Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Polallerlei

Huskytour Hundeschlitten
Publiziert: Donnerstag, den 24. April 2014

Die Sirius-Patrouille in Grönland

Durchschnittlich -10° C, kein Kontakt zur Außenwelt, zwei Jahre lang mit nur einem Menschen und 11 Hunden per Schlitten unterwegs sein… Klingt nach einer unserer Geschichten über die ersten Polarforscher, doch genau so leben 14 dänische Streitkräfte in Grönland. Zusammen mit ihrer eigenen Zucht von 80 Hunden bilden sie die Fernspäh-Hundeschlitten-Einheit, genannt SIRIUS-Patrouille.

Stationiert sind 12 der Männer in Daneborg, einer ehemaligen Wetterstation, und zwei weitere in Mestersvig, dem militärischen Außenposten. Um sie herum ist keine Spur jeglicher Zivilisation – nur der Nordost-Grönland-Nationalpark mit einer Fläche von 972.000 km². Der nächstgelegene Ort Ittoqqortoormiit liegt ganze 500 km entfernt und selbst hier leben gerade einmal um die 460 Inuit.

Nachdem im Sommer die umliegenden Versorgungsdepots per Helikopter, Flugzeug und Kutter eingerichtet wurden, verlassen die Soldaten im Winter ihre kleinen Siedlungen und in 2-Mann-Teams mit je 11 Schlittenhunden legen sie jeweils 5.000 km in der Schneewüste des Nationalparks zurück. Der 90 kg schwere Schlitten wird mit einer Expeditions-Ausrüstung von bis zu 400 kg beladen und die tägliche Marschstrecke beträgt 30 – 50 km. Die Nachtlager (Biwaks) finden im Zelt oder in einer der 65 Versorgungshütten statt. Immer mit dabei: Gewehre, um sich im absoluten Notfall gegen Eisbären schützen zu können.

Hier in Grönland ist 80 % der Fläche ständig mit Eis bedeckt und ein Leben, wie wir es als Westeuropäer kennen, gibt es dort nicht. Warum setzt Dänemark seine Streitkräfte diesem unwirtlichen Lebensraum aus? Was ist eigentlich das Ziel dieser jährlichen Operation? Und welche Aufgaben haben die Männer? Es wird wohl kaum das Training im Hundeschlitten fahren im Vordergrund stehen…

Eis vor Grönland
Grönlandisches Eis

Fangen wir also ganz vorne an:

Seit 1933 ist Grönland Bestandteil des dänischen Königreichs. Seitdem ist es die Pflicht und der Wille Dänemarks, die Hoheitsgewalt vor Ort durch eine permanente Präsenz sicherzustellen. Die Aufgaben sind seitdem die Überwachung und Verteidigung von Nordost-Grönland, sowie dem Nordost-Grönland-Nationalpark. Im zweiten Weltkrieg wurde die Überwachung möglicher deutscher Aktivitäten in Grönland zu einer zusätzlichen Aufgabe. Tatsächlich kam es zu zwei Gefechten mit den deutschen Streitkräften, doch Mithilfe der USA konnte Dänemark Grönland erfolgreich unter seiner Herrschaft behalten. Damals hieß die Truppe noch Schlittenpatrouille, wurde nach dem zweiten Weltkrieg in Resolut umgetauft und erhielt 1953 schließlich den Namen SIRIUS-Patrouille, benannt nach Sirius, dem hellsten Stern im Sternbild Großer Hund.

Heute macht die militärische Überwachung einer menschenleeren Einöde natürlich wenig Sinn, doch es ist ein Relikt des Krieges und wird weiterhin ausgeführt, um die dänische Souveränität über Grönland zu wahren.

