Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Spitzbergen: 04.08. - 14.08.2013

Der Zeppelinmast in Ny Ålesund
© Simon-Bober
Publiziert: Mittwoch, den 07. August 2013

Montag 05.08.2013: Unterwegs im Kongsfjord

Zu Besuch bei Polarforschern und Entdeckern

Nach einer ruhigen Nacht im Forlandssund legten wir am Morgen im Hafen von Ny Ålesund an. Ny Ålesund wird auch als nördlichste Gemeinde der Welt bezeichnet und liegt bei rund 79° nördlicher Breite. Ehemals machte Ny Ålesund sich als Bergwerkstadt einen Namen, nach etlichen Unfällen wurde das Geschäft mit der Kohle jedoch aufgegeben und das Städtchen von der Wissenschaft erobert. Seitdem ist Ny Ålesund eine reine Forschungsstadt ohne Zivilbevölkerung. Wir konnte uns frei im Ort bewegen und durften bereits hier die arktische Tundra bestaunen.Es waren viele Weißwangengänse mit ihren Küken, sowie Küstenseeschwalben und sogar zwei Sterntaucher zu beobachten.

Nach einem ausgiebigen ”Stadtbummel” und einem Besuch im lokalen Souvenirladen ging es zum Luftschiffe-Ankermast. Therese hat uns einen spannenden Vortrag über die Geschichte dieses Ankermasts erzählt. Von hier machten sich 1926 Amundsen, Nobile und Ellsworth auf den Weg mit dem Luftschiff Norge nach Nome (Alaska), um als erste Menschen den Nordpol zu überfliegen. Etwas später versuchte Nobile mit seinem Luftschiff Italia auf dem Nordpol zu landen, was leider in einer Katastrophe endete. Es war aufregend in diesem Moment der Geschichte so nahe zu sein und dennoch schwer vorstellbar, dass vor knapp 90 Jahren, als sich die Luftfahrt erst noch behaupten musste, Menschen von genau diesem Mast einen Flug über unseren nördlichsten Pol wagten. Insgesamt war es ein toller Einstieg und für viele auch die einmalige Gelegenheit einen Brief vom nördlichsten Postamt der Welt zu verschicken.

Bartrobbe - Unterwegs im Kongsfjord Spitzbergen
Bartrobbe Foto: Sven Achtermann

Zurück an Bord gab es ein köstliches Mittagessen und anschließend einen Schiffscruise am Kongsbreen. Auf einer Eisscholle vor dem Gletscher hatte es sich eine Bartrobbe bequem gemacht. Durch die Fahrkünste unseres Kapitäns Joachim konnten wir die Bartrobbe super beobachten.

Beim verlassen des Kongsfjords haben wir noch an der Blomstrandhalvøya halt gemacht und hatten hier unsere erste Anlandung mit den Zodiacs. Trotz einer theoretisch nassen Anlandung blieben alle Füße vom Gummistiefel geschützt trocken. Auf der Blomstrandhalvøya befinden sich die Überreste eines gescheiterten Versuchs Marmor abzubauen. Abgesehen davon hat diese Insel auch landschaftlich und besonders ornithologisch viel zu bieten.

Falkenraubmoewe - Unterwegs im Kongsfjord
Falkenraubmöwe  Foto: Kerstin Langenberger

Die Blomstrandhalvøya ist ein nachgewiesener Brutplatz der Falkenraubmöwe, die ansonsten auf dem gesamten Archipel nahezu nicht anzutreffen ist. An Land gab es drei Gruppen die mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad die Insel erkunden konnten. In den ersten Minuten kündigten sich vier Falkenraubmöwen an, die sich malerisch vor uns in die Landschaft setzten.  Auf unserem Weg kam es zu weiteren Begegnungen mit Eingeborenen, den Spitzbergen Rentieren. Als kleinen Höhepunkt hatten wir eine Mutter mit diesjährigem Kalb. Trotz unterschiedlicher Routen haben es alle Gruppen zu zwei Seen geschafft. Auf diesen brüteten Küstenseeschwalben, Weißwangengänse und Sterntaucher. Die Sterntaucher führten zwei Junge und auch die Eisenten konnten mit Jungen beobachtet werden. Zum Abschluss des Landgangs kündigte sich ein Fuchs durch sehr aufgeregte Vögel an. Alle Gruppen hatten einen super Blick auf den kleinen Reinecke. Der typisch für Spitzbergen wenig Scheu zeigte und sich durch die Besucher offensichtlich nicht gestört fühlte. Da er auf seinem Weg in der Ferne von den Falkenraubmöwen attackiert wurde, konnten wir das Nest der Falkenraubmöwen ungefähr ausmachen.

Text: Simon Bober

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.