Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Eisbären erleben: 03.09. - 15.09.2013

Amsterdamoya besuchen wir gerne auf unseren Spitzbergenreisen
© Mariola Mamerow
Publiziert: Freitag, den 06. September 2013

Donnerstag 05.09.2013: Unterwegs im Magdalenenfjord

Von schmelzenden Gletschern und energiesparenden Eisbären

Heute in der Nacht sind wir im Magdalenenfjord vor Anker gegangen. Der Fjord ist gut zu erreichen, schon Willem Barents hat hier Station gemacht. Dennoch machen viele kleinere Schiffe einen Bogen um ihn, da diese Ecke den richtig großen Dampfern zugesprochen wurde. Hier können sie ihren hunderten, tausenden von Gästen die Möglichkeit geben, auch einmal an Land zu gehen um die majestätische Geologie Spitzbergens hautnah zu erleben.

Wir haben hier Station gemacht, um uns den Gletscherschwund anzusehen. Denn, weil hier schon seit hundert Jahren Touristen herkommen, gibt es zahlreiche Fotografien. Zeitzeugen des Eiszustands von damals.

Zuerst sind wir mit den Zodiacs an kleinen Eisbergen vorbei an die Kante des Waggonwaybreen gefahren. Dieser „Wagenspurgletscher“ trägt seinen Namen, weil der Schutt, den zwei Gletscherströme hier zusammenführen eben wie eine Wagenspur aussieht. Martin erläuterte, wo die Gletscherkante früher lag.

Von dort sind wir an der Felskulisse vorbei zum Gravneset, zur „Gräberhalbinsel“ gefahren. Auch dieser Name enthüllt bereits einen Teil seiner Geschichte, denn dort liegen rund 130 Walfänger begraben.

Obendrein sind an dem Sandstrand noch die Reste der alten Tranöfen zu sehen, mit denen früher das Walöl gekocht wurde. Aus Fett und Sand hat sich eine feste Kruste gebildet, die die Jahrhunderte überdauert hat. Christian erzählte uns aus dieser wichtigen aber traurigen Epoche der Geschichte.

Einmal über die Halbinsel drüber und dann links – schon liegt der Gullybreen vor einem. Jeder Gletscher wird, je näher man kommt, zu einer stummen Drohung. Deswegen ist es klug, genug Abstand zu halten. Wie klug bewies der Gullybreen, als er nach unserem Besuch kalbte und ein Stück Eis ins Meer warf von der Größe eines neuen Münchner Einfamilienhauses. Das Grummeln und Poltern füllte die Bucht und ein kleiner Tsunami brachte Unruhe ins Meer. Kein Wunder, dass viele Eisbrocken viel höher als die Flutkante auf Land liegen.

Wir verließen den Magdalenenfjord wieder und passierten die Danskoya. Am östlichen Ufer entdeckte die Brücke einen Eisbären. Unseren ersten Eisbären! Schnell änderten wir den Plan und es ging wieder in die Zodiacs, um ihm auf den haarigen Pelz zu schauen.

unterwegs im magdalenenfjord - eisbär
Eisbär  Foto: M. Henningson

Es war ein Männchen, das hier, weit weg vom Eis und seiner Lieblingsnahrung, den Robben, auf die Rückkehr des Winters wartete. Eine ganze Weile beäugten wir uns gegenseitig. Beide interessiert, aber mit dem nötigen Abstand.

Zum Abschluss ging es noch zum Smeerenburgbreen. Drei Kilometer breit ist dieser Gletscher und wenigstens 30 Meter hoch. Viele einzelne Gletscher sind das, die da zusammenfließen. Zerrissen ist seine Oberfläche und Blau seine Kante. Auch dieser Gletscher hat die letzten Jahre sichtbar Federn gelassen.

Abdrehen und Kurs Nord. Ins Eis.

Text: Peter Laufmann

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