Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Große Antarktis-Kreuzfahrt: 18.10. - 12.11.2013

Publiziert: Montag, den 11. November 2013

Donnerstag, 07.11.2013: Es geht weiter auf Deception Island

Pinguine, Pinguine und … Pinguine

Und wir bleiben auch heute unserem Tagesbeginn treu: Wieder werden wir um 05:00 Uhr geweckt und um 06:00 Uhr sitzen wir in den Zodiacs für eine Anlandung in Whalers Bay. Die Sonne ist gerade mal aufgegangen und das Licht ist entsprechend beeindruckend. In der überwiegend schwarz-weißen Landschaft dieses Vulkan-Kraters stellen die rostigen Überreste aus der Walfang-Zeit den einzigen farblichen Kontrast zur Umgebung dar.

Von den Überresten der Gebäude ist die Farbe schon lange abgeblättert und auch die Wände sind nicht mehr komplett erhalten… Bei einem Haus, von dem die komplette Rückwand und das Dach fehlen, blickt man also mitten hinein, in „die gute Stube“. Halb vom Schnee bedeckt, stehen dort noch ein Doppelstock-Bett, ein Esstisch und auch Regale hängen noch an den verbliebenen Wänden.

Da ich mich zu sehr von den stummen Zeugen der Vergangenheit habe aufhalten lassen, schaffe ich zeitlich den Aufstieg zum Aussichtspunkt mit Blick auf die Bransfield Strait nicht. Beim Landestellen-Briefing am Strand hatten wir die Info bekommen, dass wir oben auf dem Grat unbedingt darauf achten sollen, dass der Wind stark von hinten weht… Aber bei dem Wetter haben sich der Aufstieg und „das Risiko“ sicher gelohnt.

Während des Frühstücks passieren wir erneut Neptun‘s Blasebalg, diesmal allerdings aus dem Krater heraus. Als nächstes ist eine Landung an Bailey‘s Head vorgesehen. Wir sind gerade vom Frühstück zurück in der Kabine, da sind die Guides schon wieder im Zodiac unterwegs, um die Landebedingungen zu prüfen. Nur ganz selten lassen es Dünung und Wind zu, hier an Land zu gehen. Doch heute sehen die Bedingungen vielversprechend aus – und tatsächlich sitzen wir kurz darauf wieder im Zodiac.

An einem schwarzen Vulkanstrand aus lauter erbsengroßen runden Kieseln steigen wir aus dem Gummiboot und machen uns auf den Weg zu einer der größten Kehlstreifenpinguin-Brutkolonien der Antarktis. Aufgrund der unglaublichen „Tierdichte“ gelten hier für unseren Besuch etwas strengere Regeln und so begeben wir uns in Gruppen von 15 Gästen, die jeweils von einem Guide begleitet werden, langsam und mit dem notwendigen Mindestabstand hinein in die Kolonie.

Die höchsten Stellen an den Berghängen, die als erstes von Schnee und Eis befreit sind, sind bereits dicht besiedelt – aber auch an den weniger guten Brutplätzen drängen sich schon die Tiere und es werden sicher noch mehr werden. Mehrere Stunden Fußmarsch nehmen die Pinguine auf sich, um vom Strand zu ihrem Nest zu kommen und umgekehrt. Egal, wohin wir schauen, der Ausblick begeistert. Vor uns das pulsierende Leben an den schwarz-weißen Berghängen des Vulkans und hinter uns am Horizont Livingstone Island. Unter einem weiß-blauen Himmel funkelt die schnee- und gletscherbedeckte Insel in der Sonne. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht fahren wir alle zum (etwas verspäteten) Mittagessen zurück auf die Ocean Nova und „setzen Segel“ in Richtung Livingston Island.

Pünktlich zum Zodiac-Cruise entlang der über 5 km langen Gletscherfront des Huntress Gletschers in der False Bay ziehen sich die Wolken etwas dichter über uns zusammen. Und das ist gut so, denn nur bei bedecktem Himmel kann das Eis in allen Varianten von Blau strahlen, die man sich nur vorstellen kann. In gemütlichem Tempo fahren wir die Eiskante entlang und lassen uns von der mal mehr, mal weniger, schroffen, zerklüfteten Abbruchkante des Gletschers beeindrucken.

Und dann heißt es Abschied nehmen von der Antarktis – vor uns liegen nun noch zwei Tage Drake-Passage.

Text: Stephani Drücker

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