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Polarguide Kerstin Langenberger
Publiziert: Mittwoch, den 09. April 2014

Die Polar-Kreuzfahrten Guides stellen sich vor

Heute: Kerstin Langenberger

Name: Kerstin Langenberger
Geburtsjahr: 1982
Geburtsort: Rheinland
Wohnort: Planet Erde 🙂
Vom Polarvirus infiziert: im Jahr 2001
Polare Themenschwerpunkte: alles was auch nur irgendwie mit Natur zu tun hat

Wann war Dein erster Einsatz als Guide auf Spitzbergen und mit welchem Schiff warst Du unterwegs?

Als Guide auf Spitzbergen habe ich seit 2011 gearbeitet, das erste Mal mit einem Schiff aber war ich im Jahr 2012 unterwegs: auf der Ocean Nova.

Das erste Mal… einem Eisbären in seinem Lebensraum begegnen – Wann war es bei Dir soweit und was hast Du gedacht und gefühlt?

Das war auf der besagten ersten Reise auf der Ocean Nova im Sommer 2012. Ich hatte da schon ein Jahr lang in Longyearbyen gelebt und in all den Monaten keinen Eisbären zu Gesicht bekommen. Unter anderem deswegen habe ich mich als Guide bei PolarQuest / Polarkreuzfahrten beworben, denn um Bären sehen zu können, muss man sich dorthin bewegen, wo sie sich bevorzugt aufhalten: im Packeis. Und dort trafen wir dann auf meinen ersten Bären: ein junges Männchen, das mindestens so neugierig auf uns war, wie wir auf ihn, und das unmittelbar ans Schiff herankam. Wir hatten wirklich sehr großes Glück; nicht immer sind die Bären so kooperativ!

Die Eisbären in Ihrer natürlichen Umgebung erleben zu dürfen, hat mich tief beeindruckt. Diese wunderschönen Tiere sind absolut perfekt angepasst an Eis und Kälte, ihre Existenz in dieser scheinbar lebensfeindlichen Umgebung grenzt an ein Wunder. Dass dieses Wunder durch den Klimawandel akut gefährdet ist, stimmt mich sehr traurig. Spätestens seit dieser ersten Eisbärenbegegnung ist Klimaschutz für mich wichtiger denn je geworden – man kann also sagen, dass diese eine Begegnung wirklich tiefe Spuren bei mir hinterlassen hat!

Hast Du ein Erlebnis auf einer Tour mit Polar-Kreuzfahrten, welches Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Was mich an der Arktis so fasziniert, ist, dass kein Tag und keine Reise der anderen gleicht. Der Sommer 2013 war geprägt von vielen extrem tollen Eisbärenbegegnungen, der Sommer 2012 aber war der Sommer der Buckelwale. Und da ist mir eine Begegnung ganz besonders in Erinnerung geblieben. Wir kamen gerade mit den Zodiacbooten zurück von einer Walrosskolonie, da sahen wir den Blas mehrerer Wale im Schein der tiefstehenden Mitternachtssonne aufleuchten. Spontan verschoben wir die Rückkehr an Bord. Es war die perfekte Nacht; kein Wind wehte, das Meer lag wie ein perfekt-spiegelnder See vor uns, alles war in goldene Farben getaucht. Wir schalteten die Motoren der Schlauchboote ab und dümpelten still auf den seichten Wellen, gespannt darauf wartend, dass die Wale wieder Luft holen würden. Plötzlich sahen wir überall Blasen aufsteigen; wir wurden Zeugen des sogenannten „bubble net feeding“. Die Wale produzierten einen Vorhang aus aufsteigenden Luftblasen, um ihre Nahrung (kleine Fische) unter der Wasseroberfläche zusammenzutreiben. Auf einmal tauchten zwei riesige Mäuler direkt neben uns auf: zwei Buckelwale labten sich an dem von ihnen zusammengetriebenen Fischschwarm. Sie schwammen langsam an uns vorbei; so nah, dass wir ihren fischigen Atem rochen und ihre Wellen unser Zodiacboot bewegten. Das Schnauben ihres Blas klingt heute noch in meinen Ohren nach; eine melodische Explosion aus spritzendem Wasser, unterlegt mit einem heiseren Trompeten. Nach zweimaligem Luftholen tauchten die beiden Wale dann ab, streckten zum Abschied ihre Fluken in die Höhe, die mal eben so breit waren, wie unser Schlauchboot lang war. Dann verschwanden sie wieder in der dunklen Tiefe des breiten Fjords.

