Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Große Antarktis-Kreuzfahrt: 18.10. - 12.11.2013

Publiziert: Mittwoch, den 06. November 2013

Freitag, 01.11.2013: Sonnenaufgang in Gold Harbour

Südgeorgien, der letzte Tag

Sonnenaufgang? Ja, Sonnenaufgang! Ich hatte ja schon erwähnt, dass Martin uns versprochen hat, das Bestmögliche aus unserem Aufenthalt auf Südgeorgien herauszuholen, oder? Und auch, dass er uns so viel Zeit wie nur geht an Land geben möchte? Tja, und so kommt es dann zu einem Weckruf um 03:30 Uhr – 04:00 Uhr an Land. Im Hinblick auf das Wetter bleiben Martin und Elke zwar relativ vage – und trotzdem stehen wir fast alle auf – kaum jemand möchte sich das Schauspiel entgehen lassen. Nur ca. 15 von uns entscheiden sich für die zweite Ausbootzeit um 06:00.

Und das Aufstehen hat sich gelohnt. Nicht nur, dass wir tatsächlich einen wunderschönen Sonnenaufgang miterleben dürfen, nein, wir befinden uns auch noch an dem Ort Südgeorgiens, der tatsächlich die höchste Tierdichte pro Quadratmeter aufweist. Direkt an unserem Anlandungspunkt sind die See-Elefanten enorm aktiv. Hier befindet sich ein Harem , für den sich bisher noch kein „Beachmaster“, also noch kein dominierender Bulle, gefunden hat.

Entlang eines mit Fahnen markierten Pfades führen uns die Guides Zodiac für Zodiac an einen etwas höher gelegenen Platz am Strand, wo wir kurz unsere Rettungswesten ablegen. Und weiter geht es den markierten Pfad entlang, durch einen kleinen Bach bis ins Tussock-Gras. Hier finden wir alle ausreichend „gemütliche“ Sitzgelegenheiten, um das Schauspiel in aller Ruhe genießen zu können. Aber der Sonnenaufgang ist wahrlich nicht das einzige Schauspiel, dass wir an diesem Morgen zu sehen bekommen.

Ein See-Elefanten-Bulle scheint am Tag vorher so viele Kämpfe um den schon erwähnten Harem ausgetragen zu haben, dass er die Nacht nicht überlebt hat. Wir müssen an seinem Kadaver vorbei, um durch den Bach zu gelangen. Er kann wirklich noch nicht lange tot sein, denn die Riesensturmvögel beginnen gerade erst damit, seine Haut aufzubrechen, um irgendwie an Blubber und Fleisch zu gelangen. Das Schauspiel übt tatsächlich neben dem farbenfrohen Sonnenaufgang auch eine schaurige Faszination auf uns alle aus. Wir erleben erneut ein Programm der Extreme.

Auf den Fotos vom Sonnenaufgang präsentieren sich alle Farben des gelben, roten und blauen Spektrums und die Fotos vom Kadaver mit den Sturmvögeln sind fast nur grau in grau – einzige Farbtupfer sind das leuchtend rote Blut, mit dem die Vögel teilweise von oben bis unten verschmiert sind. Wie die Geier streiten sie sich – obwohl ein ausgewachsener See-Elefant doch wohl eigentlich sogar für mehrere Tage genug Nahrung für alle bedeuten sollte.

Wer sich von den streitenden Vögeln losreißen konnte, hat hier in Gold Harbour noch diverse Möglichkeiten für Tierbegegnungen. Im hinteren Strandteil können wir erneut Eselspinguine beim Nestbau und Balzen beobachten und eine kleine Wanderung bringt uns zu einer Kolonie von Ruß-Albatrossen. Die Wanderung bietet sich in jedem Fall an für alle die, die schon früh mit rausgefahren sind. Leicht kühl wird es ja schon, wenn man lange bewegungslos auf einem Tussock-Gras-Büschel sitzt und abwechselnd Sonnenaufgang und Riesensturmvögel beobachtet …

Während des Frühstücks fahren wir weiter zur Cooper Bay. Während der Fahrt ist es zwar überwiegend bewölkt, aber kaum steigen wir in die Zodiacs, kommt wieder die Sonne raus. Wir liegen in einer malerischen Bucht, mit Blick auf Cooper Island, und uns begegnen die ersten großen Eisberge aus der Antarktis. Für den Landgang müssen wir von einem recht kleinen, kieseligen Strand recht steil durch Tussock-Gras eine höher gelegene Ebene erreichen. Links vom Weg liegt ein Schneefeld, auf dem wir den ersten Zügelpinguin sehen. Angesichts der immer noch ungewöhnlich hohen Temperaturen genießt er wahrscheinlich die Kälte des Schnees.

Wir sind hier, um hoffentlich Goldschopfpinguine zu sehen. Diese kleinen Kerlchen zeichnen sich durch  ine ganz außergewöhnliche Frisur aus: Goldgelbe Schmuckfedern am Kopf, häufig wie mit Pomade am Kopf festgeklebt – ähnlich den Herrenfrisuren vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Die englische Bezeichnung lautet daher auch nur „Macaronis“. Laut Lehrbuch sollten die Tiere inzwischen ihre Kolonien bezogen haben – wir haben ja schließlich den ersten November. Aber es scheinen nur wenige von ihnen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Erst ca. 20 Tiere haben den Weg zurück zur Kolonie gefunden. Therese meint, die Beobachtung hätte eine gewisse Ähnlichkeit mit der Beobachtung von Maulwürfen: Immer mal wieder taucht ein Kopf über einem Büschel Tussock-Gras auf, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Nach den tausenden von Tieren ist dieses Erlebnis für einige fast schon etwas enttäuschen – es fehlt die Action der vergangenen Tage…

Nach dem Mittagessen steht unser letzter Programmpunkt auf Südgeorgien an. Wir fahren mit der Ocean Nova in den Drygalski-Fjord, einem sehr langen und schmalen Fjord an der äußersten Südost-Spitze. Durch seine Enge wirken die Berggipfel gleich noch einmal viel beeindruckender. Mehrere kleine Gletscher münden in diesen Fjord und an seinem Ende liegt die Abbruchkante eines weiteren Gletschers. Es müssen schon diverse kleinere Eisabbrüche (Kalben der Gletscher) stattgefunden haben, denn das Wasser ist übersät mit zahllosen Eisstücken.Auch hier erwischen uns wieder katabatische Winde „vom Feinsten“. Und dann nehmen wir Abschied von der schönsten Insel der Welt und machen uns auf Richtung Antarktis.

Beim Recap bereitet uns Martin auf die kommenden Tage vor. In der Nacht und wohl auch morgen wird die See wohl noch einigermaßen ruhig bleiben. Danach wird uns dann aber voraussichtlich voll die Front eines enormen Tiefdruck-Gebietes treffen. Ankunftszeit in der Antarktis von daher noch total ungewiss. Auch die Eissituation könnte wohl besser sein…

Text: Stephani Drücker

Mitwirkende in diesem Blogbeitrag:
Stephani Drücker, unsere Kollegin
Martin Enckell, der schwedische Expeditionsleiter
Elke Lindner, Guide aus Deutschland
Therese Horntrich, deutscher Guide aus der Schweiz

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