Schmilzt der Nordpol?

Steigt der Meeresspiegel, wenn „der Nordpol schmilzt“?


Nein! Das Abschmelzen der Eisflächen, die das Nordpolarmeer (heute noch) bedecken, hat keinerlei Einfluss auf den Meeresspiegel – er bleibt unverändert, weil der Eispanzer auf dem Wasser schwimmt. Der Grund dafür: Eis hat eine geringere Dichte als Wasser. Ein Eisberg etwa ragt mit ungefähr einem Zehntel seines gesamten Volumens über die Wasseroberfläche hinaus, neun Zehntel liegen darunter. Angenommen, dieser Eisberg wiegt 900 Kilogramm. Dann ist er – folglich - aus 900 Litern Wasser entstanden. Das Eisvolumen aber beträgt etwa  1000 Liter – von denen 100 Liter über den Meeresspiegel als sichtbarer „Eisberg“ hinaus ragen, während 900 Liter ins Wasser eintauchen (er „verdrängt“ dabei genau so viele Liter Wasser, wie er in Kilogramm wiegt). Schmilzt das Eis, so werden daraus exakt diese 900 Liter Wasser, die der Berg zuvor verdrängt hat. Am Wasserspiegel ändert sich also gar nichts.


Ganz anders verhält es sich mit Eis, das nicht schwimmt, sondern auf festem Grund aufliegt – etwa einer Insel wie Grönland, Spitzbergen oder auch der Antarktis. Auch dann entstehen beim Schmelzen von 1000 Litern Eis nur 900 Liter Wasser, die ins umliegende Meer fließen. Weil aber das Eis zuvor nicht darin geschwommen ist, hat es diese 900 Liter vorher auch nicht verdrängt – es sind also 900 Liter zusätzlich. Und diese lassen, in der Tat, den Meeresspiegel ansteigen.


Wer womöglich zweifelt und diese Dinge selbst ausprobieren will, nimmt eine Schale mit Wasser und lässt darin ein paar schwimmende Eiswürfel schmelzen – er wird sehen: Der Wasserspiegel bleibt konstant. Danach kommen die Eiswürfel auf einen Löffel, der knapp über die Wasseroberfläche gehalten wird. Schmelzen die Würfel, tropft das Wasser in die Schale, der Spiegel steigt.

Für die „schmelzende Arktis“ bedeutet das konkret: Schmilzt die Eisbedeckung des Nordpolarmeeres, etwa nördlich des 80. Breitengrades, so passiert mit dem Meeresspiegel nichts. Schmelzen unterhalb des 80. Breitengrades die Gletscher auf dem Land - etwa in Grönland, Kanada, Alaska, Franz-Josef-Land oder Spitzbergen - wird es für die Städte an der deutschen Nordseeküste (und anderswo) eng. Da sowohl nördlich als auch südlich des 80. Breitengrades das „ewige Eis“ taut, wird der Meeresspiegel in Zukunft ohne Zweifel steigen.

(c) Kai Schubert

4. April 2009

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