Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reisebericht Abenteuer Spitzbergen 11.07. - 22.07.2016

Abenteuer Spitzbergen: Tundra Wanderung über feuchtes Moos
Publiziert: Sonntag, den 17. Juli 2016

Tundra Wanderung & Walrossherde

Tag 3 – 14. Juli 2016, Spitzbergen Südost

Eine stürmische Nacht im Bett liegt hinter uns. Bei unruhiger See mit viel Wind und 1,5 Meter hohen Wellen haben wir das Südkap umrundet und Kurs auf die Insel Edgeoya, benannt nach dem englischen Händler und Walfänger Thomas Edge, im Südosten Spitzbergens genommen. Um 7.35 Uhr weckt uns Elke mit besonders sanfter Stimme und macht uns mit ihrem Plan vertraut: Erst ein Besuch bei Familie Walross, danach eine Tundra Wanderung. Da wir durch Gegenwind etwas langsamer vorangekommen sind, bietet sie uns zuvor noch einen morgendlichen Vortrag an. Therese spricht ab 09.15 Uhr über die Trapper und Fallensteller der Vergangenheit – wirklich sehr interessant! Der Landgang zu einem beliebten Liegeplatz von Walrossen bei Andreetangen soll um 10.45 Uhr starten. Doch vom Schiff aus wird ausgerechnet dort, wo die Walrosse tatsächlich liegen, ein Eisbär gesichtet. Die Expeditionsleitung entscheidet aufgrund dessen: Zodiac-Cruise ja, Anlandung nein.

300 Walrosse und ein Bär

Mit allen 5 Zodiacs nähern wir uns nun Stück für Stück einer gewaltigen Walrossherde. Ca. 300 der bis zu 1,5 Tonnen schweren Kolosse liegen neben- und aufeinander, darunter Jungtiere ebenso wie richtig fette, ausgewachsene Bullen. Wir beobachten kleine Raufereien im Wasser und immer wieder nähern sich auch vereinzelte Walrosse den Zodiacs. Viele grossartige Aufnahmen werden vom Zodiac aus geschossen. Die Expeditionsleiterin hat mittlerweile den Eisbären genau lokalisiert und da dieser in etwa 300 Meter Entfernung gut sichtbar schläft, entscheidet sie spontan, doch an zu landen. Leider können wir wegen des Eisbären nicht zu Fuss zu der Walrossherde laufen, aber wir fotografieren nunmehr bequemer vom Strand aus und beobachten den schlafenden Eisbären mit unseren Ferngläsern und Objektiven. Als er wach wird und sich aufrichtet, besteigen wir wieder die Zodiacs und verlassen diesen Strandabschnitt. Zum Abschluss verabschieden uns im Wasser noch 3 kapitale Walrosse mit ihrem lauten Getöse.

Tundra Wanderung mit Rentieren

Am Nachmittag steht eine Tundra Wanderung in der Habenichtbukta an. Und wieder ist es so wie am Vormittag: Sichtung eines Eisbären am Zielort! Da sich dieser aber von der Küste weg bewegt, verfolgen wir Elkes Plan weiter. Sie schickt unseren „Späher“ Matthias vor, der den Eisbären im Auge behält und mit seinem Fernglas von einer Anhöhe aus verfolgt. Als fest steht, dass der Bär in entgegengesetzter Richtung das Weite sucht, werden 4 Gruppen gebildet, die jeweils unter Führung eines Guides mit unterschiedlichen Tempi die Tundra erkunden. Der Boden ist moosig und feucht. Wir sinken mit unseren Gummistiefeln teilweise bis zu 25 cm ein. Doch schon nach wenigen hundert Metern hat sich die Tundra Wanderung gelohnt. Wir sehen 9 Spitzbergen Rentiere, darunter ein extrem niedliches Jungtier. Mit einer Mischung aus Angst und Neugier lassen sie uns immer näher an sich heran, so dass wieder sämtliche Fotokameras heiß laufen. Wir erklimmen zahlreiche Anhöhen, erfreuen uns an der Flora und der Vogelwelt z. B. an Schneeammern, Schmarotzerraubmöwen usw. Nach der Tundra Wanderung entdecken wir am Strand recht gut erhaltene Walfischknochen, die die Gezeiten überdauert haben und erfahren auch dazu von den Guides wissenswertes.

Um 19.30 Uhr erfolgt in der Lounge die nächste Expeditionsbesprechung. Elke erklärt uns, dass die Eisbären in diesem Gebiet eher mager sind, weil seit Anfang Mai kein Eis und damit auch keine Robben als Nahrung mehr vorhanden sind. Eisbären können zwar über Monate ohne Nahrung überleben, aber werden dann entsprechend dünner. Sie jagen dann Vögel. Den morgigen Tag stellt sie unter das Motto „Eisbärsuche“. Darauf freuen sich alle sichtlich!

Wie jeden Tag beschliessen wir den Abend mit einem erstklassigen Essen im Restaurant unseres Expeditionsschiffes. Die Qualität der Speisen und die Freundlichkeit sowie der Service des Personals werden von uns allen in den höchsten Tönen gelobt. Selbst nach einer etwas beschwerlichen Tundra Wanderung ist dadurch sicher, dass die Moral der Truppe ganz schnell wieder voll hergestellt ist.

Text: Michael Schwerdtfeger

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