Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Große Antarktis-Kreuzfahrt: 18.10. - 12.11.2013

Publiziert: Dienstag, den 05. November 2013

Donnerstag, 31.10.2013: 500.000 Königspinguine in „Penguin-City“

Pinguine und See-Elefanten und Ausflugswetter

Falls irgendjemand gedacht hat, gestern hätte der Tag schon früh begonnen, so erfahren wir heute, dass durchaus noch mehr geht. Martins und Elkes Stimmen erklingen heute schon um 05:30 Uhr aus den Lautsprechern. Es steht aber auch keine „normale“ Anlandung auf dem Programm, sondern wir sind heute zu Besuch in Penguin-City, in der St. Andrews Bay.

Schon um 06:00 Uhr geht es los an den Strand. Wieder strahlt die Sonne über uns und die wasserdichte Bekleidung ist für die Zodiac-Überfahrt fast überflüssig, da die See so ruhig ist. Gerade am Strand türmen sich die Wellen aber doch ganz schön auf, so dass unsere Guides alle Hände voll zu tun haben, um die Zodiacs zu drehen, so dass wir bequemer aussteigen können.

Speziell David begibt sich dafür, ohne es zu ahnen, quasi fast in Lebensgefahr ;-): Während er hüfttief im Wasser steht, sieht er plötzlich nur ca. einen Meter vor sich einen Seeleoparden, der wohl gerade damit beschäftigt ist, sein Frühstück zu jagen. Da David Berg aber nur sehr begrenzt Ähnlichkeit mit einem Pinguin hat, war die Gefahr für sein Leben aber wohl doch nicht ganz so groß …

Organisatorisch haben wir heute zwei Möglichkeiten: Entweder, wir fahren um 09:15 Uhr für einen frühen Brunch wieder zurück zur Ocean Nova um gegen 11:00 Uhr wieder an den Strand zurück zu kehren oder aber wir verzichten auf den Brunch und bleiben bis 14:00 Uhr durchgängig an Land. Gut zehn von uns entscheiden sich tatsächlich für diese Option.

Wie eigentlich an jedem Strand, den wir in den letzten Tagen besucht haben, erwarten uns dort in der ersten Linie wieder die See-Elefanten. Und sie sind komplett mit der Fortpflanzung beschäftigt. Eine so hohe Dichte an Bullen, die um die Kühe kämpfen, haben wir bisher noch nicht erlebt. Die tonnenschweren Tiere robben sich tatsächlich in einer Geschwindigkeit über den Strand, die man diesen massigen Tieren einfach nicht zutrauen würde. Und das auch im Rückwärtsgang. Auf dem Weg zur Pinguinkolonie heißt es daher immer wachsam sein …

Der Strand wird durch einen Schmelzwasserbach in zwei Teile geteilt. Entlang seines Ufers stehen zahllose Pinguine möglichst reglos herum. Die armen Kerle müssen gerade die alljährliche Mauser über sich ergehen lassen. Während dieses kräftezehrenden Prozesses sind sie für ca. 2 Wochen an Land gebunden, da ihr Gefieder nicht mehr wasserdicht ist. Die Kombination aus altem und neuen Gefieder lässt die verrücktesten „Frisuren“ entstehen.

Ich entdecke einen Pinguin mit Irokesen-Schnitt, einen anderen mit der Frisur von „Professor Hastig“. Ein dritter steht tatsächlich in Pumphosen und BH vor mir…

Beim Blick auf die Kolonie bieten die Pinguine ein ganz anderes Bild. Paare, die einerseits noch mit der Aufzucht ihres Nachwuchses vom Vorjahr beschäftigt sind, üben sich trotzdem schon in ihren Balzritualen. Andere Paare sind ernsthaft mit der Balz beschäftigt. Sie werben umeinander, auch wenn sie möglicherweise schon seit Jahren den gleichen Partner haben.

Auf dem Rückweg zu den Zodiacs hat sich die Situation am Strand inzwischen extrem zugespitzt. Es gibt nur eine Stelle, an der wir den Schmelzwasserbach überqueren können, weil seine Ufer ansonsten wie gesagt dicht an dicht mit Pinguinen bestanden sind. Direkt vor unserem Ausstieg haben sich nun aber 4 See-Elefantenbullen eingefunden, die den Platz davor zu ihrer „Arena“ erklärt haben. Sobald sich ein kleines Grüppchen von uns versammelt hat, geleiten uns Dierk und David sicher durch die kräftemessenden Halbstarken.

Um 14:00 Uhr kehren wir dann alle wieder glücklich und hungrig und einige auch mit einem leichten Sonnenbrand an Bord der Ocean Nova zurück. Während die Crew schon mit Anker lichten beschäftigt ist, treffen wir uns zur Tea-Party in der Panorama-Lounge. Unsere Fahrt geht weiter zur Royal Bay, für 16:30 Uhr ist dort ein Landgang bei Moltke Harbour vorgesehen.

Hier hat das Wetter nun aber andere Pläne mit uns. Die Royal Bay empfängt uns mit katabatischen Winden in Orkanstärke. An einen Landgang an einem der wenigen Orte in der Antarktis, an dem wir deutsche Polargeschichte besichtigen könnten, ist also nicht zu denken. Statt dessen steuern wir die Gletscherkante des Ross-Gletschers an. Der Aufenthalt auf dem Aussichtsdeck im Sonnenschein bei Windgeschwindigkeiten um die 70 Knoten, mit Blick auf die blau scheinende Gletscherfront, hat aber durchaus das Zeug dazu, uns für den entgangenen Landgang zu entschädigen. Naturgewalten zum hautnahen Erlebnis in sicherer Umgebung…

Auch hier, so dicht am Ende der Welt, haben wir nicht vergessen, dass heute Halloween ist. So gibt es zum Recap Punsch und einige wenige haben auch eine Verkleidung dabei. Nachdem uns Martin im Recap allerdings den morgigen Zeitplan vorstellt, wird sicher niemand mehr im Anschluss an das Abendessen zum Feiern zurück in die Lounge gehen …

Text: Stephani Drücker

Mitwirkende in diesem Blogbeitrag:
Stephani Drücker, unsere Kollegin
Martin Enckell, der schwedische Expeditionsleiter
Elke Lindner, Guide aus Deutschland
David Berg, schwedischer Guide
Dierk  Ronneberger, Guide aus Deutschland
Hunderte, Tausende von See-Elefanten und Pinguinen …

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