VULKANINSELN UND NATURIDYLLE WESTGRÖNLANDS
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Südgeorgien ist die zweitgrößte und gleichzeitig gebirgigste der den antarktischen Kontinent umgebenden Inseln. Äußerlich ist Südgeorgien mit Spitzbergen oder Jan Mayen im Nordatlantik zu vergleichen. Man muß sich jedoch im Norden ca. 25 Breitengrade weiter in Polnähe begeben, um die gleichen extremen Klimabedingungen wie auf Südgeorgien vorzufinden. Während Spitzbergen zwischen 77°C und 80°C liegt, erstreckt sich Südgeorgien von 53°30'S bis 55°S. Damit liegt letzteres außerhalb des durch den Antarktisvertrag geschützten Gebietes, das nur den Bereich südlich des 60. Breitengrades umfaßt. Die Insel liegt jedoch ca. 350 km südlich der antarktischen Konvergenz und gehört somit aus geographischer Sicht zur Antarktis. Offiziell wird Südgeorgien den peri-antarktischen Inseln zugerechnet. Aus geologischer Sicht gehört es zum Scotia-Rücken, der die Verbindung zwischen Südamerika und der Antarktischen Halbinsel bildet. Im Rahmen der Kontinentalverschiebung wurde der Scotia-Rücken aus seiner ursprünglichen Lage herausgerissen und nach Nordosten verschoben. Südgeorgien ist somit Teil eines kontinentalen Blockes und nicht, wie z.B. Island, die Spitze eines untermeerischen, vulkanischen Rückens, wenngleich es in der Nähe der Subduktionszone des Südantillenbogens vulkanische Erscheinungsformen gibt.
Zwei Gebirgsketten, die Allardyce und Salvesen Ranges, bilden mit über 2.000 m Gipfeln (Mt. Paget 2.934 m) das Rückgrat der Insel. Die Berge sind zum größten Teil so steil und schroff, daß sie weitgehend schnee- und eisfrei bleiben. Durch ihre Höhe bilden sie eine natürliche Barriere gegen die vorherrschenden Westwinde und teilen die Insel so in einen klimatisch sehr rauhen Südwesten und einen gemäßigteren Nordosten. Die Nordostküste ist aber nicht nur aus klimatischer Sicht, sondern auch morphologisch gesehen der begünstigte Teil der Insel. Tief einschneidende Fjorde mit anschließenden kleinen Verebnungsflächen boten den Walfängern beste Voraussetzungen, an diesen Naturhäfen Walfangstationen einzurichten. Die Südwestküste bietet dagegen die Abbruchkanten riesiger Gletscher mit Fronten von 50 m Höhe und 1 km Breite, hier gab es nur eine einzige Walfangstation. Obwohl Südgeorgien reich an Flüssen, Seen und Wasserfällen ist, haben nur zwei Flüsse einen Namen, nämlich der Hope River bei Undine Harbour und der Penguin River in der Cumberland-Bucht. Diese Flüsse waren für die Walfänger von besonderer Bedeutung, da alle Walfangstationen abhängig von Süßwasser waren, das sie in großen Mengen vor allem zum Betreiben der Dampfmaschinen benötigten.
Im Gegensatz zu den in direktem Einfluß des antarktischen Kontinents gelegenen Inseln findet man auf Südgeorgien eine artenreichere Vegetation. Neben zahlreichen Moosen, Flechten und Pilzen haben sich auf der Insel auch verschiedene Gräser, Binsen, Seggen, Kräuter und Farne angesiedelt. Hierbei sticht das über 2 m hohe Bulten bildende Tussockgras besonders ins Auge. Zu dieser heimischen Pflanzenart kommen mittlerweile 35 Blütenpflanzen rund um die Walfangstationen, die von Walfängern eingeschleppt wurden. Die Tatsache, daß diese Pflanzen dort gedeihen, zeigt jedoch, daß der limitierende Faktor für die Verbreitung von Pflanzen auf der Insel nicht das Klima, sondern vielmehr die isolierte Lage ist. Diese bedingt überhaupt die extremen klimatischen Bedingungen. Auf Südgeorgien ist das Wetter überwiegend naßkalt, der Himmel wolkenreich, und die Winde wehen fast immer stürmisch. Im August werden im Durchschnitt nur -2°C erreicht, im Februar, dem wärmsten Monat steigt die
Durchschnittstemperatur auch nicht über +7°C an.
