Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Große Antarktis-Kreuzfahrt: 18.10. - 12.11.2013

Publiziert: Montag, den 04. November 2013

Dienstag, 29.10.2013: Südgeorgien strahlt uns unter einer Neuschneedecke entgegen

Auge in Auge mit dem Pinguin

Für heute Morgen ist ein Landgang auf Prion Island angekündigt. Hier findet sich die einzige Brutkolonie der Wanderalbatrosse, die auf Südgeorgien überhaupt noch besucht werden kann. Da diese Art ganz besonders gefährdet ist, gelten für den Besuch noch strengere Regeln als auf dem Rest der Insel. Die Anzahl der Besucher, die gleichzeitig auf der Insel sein dürfen, ist noch mal stark reduziert, die Aufenthaltsdauer  auf 2 Stunden gekürzt und wir dürfen uns nicht frei bewegen, sondern müssen auf den angelegten Holzstegen und Aussichtsplattformen bleiben. Von Mitte November bis Anfang Januar ist eine Anlandung komplett untersagt.

Um diese Ausnahmeregeln einhalten zu können, werden wir ausnahmsweise in die deutschsprachige und die schwedische Gruppe geteilt. Während wir die Insel erkunden, gibt es für die Schweden einen Vortrag in der Panorama-Lounge und eine Zodiac-Fahrt durch die Bay of Iles. Sobald wir auf Prion Island in die Zodiacs steigen, beginnt der Zodiac-Cruise für uns und anschließend wird Dierk einen Vortrag über Robben halten.

Nach dem letzten Briefing am Strand mit erneuter Wiederholung der Verhaltensregeln und dem finalen Timing für unseren Landgang ist Tilla die erste, die die Holzstege betritt und ihre Spuren im jungfräulichen Neuschnee hinterlässt. Alles vor uns strahlt im schönsten „Winter-Outfit“, die Aussicht ist genial. Von den Aussichtsplattformen entdecken wir einige Wanderalbatros-Jungtiere des vergangenen Sommers, die kurz davor stehen, flügge zu werden. Zum größten Teil tragen sie schon ihr richtiges Gefieder, zwischendurch finden sich aber immer noch Stellen, die vom flauschigen Kükenflaum bedeckt sind.

Wer sich nicht lange von den Eselspinguinen und See-Elefanten am Strand oder der grandiosen Aussicht hat ablenken lassen und somit schnell genug auf der obersten Aussichtsplattform ankommt, wird Zeuge, wie ein Elternteil zur Fütterung zu seinem Nachwuchs zurück kehrt. Viele der „halbstarken“ Albatrosse sitzen einfach nur gemütlich in ihrem Nest und harren der Dinge, die da kommen mögen. Andere sind eifrig damit beschäftigt, ihre schon sehr beeindruckenden Schwingen auszubreiten und Trocken-Flug-Übungen durchzuführen. Mit etwas bzw. leider auch etwas mehr Glück – das wir ihnen allen wünschen – werden sie irgendwann einmal eine Flügelspannweite von über 2,50 Metern erreichen!

Nachdem sich die Wolken kurzfristig mal zusammenziehen, genießen wir auch unsere Zodiac-Fahrt wieder im strahlenden Sonnenschein. Nur der leichte Wind macht es an einigen Stellen etwas ungemütlich. Wir fahren gemächlich die steile Küstenlinie ab und an den Felsen wabern Algen bei Niedrigwasser durcheinander. Diese Pflanzen könnten gut für den ein oder anderen Alien-Monster-Ekel-Schleim-Kreatur-Designer als Vorlage gedient haben… Auf unserer Fahrt entdecken wir sogar noch einen Seeleoparden, der sich auf einem kleinen Felsen ausruht – eine Rarität hier auf Südgeorgien. Eigentlich halten sich diese Räuber eher in der Antarktis auf.

