Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reisebericht Abenteuer Spitzbergen 11.07. - 22.07.2016

Abenteuer Spitzbergen: Zodiac Fahrt im Hornsund
Publiziert: Samstag, den 16. Juli 2016

Wanderungen & Zodiac-Cruise im Hornsund Fjord

Tag 2 – 13. Juli 2016

Um 07.30 Uhr weckt uns Elke über die Lautsprecheranlage, die im gesamten Schiff zu hören ist. Noch etwas verschlafen entfernen wir die Vorhänge der Kabinenfenster und blicken hinaus auf hohe Berge, deren Gipfel im Nebel versteckt sind. Wir befinden uns im Hornsund, im Süden Spitzbergens. Nach dem Frühstück machen wir uns wetterfest. Konkret bedeutet das: wir schlüpfen in unsere Gummistiefel, die wasserdichte Hose und Jacke sowie unsere speziellen Zodiac-Rettungswesten. Am Deck 2 tragen wir uns schon um 09.15 Uhr in die Namensliste ein, in der bei jedem Von- und An-Bordgehen vermerkt wird, wer draussen und wer wieder zurück an Bord ist.

Im Hornsund

Gnalodden

Die Guides waren zuvor nicht untätig. Sie haben bereits mit den Zodiacs eine geeignete Anlandungsstelle im Hornsund erkundet, um sicher zu gehen, dass diese frei von Eisbären ist. Beim Anlanden erwartet uns ein steiles, moosiges Gelände am Fuss eines hohen Felsens. Die Felswand bietet einer Vogelkolonie von Dreizehenmöwen und Lummen eine tolle Heimat. Nun haben wir also erstmals festen Boden im direkten Eisbärengebiet unter den Füssen. Ein besonderes Gefühl. Elke weist uns ein, was zu tun ist, wenn wirklich eines der stolzen Tiere gesichtet werden sollte, was aus allen erdenklichen Richtungen – sogar aus dem Wasser heraus – geschehen könnte: Leise und ruhig verhalten, eng zusammen in der Gruppe bleiben, fotografieren einstellen und geordneten Rückzug antreten. Plötzlich läuft ein Polarfuchs quer zum Hang und die Kameras klicken. Der Vogelfelsen scheint sein Jagdrevier zu sein.

Wir überqueren eine Anhöhe, nutzen die Aussicht für weitere Aufnahmen, besuchen danach eine Grabstelle, eine alte Trapperhütte aus den 30iger Jahren und treffen auf eine polnische Forscherstation, die wegen der Eisbären mit Stolperdraht und Signalraketen gesichert ist. Weil es wie aus Eimern schüttet und das Wetter droht, zunehmend schlechter zu werden, beenden wir den Vormittag mit diesen interessanten Eindrücken. Zurück auf dem Schiff schlüpfen wir aus der nassen Kleidung und machen uns in der rundum verglasten Lounge über die Heissgetränke her.

Samarinvagen

Nach dem Mittagessen hat die Expeditionsleitung ein neues Abenteuer für uns parat. Gegen 14.30 Uhr brechen wir auf zur Gletschertour im Treibeis! Zodiacfahrten sind für uns schnell zur geübten Routine geworden und so erreichen alle 5 Zodiacs den nächsten Anlandepunkt in Windeseile. Dort erwartet uns ein Gemisch aus Geröll, großen Steinen, Eisflächen und eine gehörige Steigung. Wir erwandern einen Foto-/Aussichtspunkt entlang einer Gletschermoräne, immer schön eingerahmt von unseren Guides, die mit Argusaugen darüber wachen, dass kein unwillkommener Gast unseren Frieden stört.

Anschliessend begeben wir uns bei ruhiger See auf eine atemberaubende Zodiac-Cruise. Wir nähern uns mit extrem langsamer Fahrt den Abbruchfronten eines Gletschers quer durch das treibende Eis. Oftmals treiben die Zodiacs ohne Motor einfach nur so dahin, was eine wunderbare Stille erzeugt. Auf einer Eisscholle entdecken wir eine Bartrobbe, die sich wohlig rekelt und scheinbar keinerlei Angst hat. Wir hören das Klicken einer Vielzahl von Kameras und ab und wann ein donnerndes Grollen. Das sind die Momente, wo der Gletscher kalbt und ein Teil der Eiswand wegbricht. Diesem Schauspiel dürfen wir uns aus Sicherheitsgründen nur bis auf 300 Metern Entfernung nähern, doch gefühlt sind wir viel näher dran. Das nächste, absolut beeindruckende Fotomotiv liefert uns ein total blau schimmernder Eisberg. Wir können kaum glauben wie dieses „Kunstobjekt“ zustande kommen konnte. Nach mehr als 2 Stunden im Treibeis vor der Gletscherfront, einiger kalt gewordener Hände und Füsse aber durchweg schwer beeindruckter und zufriedener Gesichter beendet das Expeditionsteam die Ausfahrt und bringt uns wohlbehalten auf die MS Sea Endurance.

Vorschau auf den nächsten Tag

Gegen 18.30 Uhr erfolgt in der Lounge eine Expeditonsbesprechung in entspannter, bester Stimmung. Das liegt an den grossartigen Erlebnissen des heutigen Tages, doch noch viel mehr an der authentischen, stets humorvollen und doch fachlich absolut fundierten Art der Expeditionsleiterin Elke Lindner. Alle Entscheidungen des heutigen Tages werden von ihr gut begründet und jedwede Frage auf den Punkt genau beantwortet. Elke kündigt an, dass wir am Abend den Hornsund verlassen werden und über Nacht das Südkap umrunden. Der Abend klingt aus mit einem leckeren Dinner ohne feste Sitzordnung und vielen guten Gesprächen.

Text: Michael Schwerdtfeger

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