Welche Deiner vielfältigen Aufgaben als Mitglied eines Expeditionsteams macht Dir am meisten Spaß?

Alles, was sich draußen abspielt: sei es Zodiacfahren oder Wandern, die Tierbegegnungen oder die stillen Momente, an denen man die einzigartigen Landschaften genießen kann. Es macht mir viel Freude, wenn ich andere für die Schönheiten der Natur begeistern kann, ihnen die Augen für Details öffnen oder ihnen Fragen beantworten kann. Genauso spannend finde ich es aber auch, für andere und von anderen zu lernen: wir haben tolle Lektoren und Fachleute mit an Bord, und das fachsimpeln mit ihnen und den Gästen macht wirklich viel Spaß!

Bringt die kleine Gruppe und die familiäre Atmosphäre an Bord der MS Quest Vorteile für Deine Arbeit? Und für die Gäste?

Ja klar! Die Quest ist zwar klein, Platz ist hier absolute Mangelware, aber die Vorteile überwiegen für mich um Längen! Je kleiner die Gruppe, desto näher ist man den Gästen und desto spontaner und schneller kann man auf Unerwartetes reagieren. Der Bug der Quest ist nur wenige Meter über der Wasseroberfläche begehbar: damit ist man den Tieren viel näher, als auf den großen Schiffen. Und dann hat die Quest kaum Tiefgang, das heißt, wir können in flachen Gewässern fahren und halten uns eher in Landnähe auf. Menschen mit Seekrankheit, und dazu gehöre leider auch ich, gewöhnen sich schnell an das sanfte Schaukeln. Last but not least ist die Crew einfach wunderbar: lauter liebenswerte und hervorragend ausgebildete Menschen. Ich freue mich schon sehr auf meine Reisen auf der Quest!

Was tust Du in der Zeit, wenn Du gerade mal nicht als Guide eine Expeditionskreuzfahrt begleitest?

Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich; ich liebe neue Herausforderungen! Unter anderem habe ich schon als Schlittenhundetrainer, Ranger und Hüttenwart gearbeitet und bin mit Greenpeace auf der Rainbow Warrior unterwegs gewesen. Momentan reise ich jedes Frühjahr mit meiner Live-Reportage „Inseln des Nordens“ durch die deutschsprachigen Länder und versuche, den Menschen den hohen Norden mit all seinen Wundern und Problemen nahe zu bringen. Ich bin Naturliebhaber, Naturschützer und Naturfotograf mit Leib und Seele: das lässt sich ganz wunderbar mit meinem Leben als Guide vereinen!

Was sagt Deine Familie zu Deinem nicht ganz ungefährlichen Job?

Risiken gibt es doch überall: ich halte es beispielsweise für weitaus gefährlicher, im deutschen Straßenverkehr unterwegs zu sein! Meine Familie weiß, dass ich die Natur mit all ihren Risiken sehr gut einschätzen kann und alles tue, um mich und meine Gäste vor Schaden zu bewahren. Man muss versuchen, einen gesunden Respekt vor potentiellen Gefahren zu bewahren und darf sich nicht selbst überschätzen. Ein gewisses Restrisiko wird immer bleiben, klar – aber das ist in der Zivilisation nicht anders, als draußen in der Arktis!

Mal abgesehen von Spitzbergen – Welche Regionen der Erde haben es Dir besonders angetan oder gibt es ein Ziel (Ziele?), das Du noch nicht kennst aber unbedingt einmal in Deinem Leben sehen möchtest?

Ich bin der Kälte absolut verfallen: die Polregionen reizen mich am meisten, und da besonders Island, Svalbard, Grönland, die Antarktis und Südgeorgien. Ich lerne Gegenden gerne richtig gut kennen, statt sie nur oberflächlich zu besuchen, kehre gerne an gleiche Orte zurück. Von daher, nein, die Welt ist zwar groß und sicherlich extrem reizvoll, aber diese vier Inseln und ein Kontinent reichen mir erstmal zur Genüge!

Zum Abschluss ganz kurz in einem Wort: Eine Expeditionskreuzfahrt nach Spitzbergen mit Polar-Kreuzfahrten ist … ?

augenöffnend

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