Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Große Antarktis-Kreuzfahrt: 18.10. - 12.11.2013

Publiziert: Montag, den 04. November 2013

Montag, 28.10.2013: Ankunft auf Südgeorgien

Nachdem wir einige Tage ohne Blognachrichten waren, erreichten uns heute Nacht zwei wunderbare Beiträge, die Sehnsüchte wecken.

Lesen Sie selbst:

Elsehul, Right Wale Bay und das Wetter

Nachdem wir die letzten zwei Tage gemütlich erst um 08:00 Uhr zum Frühstück geweckt wurden, erklingen heute Martins und Elkes Stimmen schon um einiges früher durch die Lautsprecher. Unser erster Landgang in Elsehul auf Südgeorgien steht auf dem Programm. Die Atmosphäre beim Frühstück ist ganz anders als während der letzten zwei Tage. Eine erwartungsvolle Spannung liegt in der Luft.

Wir landen an einem kieseligen Strand nach kurzer Zodiac-Überfahrt und werden von ein paar schläfrigen See-Elefantenbullen sowie vereinzelten Pelzrobben erwartet. Nach einer kurzen Wanderung den Hügel hinauf können wir eine Brutkolonie von Graukopf- und Russ-Albatrossen erreichen. Im Hinblick auf Entfernung und Anstieg ist die Bezeichnung „Wanderung“ eigentlich eine Nummer zu groß. Da aber – wie auf ganz Südgeorgien – die Küstenlinie dicht mit Tussock-Gras bewachsen ist, ist schon ein gewisses Maß an Trittsicherheit gefordert. Teilweise lässt es sich auf den Grasbüscheln besser laufen. Weil die Zwischenräume zwischen den einzelnen Büscheln aber durchaus gut knietief sind und auch mal 50 cm zwischen den einzelnen Büscheln liegen, ist auch einiges an Balance gefragt. Entscheidet man sich dafür, zwischen den Büscheln zu laufen, kämpft man mit dem bisher nur an der Oberfläche aufgetautem Boden. Mit Pech können die Schlammlöcher durchaus knöcheltief sein. Wenn man mal ein wirklich tiefes Loch erwischt, heißt es „Ruhe bewahren“ und den Fuß langsam wieder herausziehen, möglichst ohne den Gummistiefel zu verlieren.

Nachdem der erste Anstieg bewältigt ist, erreichen wir eine kleine Kolonie mit Eselspinguinen. Zudem befinden wir uns auf eine Landenge, so dass wir hier als einzigem Ort auf Südgeorgien sowohl die Nordwest- als auch die Südost-Küste überblicken können.

Oben angekommen, spüren wir dann sehr deutlich am eigenen Leib, warum sich die majestätischen Gleiter, die aber mit ihrer enormen Flügelspannweite nicht zu den eleganten Startern gehören, diesen Ort für ihre Brutkolonie ausgesucht haben. Der Wind bläst uns ganz ordentlich um die Ohren. Für die Albatrosse hat das den Vorteil, dass sie eigentlich nur die Flügel ausbreiten müssen und schon können sie lossegeln. Für unsere Fotografen an Bord hat es jedoch den Nachteil, dass es sich als kolossal schwierig erweist, die Kameras mit ihren außerordentlichen Objektiven dran stabil genug zu halten, um ein tolles, scharfes Foto dieser wunderschönen Tiere zu bekommen. Im starken Wind tauchen sie plötzlich über der Klippe auf, um gleich darauf wieder zu verschwinden.

Während wir langsam zum Schiff zurück kehren, haben einige von uns das Glück, an einem kleinen „Nebenstrand“ die Geburt eines See-Elefanten mitzuerleben. Persönlich werde ich leider erst darauf aufmerksam, als die Skuas beginnen, sich um die Nachgeburt zu streiten. Bedeckt mit schwarzem Fell und viel zu klein für seine Haut liegt das Würmchen am Strand und ruft nach seiner Mutter.

Der englische Begriff für diese Kleinen ist übrigens „Wiener“ – tatsächlich abgeleitet von den Wiener Würstchen. Innerhalb von wenigen Tagen werden sich diese Kleinen in ordentlich dicke „Brühwürstchen“ verwandeln…

Am Nachmittag steht dann ein Landgang in der Right Wale Bay auf dem Programm. Mit wenig Wind und recht glatter See landen wir an diesem breiten und tief ins Land hineinreichenden Strand an. Wieder empfangen uns See-Elefanten und kleine Königspinguin-Karawanen wandern am Strand entlang. Zwei Jungbullen veranstalten – als sei es nur für uns zur Veranschaulichung ihrer ungeheuren Kraft und Masse – einen Schaukampf.

Hier erfahren wir innerhalb kurzer Zeit, wie wechselhaft sich das Wetter auf Südgeorgien präsentieren kann – bisher konnten wir ja nur den Aussagen von Martin und Elke glauben. Plötzlich zieht es zu, enorme Winde peitschen vom Land über die Strandebene über uns hinweg und es fängt auch noch an zu schneien. Streckenweise müssen wir uns wirklich sehr gegen die Naturgewalten anstemmen, um nicht umgepustet zu werden.

Mit dem Wissen, dass am Ende des Landgangs eine warme Kabine, eine warme Dusche und eine warme Mahlzeit auf uns wartet, können wir aber alle dieses außergewöhnliche Erlebnis genießen. Praktischerweise findet sich am Rand der Königspinguinkolonie ein kleiner, alleinstehender Felsen, in dessen Windschatten wir uns alle zusammen drängen. So beobachten wir die Tiere, die hier am Ziel ihrer Karawane angekommen waren. Viele von uns sind schwer beeindruckt, wie gut die Pinguine mit den vorherrschenden Wetterverhältnissen zurecht kommen.

Schließlich hatte der Wind den einen oder anderen von uns ja schon mehrfach fast von den Beinen gerissen… Der Weg zurück zum Schiff ist leichter als gedacht – wir hatten ja auch ausreichend Rückenwind. Nur der Schneefall erschwert das ganze etwas – unser Fahrer Olle sagt scherzhaft, dass wir ihm doch bitte Bescheid sagen sollen, wenn wir ein Schiff sehen. Tatsächlich war die Ocean Nova komplett im Schneetreiben aus dem Blick verschwunden.

Beim Recap am Abend veranstaltet Martin ein kleines Ratespiel. Es lautet: Welche maximale Windstärke haben wir heute Nachmittag an diesem Strand erlebt? Und das Ergebnis: Zu Spitzenzeiten hatte der Wind tatsächlich Orkanstärke I! Beim Abendessen sehe ich trotzdem – oder gerade deswegen – nur begeisterte Gesichter.

Text: Stephani Drücker

Menschliche Akteure in diesem Beitrag:
Stephani Drücker, unsere Kollegin an Bord
Martin Enckell, der schwedische Expeditionsführer
Elke Lindner, Guide aus Deutschland
Olle Carlsson, Dozent aus Schweden

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