Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Große Antarktis-Kreuzfahrt: 18.10. - 12.11.2013

Publiziert: Dienstag, den 29. Oktober 2013

Sonntag, 27.10.2013: Schneller als erwartet

Mit dem Staubsauger in die Antarktis

Da Südgeorgien über eine so außergewöhnliche, vielfältige und gleichzeitig sensible Tier- und Pflanzenwelt verfügt, müssen wir als Besucher ganz besonders vorsichtig sein, keine Veränderungen in diesem empfindlichen Ökosystem zu verursachen.

Entsprechend beginnen wir unser Tagesprogramm nach dem Frühstück mit einer weiteren Staubsaugerparty. Wir müssen in jedem Fall vermeiden, Pflanzen- und Tierarten von den Falklandinseln auf Südgeorgien einzuschleppen. Im Anschluss bekommen wir dann von Elke das vorgeschriebene Briefing zu den Verhaltensregeln, die für Südgeorgien gelten. Nach der unglaublich unrühmlichen Periode des Walfangs scheint man nun hier den einmaligen Reichtum der Natur endlich angemessen zu schätzen und zu schützen.

Auch die Vorträge am Nachmittag greifen das Thema erneut auf. Elke beginnt mit einem Vortrag über eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten. Kerstin verdeutlicht uns die Problematik anhand der aktuell auf Südgeorgien durchgeführten Versuche, die ungewollt eingeschleppten Ratten wieder auszurotten. Die Ratten stellen eine enorme Gefahr für die am Boden brütenden Vogelarten dar. Das Projekt wird sich noch über einige Jahre hinziehen und begann im Januar/Februar dieses Jahres mit der Ausrottung der in der Walfangzeit willentlich eingeschleppten Rentiere. Die Rentiere mussten zuerst von der Insel verschwinden, da sie sonst ebenfalls das Rattengift gefressen hätten.

Später am Nachmittag dann übernimmt Therese die Aufgabe, uns ausführlicher über die wirklich aus meiner Sicht grauenvolle Zeit des Walfangs aufzuklären. Da sich draußen der Nebel aber gelichtet hat und wir wieder durch strahlenden Sonnenschein segeln, ersparen sich einige von uns die blutigen Details und genießen statt dessen die Zeit auf dem Afterdeck. Speziell die (Hobby-) Ornithologen und -Fotografen sind begeistert, weil sich der erste Wanderalbatros bei uns am Schiff blicken lassen hat.

Zum Recap kurz vor dem Abendessen bestätigt Martin die schon vermutete frühere Ankunft auf Südgeorgien. Bereits für morgen früh ist unser erster Landgang, in Elsehul, geplant.

Anschließend erläutert Olle noch die heutige Definition der Antarktis. Es handelt sich um keine feste Grenze, sondern die Antarktis beginnt dort, wo die warmen, salzhaltigeren und sauerstoffärmeren Gewässer unserer Weltmeere auf die kälteren, salzärmeren, sauerstoff- und nährstoffreichen Gewässer rund um die Antarktis aufeinander treffen. Diesen Bereich nennt man die Antarktische Konvergenz. Und warum erklärt Olle uns das?

Weil wir inzwischen die Antarktische Konvergenz überschritten haben. Wir befinden uns nun also per Definition in der Antarktis!

Text: Stephani Drücker

Erwähnte Personen im Beitrag:
Stephani Drücker, unsere Kollegin an Bord
Elke Lindner, Guide aus Deutschland, deren Interessenschwerpunkt auf der Ökologie der Polargebiete liegt
Kerstin Langenberger, ebenfalls Guide aus Deutschland, die Umweltwissenschaftlerin
Therese Horntrich, die deutsch-schwedischsprachige Guide aus der Schweiz
Martin Enckell, der schwedische Expeditionsführer
Olle Carlsson, Vortragender aus Schweden

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