Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Große Antarktis-Kreuzfahrt: 18.10. - 12.11.2013

Publiziert: Dienstag, den 12. November 2013

Freitag, 08.11. und Samstag, 09.11.2013: Die berüchtigte Drake-Passage …

… erstaunlich friedlich

Nachdem wir den Schutz der Südlichen Shetlandinseln verlassen haben, wird der Seegang wieder deutlich stärker – aber es bleibt wesentlich ruhiger als auf unserer Überfahrt von Südgeorgien. Der Kapitän hat einen Kurs Richtung Nord-Westen gesetzt. So bekommen wir den Wind schräg von hinten. Und da laut Wetterkarte noch viel Zeit bleibt, bis der Wind wieder zunehmen soll, könnten wir dann kurz vor Feuerland beidrehen und mit Rückenwind um Kap Hoorn Richtung Beagle-Kanal fahren. So der Plan.

An Bord lassen wir es sehr ruhig angehen – es ist leider Zeit, sich langsam auf die Rückkehr vorzubereiten und es tut gut, die Erlebnisse etwas sacken zu lassen. Nur am späten Nachmittag steht noch ein Highlight auf dem Programm. Martin hatte in Grytviken aufgrund seiner guten Beziehungen ja einige „Souvenir-Raritäten“ besorgt, die es nirgends zu kaufen gibt. Darunter alte Seekarten Südgeorgiens und signierte Bücher. Diese Souvenirs konnten wir nun in einer Auktion ersteigern. Der Erlös der Auktion wird – zusätzlich zu den bereits erwähnten „Ratten freien Hektare“- komplett der „Habitat Restoration“ zu Gute kommen. Mit Olle als Auktionator bleibt kein Auge trocken und alle sind begeistert bei der Sache. Am Schluss kommen so über 2.500 € zusammen.

Da der Plan des Kapitäns weiterhin aufgeht, sind wir über Nacht sehr gut vorangekommen und befinden uns am nächsten Morgen schon unerwartet nah an der südamerikanischen Küste. Nachdem es in den letzten Tagen etwas ruhiger um unser Schiff geworden war, begleiten uns plötzlich wieder außergewöhnlich viele Seevögel. Darunter sind auch einige Wander- und Königsalbatrosse. Es ist schon sehr beeindruckend, wenn 3,50 Meter Flügelspannweite an einem vorbei gleiten. Spielerisch umrunden sie die Ocean Nova – beinahe ohne auch nur einmal die Flügel zu bewegen.

Kurz vor dem Mittagessen ist es dann soweit, wir ändern den Kurs und bekommen nun den Wind von hinten. Das Meer ist zwar weiterhin friedlich, aber trotzdem braucht es immer etwas Zeit, bis man sich auf das neue Bewegungsmuster eingestellt hat. Im Restaurant beim Essen hören wir daher wieder vermehrt die verwunderten „Ups“ und „Huchs“, während wir wie geplant Kap Hoorn umschiffen.

Das Recap am Abend heißt heute (leider) Abschieds-Cocktail, das Abendessen ist das Kapitänsdinner und dann sind wir noch zu einer Veranstaltung, die wir auf keinen Fall verpassen sollen, wieder in die Lounge eingeladen.

Beim Abschieds-Cocktail spricht der Kapitän ein Toast auf unsere erfolgreiche Reise aus und lässt alle Stationen noch einmal kurz aus seiner Sicht – mit allen seefahrerischen Herausforderungen – Revue passieren. Beim Kapitänsdinner bekommen wir das emsige Service-Personal, das uns die vergangenen Wochen so unglaublich angenehm umsorgt hat, einmal geschlossen zu Gesicht und Rene, der Hotelmanager, lässt es sich nicht nehmen, jeden einzelnen kurz vorzustellen.

Und nun noch die Veranstaltung in der Lounge. Die Fenster werden wieder abgedunkelt und tatsächlich ist die Panorama-Lounge komplett gefüllt. Die Leinwände sind runter gelassen und dann startet sie – die Diashow, die alle Anlandungen und Erlebnisse noch einmal in den Bildern aufgreift – Pinguine an den weißen Sandstränden von Carcass- und Saunders-Island auf den Falklandinseln. Den Sturm bei unseren Anlandungen in Elsehul und der Right Wale Bay. Den Neuschnee am kommenden Tag auf Prion Island. Penguin-City, Wind in Orkanstärke, Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge, Staubsaugerparties, Eisspaziergänge, und und, und …

Minutenlanger Applaus brandet auf nach dem Gruppenbild unseres Guide-Teams zum Abschluss und dem Abspann, in dem alle Expeditionsteilnehmer noch einmal als Mitwirkende genannt werden. Und vielleicht musste sich ja im Dunkeln neben mir der Eine oder die Andere auch eine kleine Träne aus dem Augenwinkel wischen…

Text: Stephani Drücker

Akteure in diesem Blogbeitrag:
Stephani Drücker, unsere Kollegin
Martin Enckell, der schwedische Expeditionsleiter,
Olle Carlsson, Dozent (und offensichtlich auch Endutainer) aus Schweden
Kapitän und Crew der MS Ocean Nova

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