Hocharktis angekommen. Es ist immer noch neblig, aber die vorgesehene Zodicatour an der Insel Storoya (ohne Anlandung) soll definitiv stattfinden. Wir wollen an der Küste cruisen, in der Hoffnung, dass sich der Nebel lichtet und wir dort Eisbären sehen. Storoya ist überwiegend von Eis bedeckt ist. Es ist kalt hier oben, so dass uns Elke sehr warme Kleidung empfiehlt.

Gegen 09.45 Uhr startet unsere heutige Zodiactour, wie immer mit 5 Hartrumpfschlauchbooten. Das erste, was wir am Ufer der Insel zu Gesicht bekommen, sind Walrosse. Eine Herde von gut 100 Tieren – überwiegend Weibchen und Jungtiere – liegt auf engstem Raum. Die Walrosse tun das übrigens, um sich gegenseitig zu wärmen, wie wir im gestrigen Vortrag von Matthias gelernt haben. Die Jungen werden in die Mitte genommen, wo Temperaturen von bis zu 37 Grad Celsius erreicht werden. Plötzlich geschieht etwas Unerwartetes: Nahezu die gesamte Herde verlässt fluchtartig das Ufer – wie in Panik. Da wir mit unseren Zodiacs noch weit genug entfernt, die Fahrt langsam und die Motoren leise sind, spekulieren wir über den Auslöser für diese Stampede. Eine Möglichkeit wäre ein Scheinangriff eines Eisbären, den wir allerdings nicht entdecken. Elke erklärt uns, dass die Walrosse bei Nebel besonders sensibel sind und auf alles Mögliche reagieren.

Im Wasser gibt es zunächst einige Rangeleien zwischen jüngeren Walrossbullen. Wir bleiben, wo wir sind, beobachten und filmen das Schauspiel fasziniert. Dann stellen wir fest, dass ein grosser Teil der Herde Interesse an uns zeigt. Sie nähern sich den Zodiacs und folgen uns, ziehen sich immer erst dann zurück, wenn der Motor geräuschvoll gestartet wird. So geht das Spiel eine ganze Weile und verschafft uns sensationelle Nahaufnahmen von auf uns zu schwimmenden Walrossen in enorm grosser Zahl.

Begegnungen mit dem König der Arktis

Im weiteren Verlauf unserer Zodiactour widmen wir uns nun gezielt der Eisbärsuche und werden prompt mehrfach belohnt! Die meisten von uns haben 3x das Vergnügen einer Eisbärsichtung. Der 1. Bär befindet sich auf einem Erdwall und läuft eine Weile parallel zum Ufer bis er hinter dem Wall aus dem Blickfeld gerät. Der 2. Eisbär liegt am Strand, schaut auf, steht auf und entfernt sich landeinwärts in gemächlichem Tempo. Das 3. Prachtexemplar liegt erst schlafend am Fuss eines Felsens bis der weisse Riese erwacht. Dann steht er auf, reckt- und streckt sich und schaut zu uns herüber. Wir liegen mit den Zodiacs direkt am Strandufer, aber so, dass wir notfalls sofort auf die See hinausfahren können. Und nun erhebt sich das wunderschöne Tier, stellt sich tatsächlich auf die hinteren Tatzen und zeigt uns seine volle Höhe. Unser Guide Chris erzählt uns später, dass sich Eisbären nur äußerst selten derart aufrichten und dies für gewöhnlich tun, um noch besser riechen zu können. Ganz sicher haben einige von uns diesen kurzen Moment für die Ewigkeit festgehalten. Zwischenzeitlich wird es empfindlich kalt, so dass die Expeditionsleitung die mehr als erfolgreiche Zodiactour für heute beendet.

Bordprogramm & Fahrt zum Packeis

Nach dem Mittagessen lässt uns Elke eine kurze Entspannungsphase bevor Chris um 15.30 Uhr zu einem Vortrag über Eisbären bittet. Darin erfahren wir alle Details über diese herrlichen Tiere z. B. das der weltweite Bestand bei ca. 20.000 Exemplaren liegt, der Eisbär etwa 20 – 25 Jahre alt wird und das sein Tempo an Land im Bedarfsfall bei 40 km/h liegt. (Das sind umgerechnet 9 Sekunden auf 100 Meter, schneller als der menschliche Weltrekord.) Zwischenzeitlich hat unser Schiff Kurs auf das Packeis genommen und fährt schnurgerade in nördlicher Richtung.

Ab 17.00 Uhr haben wir die Ehre, in kleinen Gruppen den ausgesprochen sauberen Maschinenraum der Sea Endurance zu besichtigen, in dem man sich nur mit Gehörschutz aufhalten kann und um 18.30 Uhr spricht Therese über die aus Pilzen und Algen bestehenden Flechtenarten der Tundra. Gegen 19.00 Uhr hören wir die allseits beliebte, melodische Ansage von Mariela aus dem Restaurant. Und die geht so: „Ladies and Gentlemen, I have the pleasure to inform you, that the restaurant is now open for another yummie-yummie dinner!“ 🙂 Wir lieben diese Ansage! Yummie-Yummie!!!

Ab 20.15 Uhr veranstaltet Elke Kino. Auf den 2 Grossbildschirmen der gemütlichen Lounge läuft ein preisgekrönter Forscherfilm über Eisbären. Der Film ist zwar in englischer Sprache, aber durch seine starken Bilder überwiegend selbst erklärend.

Last but not least erreichen wir am späten Abend die Packeisgrenze durch die immer grösser werdenden, treibenden Eisschollen und bringen unsere Kameras nochmal richtig zum Glühen. Ein verzauberndes Panorama! Der Kapitän sucht sich jetzt gegen ca. 23.00 Uhr einen geeigneten Ankerplatz im Eis, damit wir morgen unser Abenteuer an der Packeisgrenze fortsetzen können. Und unsere Guides liegen, während wir einer nach dem anderen ins Bett gehen, abwechselnd mit dem Fernglas auf der Lauer, um uns ggfs. in der taghellen Nacht bei Eisbärsichtungen zu wecken. Gute Nacht von Bord!

Michael Schwerdtfeger

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