Während des Mittagessens bringt uns die Ocean Nova zur Salisbury Plain. Wir sind noch nicht mit dem Nachtisch fertig, da werfen wir schon wieder den Anker. Eine unglaubliche Aussicht präsentiert sich vor den Fenstern des Restaurants. Mächtige, schneebedeckte Berge umranden eine weitläufige Ebene mit kleinen Hügeln darin. Mit bloßem Auge erkennen wir von Bord aus die enorme Zahl von Königspinguinen. Ein Besuch an Deck offenbart uns, dass wir die Tiere auch schon riechen und hören können. Der Geruch – noch sehr dezent – ist unbeschreiblich. In jedem Fall könnte er bei empfindlichen Personen schon sehr leicht Übelkeit auslösen. Um den Hauch einer Vorstellung zu bekommen, schnuppert doch einfach mal an einer Flasche Blumendünger mit Guano… Und die Geräusche? Vielleicht würden 1.000 Kinder mit verschiedenen Spielzeughupen und -tröten dem ganzen recht nahe kommen. Immer wieder unterbrochen von den rülpsenden-röhrenden Geräuschen der See-Elefanten.

Da das Wetter sich weiterhin von seiner besten Seite präsentiert, verlängert Martin kurzerhand den Ausflug um knappe 2 Stunden. Wir fahren schon um 15:00 statt um 16:00 Uhr raus und bleiben statt bis 18:30 bis 19:15 Uhr, um so den Sonnenuntergang noch an Land zu erleben.

Wir landen an einem steinigen Strand. Wieder erwarten uns die Harems der See-Elefanten, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen von Königspinguinen. Wendet man sich von der Landestelle nach rechts, kommt man schnell zu einem Schauspiel, das nichts für Zartbesaitete ist: Am Strand liegt der Kadaver einer See-Elefantenkuh und eine Horde Riesensturmvögel kämpft um jeden Brocken Nahrung. Haben wir die Vögel bisher nur als elegante Segler, die unser Schiff begleiten, erlebt, so zeigen sie uns hier ihre „hässliche“ Seite.

In der anderen Richtung geht es zur enormen Brutkolonie der Pinguine. In ähnlicher Geschwindigkeit wie die tapsigen Pinguine bewegen wir uns über den Strand, um die Tiere nicht zu stören. Immer wieder müssen wir stehen bleiben, weil ein Pinguin von rechts oder links unseren Weg kreuzen will. Und Pinguine haben immer Vorfahrt. Häufig bleiben sie stehen und schauen uns an, als würden sie sich fragen, was das denn wohl für komische, große Pinguine sind, die sich plötzlich auf ihrem Strand aufhalten. Macht man sich dann klein und geht in die Hocke gehen sie dann meistens weiter – manchmal machen sie aber auch einen kleinen Abstecher und kommen auf uns zu, um uns komische Vögel einer genaueren Inspektion zu unterwerfen.

Die Szenerie könnte schöner nicht sein. Die Ebene ist noch mit Neuschnee bedeckt, in den Bergen im Hintergrund wehen starke Winde, die immer wieder aus der Entfernung erkennbare Schneetreiben verursachen und wir befinden uns am Rand einer der größten Königspinguin-Brutkolonien Südgeorgiens. Die braunen, puscheligen Jungtiere vom letzten Sommer stehen in großen Kindergärten zusammen, zwischendurch kommt immer mal wieder ein Elternteil vorbei, um den Nachwuchs zu füttern.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Schon geht die Sonne unter und es wird schnell merklich kühler, der Wind frischt auf. Das Licht ändert sich, die Berge liegen plötzlich bläu lich vor uns und die Wolken scheinen gelblich. Gut zu wissen, dass wir innerhalb kürzester Zeit wieder gemütlich an Bord zurück sind…

Beim Recap verkündet uns Martin, dass das gute Wetter wohl auch morgen anhalten wird. Müde nach den Erlebnissen des Tages ist schon bald nach dem Abendessen Ruhe an Bord.

Text: Stephani Drücker

Akteure in diesem Beitrag:
Stephani Drücker, unsere Kollegin
Dierk Ronneberger, Guide aus Deutschland
Tilla, eine Passagierin
Martin Enckell, der schwedische Expeditionsleiter

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.