Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Eisbären erleben: 03.09. - 15.09.2013

Publiziert: Donnerstag, den 12. September 2013

Mittwoch, 11.09.2013: Am Friedhof der Eisberge

Entlang des Austfonna-Gletschers und dann rechts ab. Wo das Meer mit Eisbergen gespickt ist

Die Nacht über hatte die Quest die Front des Austfonna abgefahren. Dieser Gletscher ist bemerkenswert, selbst für das an Gletschern nicht gerade arme Spitzbergen. Er zählt nach den kompakten Eispanzern auf Grönland zu den größten Gletschern der nördlichen Hemissphäre. 170 Kilometer zieht sich die Abbruchkante von Nord nach Süd.

Nahezu am südlichen Ende dieser scheinbar nicht enden wollenden Wand aus Eis mussten Kapitän und Offiziere uns vorsichtig durch die Gürtel von Eis, durch das Gewirr aus kleinen und großen Eisbergen hindurchmanövrieren. Slalom, Zickzack, vor und zurück. Auf der Brücke herrschte höchste Konzentration.

Aber abgesehen von kleineren Berührungen kamen wir ohne Blessuren durchs Eis. Ohnehin hatten wir das Vergnügen, uns an schier endlosen Variationen des Themas satt zu sehen. Der Austfonna erinnerte an Reliefs antiker Tempel, an die Ruine einer Titanenfestung. Schründe, Spalten, Kliffs. Abbrüche, im Eis eingeschlossene Verwerfungen, die jahrtausendelang reifen konnten und jetzt darauf warteten ins Meer zu fallen und langsam zu schmelzen.  Die Worte von Größe reichen kaum, um diese Dimensionen der Natur begreiflich zu machen. Nackte Zahlen vielleicht: Die Front war zwischen 15 und guten 40 Meter hoch. Unser Schiff ist über alle Decks gerade einmal 16 Meter hoch. Vom Kiel bis in die Mastspitze.

Passend zur wilden Szenerie war der kräftige Wind, der an Mützen, Jacken und Kameras riss. Nur die Eissturmvögel schienen darin erst so richtig aufzublühen.

Hinter der Vibebukta bogen wir quasi rechts ab, in die Hinlopenstraße. Nordaustland zieht vorbei und es ist nicht mehr zu verheimlichen, dass der Winter vor der Tür steht. Die Sonne geht schon mehr als zwei Stunden früher unter als zu Beginn unserer Reise. Schnee rieselt und weht vom Himmel.

Nachmittags ankerten wir in der Augustabukta. Wieder drei Gruppen, die über die Tundra wanderten. Die bereits legendäre Bergziegengruppe wanderte dieses Mal wieder auf den nächsten Berg und taxierte die Möglichkeiten des Weinanbaus, wenn es der Klimawandel irgendwann geschafft haben könnte, Spitzbergen aufzutauen. Um es kurz zu machen: Die Aussicht auf die karge Ebene war grandios. Allein die Frostmuster, die Schnee gefüllten Gräben. Und aus der Nähe die verschieden farbigen Kiesel und Flechten, die Reste der Sommerblumen…

Der krönende – oder auch frostige – Abschluss des Tages bildete ein Bad im Nordpolarmeer. Fünf Aspiranten für das Polarbär-Schwimmabzeichen (Ignaz, Andreas, Andreas, Peter, Christian und Kerstin) gingen schwimmen bei einer Lufttemperatur von 3°C und einer Wassertemperatur von wissenschaftlich belegten 1,85°C. Ja, es war kalt.

Text: Peter Laufmann

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.