Leider wurden von den Walfängern nicht nur nordeuropäische Pflanzen auf die Insel gebracht, sondern auch Ratten und Mäuse. Außerdem brachten die Walfänger zur Eigenversorgung mit Frischfleisch zwei kleine Rentierherden nach Südgeorgien, die sich bis heute zu zwei großen Herden von jeweils rund 2.000 Tieren entwickelt haben. Diese viel zu hohe Popularität verursacht durch Überweidung starke Schäden an der heimischen Vegetation.
Für den Ornithologen stellt Südgeorgien ein wahres Paradies dar. Allein 30 Vogelarten brüten auf der Insel, hinzu kommen noch 27 Arten, die sich zeitweilig dort aufhalten, ohne jedoch zu nisten. Wie bei einer so isolierten Lage der Insel im Südatlantik nicht anders zu erwarten, dominieren die Seevögel neben nur 5 Land- und Süßwasser-Arten. Zu den unvergeßlichen Augenblicken eines Aufenthaltes auf Südgeorgien gehört bestimmt die Beobachtung der nistenden Wanderalbatrosse oder der Besuch einer Kolonie von Tausenden von Königspinguinen, die in Strandnähe ihre Jungen großziehen.
Von besonderer Bedeutung, vor allem für die historische Entwicklung Südgeorgiens, sind die verschiedenen Robbenarten. Die Antarktische Pelzrobbe und der Südliche See-Elefant sind die Robbenarten, die in größeren Kolonien auf der Insel ihre Jungen werfen, diese dort großziehen und während des anschließenden Fellwechsels an Land bleiben. Der Seeleopard und die Weddellrobbe sind ebenfalls in den Gewässern vor der Küste Südgeorgiens anzutreffen. Sie bilden aber keine Kolonien an Land, sondern sind meist als Einzelgänger oder während ihrer Ruhepausen auf Eisschollen im Treib- oder Packeis zu finden. Sehr selten sind die Krabbenfresserrobbe und die Subantarktische Pelzrobbe. Für die Krabbenfresserrobbe stellt Südgeorgien die nördlichste Verbreitungsgrenze dar, das gilt auch für die Weddellrobbe, während die Subantarktische Pelzrobbe südlich der Insel nicht mehr vorkommt.
Die ehemals dichten Walpopulationen sind während der Walfängerzeit ausgerottet oder zumindest stark dezimiert worden. Einige Arten konnten sich nach den Schutzmaßnahmen langsam wieder erholen, und so ist es fast immer möglich, vor allem die langsamen Buckelwale vom Schiff oder Zodiac aus zu beobachten. Die Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung Südgeorgiens basiert sowohl auf dem ursprünglichen Robbenreichtum als auch auf den hohen Walpopulationen in den Gewässern rund um die Insel. Man unterscheidet zwischen zwei unterschiedlichen wirtschaftlichen Nutzungsperioden.
Die erste Phase, die sog. erste Robbenschlagperiode, begann kurz nach der Wiederentdeckung der Insel im Jahre 1775 durch Captain James Cook und wurde durch seine Berichte über die unvorstellbar großen Robbenkolonien auf der Insel ausgelöst. Zunächst schlug man ausschließlich Pelzrobben, deren Felle in China gegen Seide und Gewürze getauscht wurden. Erst später nutzte man auch die See-Elefanten. Deren Felle sind zwar für den Menschen unbrauchbar, aber aus ihrer Speckschicht wurde ein hochwertiges Öl gewonnen, das sowohl als Lichtquelle genutzt als auch in der Textil- und Lederverarbeitung eingesetzt wurde, z.B. um Rindsleder wasserabweisend und geschmeidig zu machen. Nur der Tatsache, daß die Elefantenrobben nicht in so großen Kolonien auftraten, ist es zu verdanken, daß ihre Bestände nicht so stark dezimiert wurden wie die der Pelzrobben, da das Anwerfen eines Trankochers für nur wenige Tiere unrentabel war.
