Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Land & Leute

Robert Edwin Peary Entdecker
Publiziert: Donnerstag, den 03. April 2014

Wettlauf zum Nordpol

Der 06. April – ein Tag, der in der arktischen Polargeschichte so einige Male auftaucht. Und hinter dem sich wilde Geschichten, Märchen und Abenteuer zur Nordpol-Eroberung verbergen.

Um eines gleich vorwegzunehmen: Die Wahrheiten unserer Pol-Eroberer und Nicht-Eroberer wurden von ihnen mit ins Grab genommen. Wir werden nie wirklich wissen, wer damals Lügenmärchen erzählte oder wer den Ruhm wirklich verdiente. Aber begleiten Sie uns auf eine kleine Reise, die der Frage folgt: Wer war der erste Mensch am Nordpol?

Die Protagonisten unserer Geschichte:

Robert Edwin Peary Polarforscher EntdeckerRobert Edwin Peary – US-amerikanischer Polarforscher – unternahm einige Expeditionen nach Grönland und mit seiner Expedition 1905/1906 schaffte er den Vorstoß auf 87°6‘ nördliche Breite, nur 270 km vom Pol entfernt, und schaffte einen neuen Rekord. Seine Eroberung des Nordpols: 06.04.1909.

Dr. Frederick Cook – US-amerikanischer Entdecker, Polarforscher und Arzt. Der ehemalige Schiffsarzt an der Peary-Expedition 1891/1892 war später auch als Arzt an der Belgica-Expedition unter Adrien de Gerlache de Gomery in die Antarktis beteiligt. Außerdem behauptete er 1903 mit seiner Mannschaft als Erster den Mount McKinley in Alaska bestiegen zu haben. Seine Eroberung des Nordpols: 21.04.1908.

Sir Wally Herbert – Britischer Polarforscher. Im Zuge seiner Transarktis-Expedition erreichte er auf den Tag 60 Jahre nach der ersten vermeintlichen Eroberung des Pols den Nordpol. Die Expedition dauerte 467 Tage und wurde aus der Luft versorgt. Seine Eroberung des Nordpols: 06.04.1969.

Hinzu kommen viele Nebendarsteller…

Der Kampf um den Nordpol – Auf dem Landweg

Beginnen wir mit der Aussage von Robert Edwin Peary, der behauptete den Pol am 06. April 1909 als Erster erreicht zu haben. Die Geschichte seiner Poleroberung wird bis heute immer wieder stark angezweifelt und doch wurde ihm der Titel von der National Geographic Society zugesprochen und er gilt noch heute in den USA als Entdecker des Nordpols. Zweifel gibt es dennoch einige…Aufgebrochen zu seiner Polarexpedition ist er mit fachkundigen Entdeckern und Wissenschaftlern.

Dr. Frederick Cook Entdecker Polarforscher NordpolSein Ziel erreichte er mit 4 Inuit und seinem Begleiter Matthew Hanson. Keiner von diesen war in der Lage, die Messungen Pearys zu bestätigen – warum sucht er sich gerade den unwissenden Teil seiner Truppe aus? Lag es daran, dass er Angst hatte, ein anderer könne sofort seinen angeblichen Erfolg widerlegen? In seinem Routenbuch erklärte er weder Hin- noch Rückweg. Von der Erreichung des Ziels steht keine Silbe im Tagebuch, doch eigentlich schrieb Peary jeden seiner Gedanken penibel auf. Seinen Jubel schreibt er auf ein paar losen Blättern nieder, die im Tagebuch lagen – wurden diese erst später geschrieben? Täglich kam seine Mannschaft 20 km weit und plötzlich will er in 4 Tagen 250 km geschafft haben. Selbst heute kommen Forscher mit ihren Hundeschlitten nicht viel weiter als 35 km am Tag. Seine Fotos beweisen lediglich, dass er sich in einem Umkreis von 110 km um den Pol herum befand. Auch mit der Beschreibung seiner Reise hielt er sich sehr zurück.

Anfangs interessierten sich die Leute sowieso eher wenig für seinen Erfolg, denn kaum meinte Peary nun den Heldenstatuts erlangt zu haben, meldet sich Dr. Frederick Cook zu Wort – er habe den Nordpol bereits ein Jahr zuvor, am 21.April 1908, erreicht! Die Presseschlacht war eröffnet. Cook hatte mangelnde Beweise für seine Behauptung und war nur mit 3 Inuit unterwegs, deren Geschichten auch noch widersprüchlich waren. Nur wenige hielten zu Cook, darunter sein Freund Roald Amundsen. Als dann auch noch anhand von Bildern entlarvt wurde, dass Cook, der den Mount McKinley 1903 in Alaska als Erster bestiegen haben will, auf einem viel kleinerem Berg in der Gegend unterwegs war, verlor er vollständig seine Glaubwürdigkeit. Der Status als Entdecker des Nordpols wurde ihm aberkannt und er kam später sogar noch ins Gefängnis- dies hatte aber andere Gründe. Immerhin war er ein hartnäckiger Geselle: Noch mit 70 Jahren kämpfte er für die Aufklärung und Untersuchung seines Nordpol-Falls und Bestand auf seinen Sieg. Lange Zeit wurde der Versuch, den Nordpol auf dem Landweg zu erreichen quasi „auf Eis gelegt“ . Dann machte sich Sir Wally Herbert mit drei Begleitern, vier Hundeschlitten und vierzig Huskies auf den Weg. Die Expedition wurde aus der Luft versorgt. Trotz der Schwierigkeiten der Reise durch Schmelzwasserteiche und Packeis erreichte Herbert den Nordpol am 06.April 1969.

Zum Nordpol geschafft haben es bis dahin bereits mehrere, da bislang nicht bewiesen werden konnte, ob Peary oder Cook am Nordpol gewesen sind, ist Herbert aber zweifelsfrei der Erste, der es auf dem Landweg dorthin schaffte.

Fortsetzung folgt…

Nordpol ExpeditionDoch wer und vor allem wie gelangten die Anderen zum Nordpol, wenn nicht über den Landweg? Welche Rolle spielen Roald Amundsen, Umberto Nobile oder Richard Evelyn Byrd in der Eroberung des Nordpols? Selbst wenn diese nicht, wie Herbert, mit ihren eigenen Füßen darauf standen, so waren sie schließlich doch die ersten vor Ort, oder nicht?! Wir werden uns diesem spannenden Teil der Nordpol-Geschichte bald widmen. Wenn Sie nun bereits das Fieber gepackt hat und sie mehr über die polarverrückten Forscher und Entdecker erfahren möchten, stöbern Sie doch mal in unserem Lexikon. Dort haben wir noch die ein oder andere Anekdote und Geschichte für Sie parat. Auch über die „Pol-Eroberungen“ gibt es dort noch viel zu erfahren. Und bis zum nächsten Blog stellen Sie sich doch nach all diesen Ungereimtheiten mal die Frage: „Wer war denn nun als Erster am Nordpol?“

Text: Kimberly Tahn

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