Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reisebericht Abenteuer Spitzbergen 11.07. - 22.07.2016

Abenteuer Spitzbergen: Walrosse ganz nah
Publiziert: Montag, den 18. Juli 2016

Zu viel Nebel, aber Walrosse ganz nah

Tag 4 – 15. Juli 2016: Südliche Hinlopenstrasse & Austfonna

Als wir heute morgen um 07.45 Uhr geweckt werden und aus dem Fenster schauen, sehen wir nichts als dicken Nebel. Der Wettergott meint es heute vormittag nicht gut mit uns. Deshalb schaltet das Guide-Team in den Vortragsmodus und unterhält uns ab 09.15 Uhr mit einem ebenso lehrreichen wie kurzweiligen Vortrag über Walrosse. Wir erfahren unter anderem, dass auf Spitzbergen das Atlantische Walross lebt. Bis 1952 durften die Tiere gejagt werden und waren zu diesem Zeitpunkt nahezu ausgerottet. Zwischenzeitlich haben wieder knapp 4.000 Walrosse auf Spitzbergen ihr zuhause gefunden, denn natürliche Feinde hat das Walross nicht (mehr). Selbst für Eisbären ist es aufgrund der Stosszähne brandgefährlich, sich mit den Kolossen anzulegen.

Noch vor dem auf 12.00 Uhr vorgezogenen Mittagessen entdecken wir nah am Schiff eine relaxte Bartrobbe, die sich so genussvoll auf einer Eisscholle rekelt als wäre sie ein hochbezahltes Fotomodell.

Walrosse ganz nah auf der Wahlberginsel

Danach lichtet sich der Nebel zusehends und es bietet sich endlich die Gelegenheit zu einem Landgang. Um 13.45 Uhr düsen wir mit unseren Zodiacs zur Wahlberginsel in der südlichen Hinlopenstrasse. Mit im Zodiac sitzt übrigens – wie bei allen Ausfahrten – die sympathische Schiffsärztin Esperansa Zuniga aus El Salvador, die vielen schon am 1. Seetag mit kostenlosen Tabletten gegen Seekrankheit geholfen hat. Die Erkundung des Terrains ergibt keinerlei Bärenprobleme, so dass wir nunmehr in Gruppen aufgeteilt werden können. Sortiert wird nach unserer individuellen Interessenlage und dem gewünschten Wandertempo. Eine Gruppe bleibt am Strand und widmet sich ausführlich der Fotografie der dort liegenden Walrosskolonie. 3 weitere Gruppen erwandern die Umgebung, verschaffen sich unterwegs traumhafte Aussichtspunkte und erfahren viel über die Pflanzenwelt auf der Insel.

Die Strandgruppe nähert sich den neben und übereinanderliegenden Tieren langsam an, um keine Aggressivität oder Panik auszulösen. Jeder von uns hegt natürlich den Wunsch, die Walrosse ganz nah zu fotografieren. Und wir werden erhört: Eine neugierige Abordnung der Klein-PKW-schweren Kolosse schwimmt am Ufer direkt auf uns zu. Dabei kommen einzelne von ihnen fast in voller Grösse aus dem Wasser und mustern uns interessiert. Gestern, von den Zodiacs aus, hatten wir noch gehofft, die Walrosse ganz nah zu erleben, heute klappt es tatsächlich! Es entstehen unglaubliche Aufnahmen & Videos, so dass wir allesamt ein fröhliches Grinsen im Gesicht haben, als wir die Wahlberginsel verlassen.

Wasserfälle des Austfonna Gletschers

Unsere Expeditionsleiterin Elke wäre nicht Elke, hätte sie für heute nicht noch einen Pfeil im Köcher. Und so gibt es zunächst um 17.15 Uhr die übliche Expeditionsbesprechung. Ausserdem hält sie bis zum Abendessen um 18.00 Uhr, in Anknüpfung an Fragen aus den Wandergruppen, einen kurzen Vortrag über die Pflanzenwelt Spitzbergens. Begriffe wie „Nickender Steinbrech“, „Stengelloses Leimkraut“ oder Arktisches Wollgras“ gehen in unseren Sprachgebrauch über.

Um 19.30 Uhr bittet sie uns hinaus auf Deck, weil wir jetzt das Gebiet Brasvelbreen des Austfonna Gletschers am Südzipfel Nordaustlands passieren. Hier beginnt eine 20 – 30 Meter hohe Gletscherwand, die insgesamt ca. 180 km lang ist und wunderschöne Wasserfälle beinhaltet. Leider ist wieder Nebel aufgezogen, so dass die Bilder von der Austfonna und den Wasserfällen nicht perfekt werden können, aber erneut wird uns die Erhabenheit und Schönheit der Natur direkt vor Augen geführt und alle sind schwer begeistert.

Text: Michael Schwerdtfeger

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