Moschusochsen Nordost Grönland
Auch Moschusochsen leben im
Nordost-Grönland Nationalpark

Im Sommer, wenn jährlich bis zu 30 Expeditionen im Nordost-Grönland-Nationalpark stattfinden, ist es die Aufgabe der Sirius diese zu kontrollieren. Sie bilden eine Art Polizeibehörde im Niemandsland. Zum Teil haben diese Expeditionen einen reinen Abenteuer-Aspekt, sind aber meistens auf Wissenschaften bezogen. Die Männer helfen den Wissenschaftlern bei Untersuchungen, Tier-und Vogelbeobachtungen, sowie Zählungen und bei der Beringung von Vögeln. Außerdem bekommen die Forschungsteams logistische Unterstützung der Sirius. Der ganze Einsatz hört sich nun schon gar nicht mehr ganz so unsinnig an. Dennoch muss im Winter die eisige Reise durch ein Gebiet, welches 3 mal so groß wie Dänemark ist, angetreten werden. Wer sind die Männer, die sich diesen Strapazen freiwillig ausliefern?

Die Männer

Polarlichter in Grönland
Polarlichter in Grönland

Der Einsatz in dem einsamen Land dauert zwei Jahre. In einem jährlichen Auswahlverfahren werden 20 – 30-jährige männliche Offiziere und Unteroffiziere der dänischen Streitkräfte mitunter durch psychologische Tests auf ihre Tauglichkeit geprüft, denn gewiss nicht jeder kann mit der Einsamkeit und den schwierigen Lebensbedingungen vor Ort gut umgehen. Es erfolgen vorbereitende Lehrgänge, die den Männern bereits das Äußerste abverlangen. Der Verdienst für diesen Einsatz liegt bei 3.000 € netto im Monat. Eine goldene Gans verdienen sich die Männer mit diesem Einsatz also nicht unbedingt… Was bewegt sie dennoch dazu, ihre Familien und Freunde für zwei Jahre zurück zu lassen und sich in die eisige Kälte zu begeben, wo der Abwurf der jährlichen Weihnachtspost per Fallschirmabwurf das Highlight des Jahres ist? Möglicherweise ist es die Faszination für die Natur und Landschaft Grönlands. Eines der letzten unberührten Naturparadiese zu entdecken und zu erleben ist für viele ein Traum, der sich nur schwer erfüllen lässt. Vielleicht ist auch die Abgeschiedenheit von der Außenwelt für einige eine Reise zu sich selbst. Dort führen sie ein Leben im Einklang mit der Natur und sind vollkommen anderen Problemen ausgesetzt, als zu Hause in Dänemark. Ein gewisser Abenteuerdrang, der Reiz, etwas Neues auszuprobieren und seine eigenen Grenzen auszutesten gehören mit Sicherheit auch dazu. Womöglich sind einige der Männer einfach ebenso begeistert von der Arktis wie einst die Polarforscher und  führen nun ein Leben in den Fußstapfen der großen Entdecker.

Was auch immer die Männer dazu bewegt, die SIRIUS gibt es nun bereits seit 54 Jahren. Bereits mehr als 260 Schlittenführer waren in Grönland stationiert und eine Gesamtstrecke von 750.000 km, was mehr als 16 Erdumrundungen entlang des Äquators entsprechen, wurde patrouilliert. Es ist eine historische, altehrwürdige Tradition, die nicht gebrochen wird.

Grönland hautnah erleben können auch Sie. Auf eine sehr viel angenehmere Weise als bei einem Einsatz bei der SIRIUS-Patrouille. Polar-Kreuzfahrten zeigt Ihnen die raue, aber wunderschöne Natur dieser einzigartigen Insel und gibt Ihnen die Möglichkeit beeindruckende Bilder der Eis-Landschaften zu gewinnen. Machen Sie sich doch einmal einen Eindruck über unsere Grönland-Reise und lassen sich für dieses außergewöhnliche Land begeistern.

Text: Kimberly Tahn

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Ein Kommentar zu „Die Sirius-Patrouille in Grönland

  1. Alexander Wachter

    Vor einigen Jahren hatte ich selbst das unglaubliche Glück als Expeditionsstudienreiseleiter die Sirius Patrouille zu besuchen. Wer die Möglichkeit hat nach Grönland zu kommen, sollte dies tun und sich diesem Privileg auch bewusst sein.