Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Eisbären erleben: 03.09. - 15.09.2013

MS Quest im Packeis von Spitzbergen
© Kerstin Langenberger
Publiziert: Montag, den 09. September 2013

Samstag, 07. 09.2013: Wieder ein Tag im Packeis

Der Bohrer von Bottrop / Arktische Aufnahmen

Die Arktis ist ein sprödes Paradies. Man muss sich ganz auf sie einlassen, mit der Kälte, der Unwirtlichkeit, ihren ganzen Extremen mitgehen. Und wenn man das eine Weile gemacht hat, offenbart sie einem ihre schöne Seite.

Wir passierten wieder Eisberge, die es von Grönland hierher verschlagen hat. Einer trieb nur ein paar Schiffslängen von Backbord träge an der Quest vorbei. Unser Polarforscher überschlug kurz die Maße und schätzte, dass dieser Brocken gut eine Millionen Tonnen mächtig war – jeder Mensch auf dieser Erde könnte ein Glas Wasser trinken, wenn man diesen Eisberg zum Schmelzen bringen würde.

Allen hier ist bewusst, dass die Arktis ein Paradies mit Schwindsucht ist. Der Naturfotograf Norbert Rosing bewies eindrucksvoll mit seinen Bildern aus Jahrzehnten in der Arktis, wie traurig dieser Verlust wäre. Seine Polarfüchse, Belugas, Moschusochsen und natürlich die Eisbären zeigen, wie viel Leben sich hier oben tummelt.

Im Gegensatz zu gestern sind die Schollen nun größer, ideal, um hier unsere Eismessungen vorzunehmen, denn unser persönlicher Polarforscher Dirk Notz hat Ausrüstung mitgebracht, um den Eisplatten Daten zu entlocken. Bislang gibt es nicht viele Informationen darüber, wie sich die Physik des Eises im Sommer verhält. Wir wollen mithelfen, diese Lücke zu füllen, damit die Klimamodelle noch besser werden.

tag im packeis - menschen auf eisscholle
Ausflug auf das Packeis. Foto: Adrian Nordenborg

Dazu wurden wir in mehreren Gruppen auf einer schnuckeligen Scholle abgesetzt, so schätzungsweise 50 mal 30 Meter groß. Zunächst galt es mit dem Eisbohrer ein zehn Zentimeter weites Loch ins Eis zu bohren. Der Bohrkern wurde dann aus dem Loch gezogen und in bestimmten Abständen angebohrt, um die Temperatur in den verschiedenen Tiefen zu ermitteln. Anschließend zersägten wir die Eisstange in handliche Stücke, um sie schmelzen zu lassen und dann den Salzgehalt messen. Hört sich einfach an, ist aber tatsächlich Knochenarbeit, denn der Bohrer brauchte einige Bestimmtheit, damit er ins und durchs Eis geht.

Später hat Giovanni, einer der Matrosen an Bord, einen Bären entdeckt. In voller Fahrt, ungefähr eine Ewigkeit weit weg. Unglaublich. Zwanzig Minuten hat es gedauert, bis wir anderen auf der Brücke den Bären auch gesehen haben. Ein Männchen, aber nicht sehr kooperativ. Und so haben wir ihn bald wieder in Ruhe gelassen. Dennoch: Spannend ist jede Begegnung mit Eisbären.

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