Die Pelzrobben galten für lange Zeit als ausgestorben. Erst seit 1970 besiedeln Pelzrobben wieder die Küsten Südgeorgiens. Der neue Bestand ist wahrscheinlich auf nur ganz wenige Exemplare zurückzuführen, die irgendwo überlebt hatten. Ihre augenblickliche Wachstumsrate schätzt man auf ca. 10 % im Jahr.
Während der ersten Robbenschlagperiode wurden auf Südgeorgien keine festen Siedlungen gegründet. Es kam zwar vor, daß bei einem frühen Wintereinbruch oder einem Schiffsverlust eine Mannschaft auf der Insel überwintern mußte, hierzu wurden jedoch nur Notunterkünfte errichtet, die meist nur einen Winter lang Bestand hatten. Eine kontinuierliche Besiedlung Südgeorgiens begann erst zur Zeit der Walfänger und der parallel verlaufenden zweiten Robbenschlagperiode.
Maßgeblich beteiligt an der wirtschaftlichen Entwicklung der Insel war der norwegische Kapitän Carl Anton Larsen. 1894 erreichte Larsen zum ersten Mal Südgeorgien. Er wurde dann Kapitän auf der Antarctic, dem Schiff der schwedischen Südpolarexpedition von 1901 - 1903 unter der Leitung von Otto Nordenskjold. Nach dem Untergang des Schiffes und der spektakulären Rettung der Mannschaft gelang es Larsen, beim feierlichen Empfang der Schiffbrüchigen in Buenos Aires noch einmal auf die enormen Walpopulationen rund um Südgeorgien hinzuweisen. Aufgrund seiner Ausführungen wurde die erste Walfanggesellschaft, die "Compania Argentina de Pesca" gegründet. Mit dem Kapital dieser Gesellschaft kaufte Larsen in Norwegen die ersten drei Walfangschiffe. Mit diesen und 60 Mann Besatzung erreichte er am 16. November 1904 Südgeorgien und errichtete dort Grytviken als erste Walfangstation. Am 22.12.1904 wurde der erste Wal, ein Buckelwal, erlegt und in Grytviken verarbeitet. Am 18.02.1905 verließ das erste Walfangschiff mit 165 Tonnen Walöl an Bord Südgeorgien in Richtung Buenos Aires. Nach dem Bekanntwerden des Erfolges wurden sofort weitere Walfanggesellschaften gegründet.
Die Zunahme des Walfangs in der Antarktis wurde zusätzlich durch die Ausrottung der Wale in der nördlichen Hemisphäre begünstigt. Innerhalb von nur sechzig Jahren ist es den Walfängern gelungen, auch auf der südlichen Erdhalbkugel die Wale fast ganz auszurotten. In den Jahren von 1904- 1965 wurden insgesamt 1.400.000 Wale erlegt, davon allein 300.000 Blauwale. Vor dieser Gesamtzahl wurden 175.250 auf den Walfangstationen auf Südgeorgien und den 13 vor der Küste liegenden Fabrikschiffen verarbeitet. Parallel dazu wurden durch das wiederaufgenommene sog. "elephant-oiling" über 260.000 See-Elefanten geschlagen, aus denen man 84.000 Tonnen Öl gewinnen konnte.
Da die Bevölkerung in den Walfangstationen ausschließlich vom Walfang lebte, mußten die Siedlungen mit der Ausrottung der Wale nach und nach aufgegeben werden. 1966 endete die Walfangperiode mit der Schließung der letzten Walfangstation "Leith Harbour".