Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Spitzbergen: 14.07. – 22.07.2012

Publiziert: Dienstag, den 17. Juli 2012

Ny Ålesund und die Luftschiffe

16.07.12 Im äußersten Nordwesten Spitzbergens

Nach dem Frühstück erreichen wir Ny Ålesund, die nördlichste Siedlung der Welt – mit eigenem Postamt, Laden und früher sogar einer Schule. Heute sind dort diverse Länder mit ihren Forschungsstationen vertreten, eine Schule wird nicht mehr benötigt, da ausschließlich Wissenschaftler ansässig sind.

Bedeutsam ist unser Besuch speziell auf dieser Reise, da wir ja von Herrn Bleibler vom Zeppelin-Museum in Friedrichshafen begleitet werden. Von Ny Ålesund starteten Amundsen und Nobile zur ersten erfolgreichen Überquerung des Nordpols per Luftschiff. Übrig geblieben ist von dieser Expedition noch der Ankermast, an dem das Luftschiff fest gemacht wurde. Bei seinem Vortrag nach dem Mittagessen gelang es Herrn Bleibler dieses auf den ersten Blick eher unspektakuläre Monument in seinen historischen Zusammenhang zu bringen. Die „Begrüßung“ durch zwei Elfenbein-Möwen direkt am Strand nach der Anlandung und den direkt am Wegesrand brütenden Meerstrandläufer sollen an dieser Stelle nicht unterschlagen werden. Auch Weißwangengänse und die Küken der Küstenseeschwalbe waren zu beobachten.

Beim zweiten Landgang am Nachmittag wurde die Gruppe geteilt und wir besuchten nacheinander Virgohamna auf der Danskøya und Smeerenburg auf der Amsterdamøya. In Virgohamna kam erneut das enorme Wissen von Herrn Bleibler zum Einsatz. Eindrucksvoll berichtete er vom Versuch der Schweden – in Person vom Ingenieur Andrée – als erste den Nordpol auf dem Luftweg zu erreichen. Leider endete seine Expedition im Heißluftballon tragisch.

Auf dem Weg zum direkt gegenüber gelegenen Smeerenburg tauchte kurz eine Bartrobbe vor uns auf, um aber nach kurzer Verschnaufpause gleich wieder zu verschwinden. In Smeerenburg begegnete uns nun ein kleiner Teil niederländischer Geschichte. In der einstigen Walfangstation zeugen Specköfen vom harten Leben der Walfänger, die mühsam aus dem Blubber der an den Strand geschleppten Wale den begehrten Tran gewannen. Im 17. Jahrhundert hatte dieser quasi die gleiche Bedeutung wie in der heutzutage das Erdöl!

Wie glücklich wir doch sein dürfen, in der heutigen Zeit zu leben, zeigte sich schon bei der allgemeinen Vorfreude auf das warme Schiff am zugigen Strand. Zurück an Bord freuten wir uns über eine liebevoll vorbereitete Kabine und ein köstliches Abendessen.

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