Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Grönland: 26.08. - 08.09.2014

Publiziert: Freitag, den 05. September 2014

Von Schnellläufern und Botanikerherzen

Tag 10: Donnerstag 04. September 2014

7° bedeckt, Windstill_Wecken 7:45 Uhr

Um 9:15 Uhr waren wir heute startklar zu der ersten Anlandung des Tages in der Charcotbugt. Das Wetter ist nach wie vor ruhig, nur die Sonne hat sich hinter einer Wolkendecke versteckt. Vor uns liegt eine schroffe Landschaft geprägt von Geröll- und Tundraflächen, die wunderbar miteinander verschmelzen. Wir steigen hoch und entdecken einzelne Schneefelder auf denen der Schnee zu groben Eisbröckchen zerfällt sobald man ihn betritt.

Auf diesem Hügel, der von einzelnen langgezogenen Bachläufen durchzogen ist, finden wir leuchtend roten Flächen der Ripe (Beerenart, die nicht essbar ist), der Rauschbeere deren Laub schon fast braun ist und der gelb leuchtenden Polarweide. Wir genießen einen wahren Farbenrausch inmitten der Kargheit. Wir sind ganz Auge und können kaum vorwärts, weil irgendjemand schon wieder eine Pflanze entdeckt hat, die es wert ist vor ihr auf die Knie zu sinken… Ich entdecke ein paar Büschel des auch bei uns seltenen Enzians, dessen Blüten sich noch nicht geöffnet haben. Die Schnellläufer unter uns entscheiden sich darum,  lieber mal vorzugehen. Es kann ja nicht jeder ein Botanikerherz haben.

Auf einem weiteren Hügel angekommen bietet sich uns ein unglaubliches Panorama: Aus den tiefliegenden, an den Bergspitzen klebenden Wolken schiebt sich ein riesiger Gletscher ins Tal, wo er sanft in die hügelige Landschaft ausläuft. Überall ist Wasser: Kleine Seen, Flussarme und winzige Rinnsale plätschern Richtung Strand. Weißwangengänse fliegen kreischend auf. Hier verweilen wir einige Minuten, bis der Himmel über dem Gletscher aufbricht und den Blick auf schneebedeckte Bergspitzen und vielleicht sogar ein Stück des Inlandeises freigibt.

Die MS Ocean Nova nimmt Kurs auf Heden, dort ist am Nachmittag die letzte Wanderung geplant. Morgen geht es zu der Siedlung.

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2 Kommentare zu „Von Schnellläufern und Botanikerherzen

  1. Stephani Drücker

    Da war Mariola wohl von der Wanderung so kaputt, dass sie den Nebel vergessen hat. Im Logbuch, mit dem sie noch diese Woche anfangen wird, bekommt der Nebel dann aber einen angemessenen Platz.