Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Spitzbergen: 14.06. – 23.06.2014

Eisbär Wache auf dem Schiff Polar Kreuzfahrt
© Kerstin Langenberger
Publiziert: Samstag, den 21. Juni 2014

Entspannt geht es los

Tag 5 Vom Magdalenenfjord ins Packeis – 19.06.2014

Ein Highlight nach dem Anderen…

Zunächst sollte der Tag entspannt und recht „uninteressant“ sein. Die kleine Runde, die wir im Magdalenenfjord drehten, verschliefen alle ausnahmslos. Hier wollten wir eigentlich Ausschau nach Eisbären halten, doch durch Schnee und Nebel war die Sicht stark eingeschränkt. So konnten wir alle wie gewohnt bis 07:30 Uhr schlafen.

Auf dem Weg ins Eis hängen alle Gesichter hinter Ferngläsern und hoffen darauf, wildes Tierleben zu entdecken. Nachdem sich aber zunächst nichts tut, gehen wir in der Nordwestecke am Fuglefjord (Vogelfjord) auf eine Zodiac-Cruise. Zwischen Land- & Meereis bahnen wir uns unseren Weg und sehen wunderschöne und einzigartige Eisskulpturen und einen Gletscher. Das erste Highlight lässt nicht lange auf sich warten und unser Zodiacfahrer David setzt volle Fahrt mit Kurs Eisscholle an und Schwups! – schon sitzt unser Zodiac halb auf der Eisscholle. Wir können aussteigen und die glitzernde Eiswelt aus einer anderen Perspektive bewundern. Ich glaube, man hat es immer noch nicht ganz realisiert, dass man so hoch in der Arktis auf einer Eisscholle spazieren gegangen ist… Einfach nur ein unglaubliches Erlebnis.

Ein Spaziergang auf Eisschollen ist außergewöhnlich

An der Packeisgrenze Polar-Kreuzfahrten
Im Packeis – Kein Problem bei Eisklasse 1A

Zurück an Bord wird sich gemeinsam in der Lounge aufgewärmt. Wir versuchen nach Nordost zu gelangen, doch durch die vorherrschenden Winde werden wir immer weiter Richtung Land gedrückt. So entschließt sich unser Kapitän im Westen noch näher ans Packeis zu gelangen. Ein wenig kann man sich in die Zeiten von alten Polarforschern zurückversetzen und sich vorstellen, wie damals die Pläne ständig durch den Wetterumschwung zerstört wurden.

Weiter wird von unseren fleißigen Guides „Bärenwache“ gehalten und Heike hält für uns einen Vortrag über Meer-& Landeis und die Entstehung von Gletschern. Just in dem Moment wird sie von den Lautsprechern unterbrochen und uns wird eine Robbensichtung geboten. Nicht weit entfernt von den Robben liegen 4 Walrosse auf dem Eis herum und wir können uns ihnen langsam mit der Quest nähern. Vereinzelt sehen wir immer wieder einige Robben herumliegen – das Futter für die Eisbären ist also eigentlich schon vorhanden… fehlen nur noch die Bären.

Tiersichtungen unterbrechen auch den interessantesten Vortrag

Eisbärenbabys im Tierpark Hellabrunn
Nobby und Nela im Tierpark im Alter von 100 Tagen

Heike durfte ihren Vortrag nach der Unterbrechung noch beenden und erneut folgte eine Tagesrück- und vorschau. Über Nacht wollen wir uns weiterhin im Eis aufhalten immer mit einer Eisbärenwache in der Brücke. Der Plan für morgen ist sehr offen gehalten, eventuell werden wir auf Danskoya anlanden, wo jedoch immer noch sehr viel Schnee zu Lande ist. Auch eine Landung in Amsterdamoya ist nicht auszuschließen.

Vor dem Dinner durfte nun auch Elke mit ihrem Wissen glänzen und hielt einen Vortrag über „Nomaden im Eis“ – Lebewesen, eher Kleinstlebewesen, die das Ökosystem der Arktis stark beeinflussen und in Abhängigkeit vom Eis leben.

Nach dem Abendessen zeigte uns die Kuratorin des Tierparks Hellabrunn in München, Beatrix Köhler, die ersten farbigen Aufnahmen einer Eisbärengeburt. Weiter erläuterte sie viele interessante Fakten zu Eisbären, Eisbären in Gefangenschaft und natürlich Eisbärenbabys. Zumal die beiden Paten der Münchner Jungtiere Nela und Nobby, Norbert Rosing und Emanuel Clemm, mit an Bord der Quest sind, sind wir hier wirklich umrundet von Eisbärexperten- und liebhabern.

Auf eine Audienz beim König der Arktis muss man geduldig warten

Neugieriger Eisbär Polar Kreuzfahrt
Besuch scheint durchaus willkommen zu sein…

Wir haben das Fressen, wir haben das Packeis und wir haben Bilder an den Fernsehern von einer Eisbärengeburt – mehr konnten wir nun wirklich nicht mehr bieten, um endlich das Glück zu uns herauf zu beschwören.

Eisbär Spitzbergen Expeditionsreise
… und wenn’s zu viel wird kann Bär ja gehen.

Und dann passiert es tatsächlich – mitten zwischen den Bildern von der Eisbärmama aus dem Tierpark Hellabrunn bekommt Elke einen Anruf von der Brücke, verschwindet und kommt freudestrahlend zurück. Unser erster Eisbär ist in Sichtweite! Kaum ausgesprochen wurden Jacken um sich geschmissen, Ferngläser und Kameras um sich geschnürt und der Weg aufs Deck gesucht. Zunächst war es nur ein kleiner gelber Fleck am Horizont, doch leider macht es dann bereits schnell „schwups“ und der Eisbär schwamm uns davon. In der Nähe konnten wir seinen „Kill“ liegen sehen. Doch das Glück war nun endgültig auf unserer Seite und der nächste Eisbär war bereits in Sichtweite. Es herrschte eine ehrfürchtige Ruhe an Deck und jeder genoss diesen intensiven Moment.

Nach einer Weile, in der dem einen oder anderen bereits alle Gliedmaßen kalt gefroren waren, wandten wir uns von dem Eisbären ab. Traurig musste dennoch niemand sein – denn  Eisbär Nummer Eins war inzwischen zu seinem „Kill“ zurückgekehrt. Unbeeindruckt ließ er sich dabei beobachten, wie er die gerade frisch gefangene Robbe anfing aufzufressen.

Schlaf wird in der Arktis nebensächlich

Jetzt ist es bereits 01:22 Uhr in der Nacht und niemand denkt auch nur ans Schlafen. Viel zu frisch sind die Eindrücke und Emotionen – gemeinsam werden Fotos begutachtet und Erlebnisse bei einem Bier ausgetauscht. Für jeden war dies bisher wohl der eindrucksvollste Tag der bisherigen Reise – ein wirklich unglaublicher Tag.

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