Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Reiseberichte

Publiziert: Freitag, den 11. September 2015

Schwitzen und Eisbaden

Meerwasser gefriert bei minus 1,73 Grad Celsius. Das Wasser hier, jenseits des 76. Breitengrades hat aktuell und frisch gemessen minus 1,24 Grad.

Die Sauna an Bord der Cape Race hat zwar kein Thermometer, aber Milos, Kapitän und Eigner bringt sie auch ohne auf Vorhölle-Temperaturen. „Das muss richtig heiß sein“, beschließt er und gibt noch eine Kelle Aufguss auf die Steine. Es zischt und ein Geruch frischen Brotes steigt auf. Sehr angenehm. „Bier“, sagt er, „ein Schuss davon ins Wasser. Das gibt der Sauna genau die richtige Würze.“ Recht hat er. Dann ist Schwitzen angesagt. Das warme, heiße Holz, der glühende Ofen machen es wohlig. Von unten ist immer wieder ein freundliches „Klonk“ zu hören. Das sind Eisstücke, die vom nahen Gletscher abgebrochen sind und jetzt an unsere Bordwand klopfen. Der Schweiß und mit ihm der letzte Rest Zivilisationsablagerung rinnt den Körper hinunter.

Genug. Das reicht an Hitze. Raus. In die Kühle des arktischen Spätsommers. Und hinein ins Polarmeer zum Eisbaden. Es zischt förmlich, wenn der aufgeheizte Körper ins Wasser taucht. Für einen Moment ist man überrascht, wie kalt es ist. Der Kopf taucht wieder auf. Wieder raus. In die Wärme des arktischen Spätsommers. Ausdampfen und dabei der Gletscherwand zusehen, die sich schier unbeeindruckt zeigt. Kurze Zeit später bilden sich die ersten Eiskristalle auf dem Wasser. Zeit für einen heißen Tee. Oder einen neuen Aufguss …

Peter Laufmann

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