Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Spitzbergen: 14.07. – 22.07.2012

Publiziert: Freitag, den 20. Juli 2012

Naturschauspiele und mystische Stimmung

19.07.12 Ein Tag kann nicht erlebnisreicher beginnen…

Nachts um halb drei, kurz nachdem die Ocean Nova abgelegt hat geht ein Weckruf durch das Schiff. Auf dem Weg hinaus aus dem Björnesund hat sich eine Eisbärenmutter mit ihrem Kleinen dazu entschlossen, bei dem langsam fahrenden Schiff vorbei zu schauen. Sobald der Kapitän dieses bemerkt hält er an und wir beobachten, wie beide immer näher kommen. Eine gute halbe Stunde bleiben sie bei uns und umrunden das gesamte Schiff! Im rosigen Licht des frühen Morgens sorgt Ihr Besuch für eine Stimmung, die mehr als einen Gast zu Tränen rührt. Diese wunderschönen Tiere auf den weit auseinander getriebenen Eisschollen – deutlich kann man die ungewisse Zukunft der Eisbären in einem Bild nicht ausdrücken…

Schon vor dem Frühstück steht heute ein weiteres Highlight auf dem Programm. Im Anschluss an die Bären ist die Ocean Nova zum Brasvellgletscher gefahren. Trotz der nächtlichen Unterbrechung sind quasi alle dem frühen Weckruf (um 7:00 Uhr) von Heiko gefolgt, um von Deck aus einen Teil der längsten Gletscherabbruchkante der Welt mit eigenen Augen zu sehen. Das Wetter hat sich seit dem nächtlichen Besuch der Eisbären nicht verändert, so dass wir auch dieses Naturschauspiel im schönsten Morgenlicht aus nächster Nähe erleben.

Schmelzwasser-Wasserfälle ergießen sich aus kleineren und größeren Schmelzwasserkanälen direkt ins Meer. Während des Frühstücks können wir aus den Bullaugen beobachten, wie wir uns langsam vom Gletscher entfernen.

Wir sind auf dem Weg durch die Olgastretet Richtung Freemannsundet – zwischen Barentsøya und Edgeøyaund hoffen dort im tieferen Gewässer Wale zu finden – was leider nicht der Fall ist. Da wir aber schönsten Sonnenschein haben, genießen wir die Fahrt über die spiegelglatte See. Nachmittags lässt uns Heike bei ihrem Vortrag durch Millionen von Jahre wandern und wir erleben Spitzbergens faszinierende Wanderung über den Globus – angefangen beim Urkontinent am Südpol bis hin zu seiner jetzigen Position. Erstaunlich, was einem die Steine so alles erzählen können. Im Anschluss folgt ein thematisch passender Vortrag von Martin, der uns an seinem Wissen über Gletscher teilhaben lässt.

Am Eingang zum Freemannsundet kommt leichter Nebel auf, der der Umgebung eine mystische Atmosphäre verleiht. Am Ausgang des Sunds liegt Kap Lee, auf dem wir heute unseren ersten Landgang vornehmen. Dort werden drei unterschiedliche Gruppenunternehmungen angeboten: Eine Gruppe geht zu einem ca. 1 km entfernten Vogelfelsen, eine Gruppe macht einen kleinen Spaziergang über die Tundra und Gäste, die weniger gut zu Fuß sind, bleiben am Strand. Bei der Rückkehr der beiden „Wandergruppen“ kreuzen zwei Rentiere unseren Weg und am Strand wartet eine kleine Überraschung auf uns: Die einsetzende Ebbe hat unsere Zodiacs total auf dem Trockenen liegen lassen, so dass es einiges Körpereinsatzes bedarf, bevor wir zum Abendessen zurück zur Ocean Nova kehren können.

Am späten Abend lichtet sich der Nebel komplett. Folglich werden wir, dank der guten Sicht,  um halb zwei erneut aus dem Schlaf gerufen: Wir haben Wale gesichtet. Für ca. 30 Minuten bleiben die zwei Buckelwale in Sichtweite und erneut klicken die Auslöser diverser Kameras; jeder versucht ein gutes Foto vom Blas und der Finne zu bekommen.

Ein weiterer fantastischer Tag!

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