Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Große Antarktis-Kreuzfahrt: 18.10. - 12.11.2013

Publiziert: Montag, den 11. November 2013

Mittwoch, 06.11.2013: Südliche Shetlandinseln

Wir sind endlich angekommen…

… und Martin sorgt gleich wieder dafür, dass wir das Bestmögliche aus unserer Zeit in der Antarktis herausholen. Um 05:00 Uhr werden wir geweckt und nach einem Kaffee und einem kleinen Snack in der Lounge gehen wir um 06:00 Uhr in Yankee Harbor (Greenwich Island, Anm. der Red. :-)) an Land. Als wolle sie uns entschädigen für die ungemütliche Anreise, hält die Antarktis gleich alles, was sie zu bieten hat, für uns bereit. Steigen die Ersten von uns noch bei strahlendem Sonnenschein in die Zodiacs, erwischen die Letzten einen Schneesturm auf dem Weg an Land.

Innerhalb der nächsten zwei Stunden, die wir über eine schmale Landzunge zu einer Brutkolonie von Eselspinguinen und weiter zu einem Gletscher wandern, wechselt das Wetter fast viertelstündlich. Auf strahlenden Sonnenschein folgt wieder ein Schneesturm, um gleich darauf wieder zum blauen Himmel mit kleinen „Schönwetterwolken“ zu wechseln. Auf dem Weg zurück zu den Zodiacs können wir dann zum ersten Mal miterleben, wie kleine Gruppen von Pinguinen aus dem Wasser aufs Eis springen.

Während wir uns beim Frühstück aufwärmen, fährt die Ocean Nova schon weiter zu unserer nächsten Landestelle. Während das Personal noch damit beschäftigt ist, die Tische im Restaurant abzuräumen, sind unsere Guides schon wieder unterwegs, um die Anlandebedingungen auf Half Moon Island zu prüfen.

Gerade wieder warm, finden wir uns also schon wieder in unseren Kabinen wieder, um uns für den nächsten Landgang zu rüsten. Warm eingepackt in bis zu 6 Lagen Bekleidung, Mütze auf dem Kopf, Schal um den Hals und gegürtet mit Rettungsweste und ganz zum Schluss dann auch noch den Rucksack auf dem Rücken kommen wir uns alle vor wie die Michelin-Männchen. Sich zu bewegen, wird so doch schon sehr mühsam…

Am Kiesstrand von Half Moon Bay erwartet uns eine Tierart, die wir bisher noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Eine Weddellrobbe hat sich das Schneefeld oberhalb vom Strand für ein Schläfchen ausgesucht. Für diese Tierart gelten gesonderte Regeln und wir müssen im Abstand von mindestens 20 Metern an ihr vorbei gehen. Nach einem kurzen, steilen Anstieg durch knietiefen Schnee kommen wir auf dem Grad an.

Oben pfeift der Wind wieder ganz ordentlich und treibt uns fast automatisch in Richtung einer Brutkolonie der Kehlstreifenpinguine. Während dem einen oder der anderen von uns auf dem Schnee und den leicht steilen Hängen der Insel bei dem ganzen Wind schon etwas die Beine wackelig werden, kämpfen sich die kleinen Kerle tapfer bergan und bergab. Da auch sie gerade mit Nestbau und Fortpflanzung beschäftigt sind, sehen wir tatsächlich den ein oder anderen von ihnen, der vom Strand ein Steinchen bis in die höchsten Lagen der Kolonie schleppt. Ordentlich „durchgepustet“ und nur leicht nass von der Zodiacfahrt, zurück zum Schiff, wartet dort dann auch schon wieder das Mittagessen auf uns.

Von unserem guten Aussichtspunkt auf der Insel hatten wir ein anderes Schiff in unserer Nähe entdeckt. Über Funk hat Martin Kontakt zu ihnen aufgenommen und herausgefunden, dass es die Plancius ist. Die chinesische Gruppe an Bord hatte gerade 3 Tage Drake-Passage hinter sich – teilweise mit einer Schieflage des Schiffes bis zu 30°. Und auf Grund der starken Winde konnten die heute Vormittag keine einzige Anlandung durchführen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet hatten wir doch eigentlich mächtig Glück auf unserer Überfahrt von Südgeorgien. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg nach Deception Island.

Da auch die Plancius es durch Neptun‘s Blasebalg ins Innere des Kraters schafft, lassen wir den Chinesen den Vortritt für eine Anlandung in Whalers Bay. Statt dessen steuert unser Kapitän die Ocean Nova mitten hinein ins Meereis und parkt hier für die Nacht. Seit Wochen liegt sie nun zum ersten Mal wieder völlig bewegungslos – und ich schwanke weiter, mir fehlt doch tatsächlich etwas…

Auch hier bleibt Martin seinem Versprechen treu und unser Tag ist nach dem Abendessen noch nicht vorbei. Kurzerhand wird der Steg ausgeklappt, über den wir normalerweise die Zodiacs besteigen – und wir machen zum Sonnenuntergang einen Spaziergang auf dem Eis. Bis 22:00 Uhr können wir uns die Beine vertreten, Fußball spielen oder um unser Schiff herumlaufen. Es herrscht eine ausgelassene Atmosphäre und wir genießen dieses außergewöhnliche Erlebnis.

Text: Stephani Drücker

Akteure in diesem Beitrag:
Stephani Drücker, unsere Kollegin
Martin Enckell, der schwedische Expeditionsleiter

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.