Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Im Reich der Eisberge von Grönland: 18.09. - 28.09.2016

Blick in eine Wohnung in der Geisterstadt Qutdligssat
Publiziert: Montag, den 31. Oktober 2016

Geisterstadt Qutdligssat, Fischerdorf Saqqaq & Saunavergnügen

Tag 06 – 23. September 2016: Gemischte Gefühle in der Geisterstadt Qutdligssat

Wir sind die ganze Nacht durchgefahren, um heute die Geisterstadt Qutdligssat (Qullissat) zu erkunden. Position: 70° 05‘ N 52° 59‘ W
Die kleine Siedlung wurde in den 20er Jahren gegründet und 1972 verlassen. Niemand wohnt hier oder empfängt uns. Wenn wir uns genauer umschauen, sieht der Ort, abgesehen von der wunderschönen Umgebung, auch nicht mehr wirklich einladend aus. Heute ist es bedeckt, nur die Gipfel der Berge um uns herum werden von der Sonne angestrahlt. Irgendwie passt das Wetter zu diesem Ort. Zunächst kommen wir an dem Werk der Kohlemine vorbei. Hier sind nur noch Reste zu sehen, die der rauen Witterung Stand halten konnten, wie beispielsweise die Schienen für die Kohlebeförderung. Es gibt sichtlich noch eine Hand voll Häuser, welche abgeschlossen sind und weiterhin gepflegt werden, soweit dies möglich ist. Ein altes Herrenhaus, eine alte Schule, das alte Krankenhaus des Ortes – ein Paradies für jeden Detail-Liebhaber. Besonders hat uns ein Museum mit vielen kleinen Fundstücken, die gesammelt in einem Haus ausgestellt wurden, beeindruckt. Unsere Meinungen sind gespalten zu diesem Fleck von Grönland: Von wunderschön über gruselig bis mystisch. Doch in einem sind wir uns alle einig: Eine Nacht möchten wir hier nicht verbringen.

Nach diesen spannenden Eindrücken können wir bei leckerem Essen auf dem Schiff das Erlebte noch einmal Revue passieren lassen. Unsere Fahrt setzt sich fort. Links und rechts vom Schiff tauchen kleinere und größere Eisberge auf. Von den tief blauen Farben sind wir besonders beeindruckt. Unser Kapitän navigiert uns durch ein beeindruckendes Eisfeld. Kein Berg gleicht dem anderen und es zieht ein Postkartenmotiv nach dem anderen direkt an unserer Reling vorbei.

Begegnung mit Einheimischen

Am frühen Abend besuchen wir noch den Ort Saqqaq. Position: 70° 00‘ N 51° 58‘ W
Hier leben in etwa 300 Grönländer. Das Dorf präsentiert uns das grönländische Leben völlig unzensiert. Als wir am Hafen mit dem Zodiac anlanden, steigt uns der intensive Geruch der Fischjäger direkt in die Nase. Wir gehen den Steg entlang und entdecken gefüllte Eimer mit frischem Fisch. Auf einem Boot liegen sogar tote Seerobben über die Reling. Wir wissen nicht so recht, ob wir stehen bleiben oder schnell weiter gehen. Dann fasziniert uns der Hafen doch irgendwie. Wir gehen weiter in den Ort hinein. Die bunten Häuser liegen verteilt zwischen den Felsen. Mit den Einwohnern leben hier viele Grönlandhunde, deren Geheul schon vom Schiff aus zu hören war. An den kleinen Welpen bleiben wir eine Weile stehen und beobachten die spielerischen Kämpfe der Kleinsten. Die Laute der Hunde in der Umgebung wechseln sich ab mit den knackenden Eisbergen in der Bucht – eine beeindruckende Geräuschkulisse! Wir begegnen spielenden Jungen auf den Wegen, die uns neugierig mustern. Mit diesen authentischen Eindrücken des grönländischen Lebens kehren wir auf die Cape Race zurück. Der Fischgeruch hängt über der gesamten Bucht und geht uns so schnell nicht aus der Nase.

Rein ins Meer

Nach dem fantastischen Abendessen steht noch ein ganz besonderes Ereignis an. In der Bordsauna lassen es sich einige aus der Gruppe heute so richtig gut gehen. Nach den schön kalten Tagen wärmen wir uns einmal richtig auf. So ganz möchten wir dann aber der Kälte doch nicht weichen. Die Crew hat alles vorbereitet für unseren ersten Polar-Plansch. Wir stehen zusammen unter klarem Sternenhimmel an Deck der Cape Race und wagen uns einer nach dem anderen ins eiskalte Nass. Während unser Guide Chris direkt von Deck den Sprung ins Eiswasser wagt, klettern wir die Leiter am Schiff herunter. Schnell zurück in der Sauna fühlen wir uns wie neugeboren. Der Großteil springt sogar ein zweites Mal. Mit guten Gesprächen lassen wir den Abend ausklingen.

Lisa Kempe

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